Donnerstag, 11. Juli 2013

Summertime is Dubtime: Dubblestandart & Ruts DC (Review)


Yap, der Sommer ist ja da - naja zumindest partiell (sitze gerade NICHT im T-Shirt aufm Balkon & ne Hose hab ich auch an) aber verlieren ma uns jetzt nicht in Gedanken an die Dinge, die man eh nicht ändern kann & besinnen wir uns auf die Dinge, die wirklich wichtig sind - so wie Bass und Bass UND Bass.

Und dieser Sommer verspricht da wirklich einiges & deswegen gibt jetzt mal wieder ne gepflegte Schippe Rezensionsgewummer vom Herrn Flaneur. Anfangen?

Ja? 

Ok.

Also die erste Platte, die ich besingen will ist mehr als nur die 13te Platte von den Dubgroßmeistern Dubblestandart. Diese Herren verstehen ihr Geschäft - Leser dieses Blog wissen das. Kennen die Klangkosmen, in denen perfekt getimte Drumeruptionen den Urknall wie ein launiges Magenwindchen wirken lassen, Echoes & Hallgrandezza vom anderen Stern - eben solche subsonische Miniaturen, die eure Gänsehaut Bassballett tanzen lassen - alles so wie es eben muss - eigentlich könnten sie mit Bewährtem weitermachen, aber sie können auch anders & machen es eben dann auch - erfreulicherweise.

Die neue Platte weist folgende Finesse auf - wie der Titel ja schon verrät - alle Vocalisten der Platte sind weiblich. In diesem doch noch immer ziemlich mackerdurchdrungenen Genre halt (leider) immer noch eine Seltenheit & auch deswegen ist diese Platte eine ganz klare Flaneurempfehlung ...

Und ich würde diese Band nicht so sehr lieben, wenn sie jetzt cheesy Popgebrauchskunst zusammenzimmern würden. Nee, sie schneidern jeder einzelnen Künstlerin eine wunderbare durchbasste Tobefläche zurecht & schaffen hiermit ein Mixtape, welches sicherlich auch die nächsten vier/fünf Sommer überstehen wird, ohne sich abzunudeln.

Das Repertoire umfasst einen wundervoll emotionale Lovertune von Marcia Griffiths (ja genau diese Marcia - die Queen of Reggae), der nie in den Kitsch abkippt und mich jedesmal nur sprachlos zurück lässt. Aber auch textlich unglaublich kluge, kämpferische hiphopfizierte Slowdubhymnen werden geboten - von Saria Idana werden wir sicherlich noch sehr viel hören - gedenkt meiner Worte!

Ari  Up ist ja ne alte Bekannte der Band, daher überrascht ihr Mitwirken nücht weiter - und wie üblich ist ihre Ode an ihren Soulmate einfach nur grandios Aber auch der hinreissende Soundtrack zum gewagten Eigensinn von Jazzmine Tutum ist mehr als groß - eigentlich müssten wir alle viel viel häufiger dieses Mantra in uns reinflüstern "Dont' Worry What The People Think About You" - ich danke ihr für diese charmante Erinnerung.

Den letzten Track, den ich noch kurz umreissen mag ist das kraftvolle Punk/Rap/Dub-Mashupungetüm von Hoda, eine Muslima, die einerseits Gift & Galle über die Stereotypen des Westens verspritzt - und den weißen Privilegisten ordentlich einschenkt, aber auch allen religiös verbrämten Mackern der eigenen Kultur die selbstgefälligen brüderlichen Beschützerflügel stützt - the Way Of Resistance. Stay Calm & Carry On. Brett. Punkt.

Eine Platte, die du und du und du und du haben musst. Einfach, weil es dir sonst an Knallhall, Wehmut, Wut und Bass mangelt. Und jetzt bitte argumentiert gegen diese Worte ;D

Und nun ein Hörbeispiel. Dieser Remix hier ist zwar nicht auf der Platte zu finden, aber ich bin so angetan von ihm & dem Regelschiebeporn, dass ich nicht anders kann ... 





Bei der zweiten Band, die ich als vorstellungswürdig befunden habe, bin ich jetzt ein wenig auf eure Phantasie angewiesen, mangels des tollen Effektpultes vom ollen Raab - also ich drücke jetzt die imaginäre Märchenonkeltaste und ihr hört ein "Once Upon The Time" Sample - ja? Ok.

Ruts DC sind alt, sehr alt -  manche von euch waren noch fröhlich in Papas Skrotum herumplantschende DNA-Knubbel als sie ihre erste Rhythm Collision auf das staunende britische Volk losliessen UND davor waren sie ne Band ohne dieses DC-Suffix.

Damals machte man noch sehr göttlichen radikalen, politischen Reggaepunk & schuf solche Endzeitmeisterwerke, wie "Babylon Is Burning", aber damals gab es auch diese Unsitte No Future nicht nur an Wände zu schmieren, sondern auch ins Eigenbewusstsein & von daher betrachtete man harte Drogen auch als fluffigen Zeitvertreib. 

Dumm. Dumm & tragisch, denn der begnadete Sänger der Band verließ 1980 den Ballsaal nach dem Tanz mit Queen Heroin liegend, unter einem Leichentuch ruhend. Und somit ist Ruts DC eigentlich immer nur eine posthume Notlösung gewesen - möglicherweise erklärt dies auch weshalb zwischen den beiden Collisions schlappe 31 Jahre liegen. 

Von der 1982er - durch Ska & Dub kanalisierten - Wut ist aber auf der aktuellen Platte noch immer genügend zu spüren. Heute braucht man keinen lyrischen Fausthochstrassenkampfunsinn mehr, sondern verpackt präzise anklagende Texte gegen Polizeibrutalität in fast schon popaffinen Nummern.  "Smiling Culture" ist das charmanteste trojanische Pferdchen, welches mir seit Jahren unters Radar geriet. "I'm talkin' 'bout Police" - jeder weiss' was mit diesen Worten gemeint ist, da ist kein vierteiliges Akronym vonnöten, wer dennoch ein Taxi rufen will - fühlt euch frei.

Die Platte ist so urbritisch, wie weniges was ich kenne. Die Band, nicht weniger als eine der Speerspitzen der damaligen UK Punky Reggae Szene kann natürlich aus den vollen schöpfen & so verquicken sich hier die Dubwiseness der 70er plus diese unglaublichen Synthieflächen, mit dem melancholischen Melodiegefühl des frühen Postpunks und der Echochambereffektcleverness der Neuzeit.

Eine Platte anachronistisch & zeitlos, überzeitlich und gnadenlos rückwärtsgewandt. Und gerade in diesem Zwiespalt wohnt der Zauber inne. Must have. Ausserdem jibbts noch eine Gästeliste zum Fingerlecken. Tenor Fly, Rob Love, Mad Professor,  Aynzli Jones, Segs - have i say more? 

Und jetzt Musik ... Cheerz!

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