Mittwoch, 26. Juni 2013

Crowdfunding - nur der Liebe wegen.


Ich hatte am 31.05.2013 das große Vergnügen Teile der Band, die dieses stilbewusste Merchandise vertreibt, live sehen zu können - wie es dazu kam will ich euch gleich erzählen ...

... erlaubt mir nur einen Einschub, ja es ist fast ein Monat Latenz zwischen Konzert & Bericht zu bemängeln - ergab sich einfach mal wieder so, weil ein buggy Body mich in das farbenprächtige Gegenreich der ungesunden Fieberträume schickte. Dauerte halt bis ich wieder auf dem Damm war - hier nun der Bericht, verspätet, aber Qualität altert ja eh nicht, oder? 

Die Vorgeschichte

A Band Of Buriers (ab jetzt zeichenanschlagökonomisiert als ABOB bezeichnet) sind eigentlich ein Duo bestehend aus James P. Honey & Jamie Romain. Da sich beide nicht über ihre Musik finanzieren können/wollen, gehen sie also auch Bezahljobs nach, nix Rockstarjetsetgesumme. Und so passierte es, dass Romain einen Job angeboten bekam, welche er nicht ablehnen konnte/wollte - dummerweise nach der bereits gebookten Tour.

Jetzt kann man natürlich argumentieren, ok der gemeine Booker bookt ein Duo & ein Solo ist eben nur die Hälfte - so weit so blöd. James P. Honey musste also erfahren, wie es ist, wenn fast die komplette Tour gecancelt wurde, sicherlich kein allzu geiles Gefühl, aber (Asterixvoice fade in) die ganze Tour - nein ein kleines Dorfstädtchen wehrte sich.

Chryso, Saargallier wie ich & großer Fan von P. Honey wollte sich den Unbillen der schnöden Bookerwelt nücht beugen & rief eine Schwarmfinanzierung aus. Erfahrung damit hat er - er darf die Medaille tragen als ersten in Deutschland ein Produceralbum komplett crowdfinanced zu haben. Und oooops he did it again (mit einem sehr wohlwollenden Presseecho der Ortspresse!)

Gesagt/getan - die Kohle kam fix zusammen & die Duohälfte konnte aus dem nebligen Albion eingeflogen werden. Und so spiele er einen Gig dort, wo normalerweise schöngeistiger Hochkulturzauber runtergebrannt wird - im Saarbrücker Filmhaus - nicht mehr & nicht weniger als der Ort, an dem seit 1980 jedes Jahr der "Max Ophüls-Preis" verleihen wird. Ja, ihr habt richtig gelesen, ein Konzert - bestuhlt, im Kino!

Das Konzert

Abgesehen von einem sehr sonderbaren Zaungast - Anwesende werden sich an Zinédine NaDann noch mit Schrecken erinnern können - war es ein wundervolles Konzert - die Vorband gaben die brillanten Tell, die ich bis dato nur aus der Konserve kannte. Wundervoll kranker Brainyhop, der jedem Audio88-Abtrünnigen nur anzuraten ist, weil klug, böse, bildgewaltig, hintergründig. Und solange Bass auf der Box tropft, bleibt der Beat ein Defibrilator, wa?

Mit dem schnieken Leinwandvorhang hat das Ganze doch schon eine leichte Theateranmutung, oder? Googelt die doch mal eigenständig und lasst euch einsauen von ihrer grundsymphatischen Schwärze.



Vor James P. Honey gab es noch noch ein kurzes Folkintermezzo, auf welches ich aber hier wegen Nichtgefallens nicht eingeben werde, die Gnade des Rezensenten eben ;D - also einmal zeitspringen bitte ...

... und zack wir sind bei einen sehr britischen Typen, der so sehr Typ war, da es mir schwer fällt Worte für seine erfrischende Typigkeit zu finden. Addiert einfach Balu (in seinen faulsten Phasen) mit Monty Pynthon in den besten Momenten und rührt noch etwas lampenfiebriges Indiegehabe ein - und BANG! fertig ist der Honey.

Ein Humor, viel zu britisch für Ganzgallien, staubtrocken & hintergründig, gepaart mit einer Physiognomie, die aus skandinavischen Filmchen geborgt sein könnnte und einem hinreissenden Timing für Slackness in Vollendung. Da schlappte ein abgelederter Typ nur mit seiner 70er Jahre katholische Landfahrt-Klampfe bewaffnet auf die Bühne & brannte. Vollständig.


Dieser Mensch ist mit einer solch phantastischen, melancholischen, kraftvollen Stimme gesegnet - alle die ABOB kennen, werden jetzt einmütig nicken - und auch ohne Cellobegleitung jagte mir dieser Mensch nur mit Klampfe und Stimme eine einstündigen Schauer über den Leib, der minimum bis zu dem Verfassen dieser Zeilen anhält.

Und - um den Bogen nochmal zur Headline zu schlagen - alles nur der Liebe wegen! Hätte Chryso nicht die Börsen der subkulturell interessierten Gallier geleert, wäre das Kino niemals angemietet worden und der digitale Flaneur hätte nicht die Karten für dieses Fest gewinnen können ...

Ich musste hierzu bei dem Gewinnspiel den Verlosenden beschimpfen - als battlerapaffine Katze ja ne Trockenübung, aber erzkomisch fand ich es trotzdem & auch diese Anekdote macht diesen Abend einfach mal unvergesslich ... großes Wort, aber hey - ihr wart ja nicht da ;D.

So fertig! Und ein Schlusswort hab ich auch noch - denn somit müsst ihr euch eigentlich auch bei Tell, Chryso & P. Honey dafür bedanken, dass ich seit Minimum einem halben Jahr mal wieder Gelüste hatte einen längeren Text zu schreiben - nur der Liebe wegen!
Credit´s für alle Bilder: Fabian Theobald

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