Montag, 31. Dezember 2012

Listenterror #03 - Meine 5 liebsten Platten in 2012 (plus 1)


2012 war zwar für mich vorwiegend ein Jahr der Wiederentdeckungen, denn ich habe mich an so vielen alten Alben wieder satt hören können, aber es war auch ein sehr erfreuliches Jährchen für neue Leckereien, hier eine kurze Auswahl.

Hauschka: Salon Des Amateurs

Wie in jedem Jahr hat sich auch 2012 eine Platte in die Jahresbilanz eingeschummelt, welches bereit im Vorjahr veröffentlicht wurde. Tut aber nichts zur Sache, denn diesem Album  habe ich mehr als nur einige schöne Stunden zu verdanken. Es war ein Schrankenzertrümmerer, Schleusenöffner und Tontrigger sondersgleichen. Bei den Strandspaziergängen entlang der zugefrorenen Ostsee stimmte es mich milde und liess Tränen kullern, beim Wolkenbegucken aufm Tempelhofer Feld zeichnete es mir ganz sachte mehrere träumerische Grinsen auf die Lippen. Wunder- und wertvoller, angenehm melancholischer Electronica-Minimalclassic-Kopfreiniger mit Tagtraumgarantie.

Amewu: Leidkultur

Rap in Zwozwölf war eher so nerviger Pop mit grützigen Singersongwriterallüren & Mimimi-Toilettenfluchten oder grunzdebiler Halbzellersilbengestocher über Pulver und den Slip deiner Mutti, daher war es sehr erfreulich, dass Amewus Album wie einer machtvoller Monolith in diese Szene krachte & Poptrottel & Strassenamöben charmant zur Seite wuchtete. Amewu: Immer noch der faszinierendsten MC den Deutschland zu bieten hat, wenn es um Präzision, Tiefe, brillante abstrakte Bildsprachlichkeit & bedeutungsschwere Philosophiebretter on Beats geht. Textheftleser nickten verzaubert.

Astronautalis - This Is Our Science

Ok, ok ... es haben sich zwei Alben aus 2011 eingeschmuggelt. Aber was kann ich denn dafür, wenn der bessere Stuff den längeren Atem hat und nur weniges ihm den Rang ablaufen kann? Tighter Rap plus seelenblutiger Blues plus gekonntes Songwritertum - so kann man den charmanten Silbenakrobat wohl paraphrasieren. Auch er einer der wild talentgeküssten Texter dieser Tage, dessen Alben kann am besten Nachts mit Headphone & Textheft goutieren kann. Poetisch, leichtfüssig & trotzdem sperrig, massig Popappeal trotz tiefsinniger Themen. Feinster Hybrid zum mitwippen, hinhören & nachdenken.

Aesop Rock - Skelethon

Mister A-E to the S-O-P ballerte mich auch mit dieser Platte einmal mehr aus dem tonschwangeren Firmament. Auch, wenn mich die letzten Alben der 11 Jahre, die seit der subsonischen Epiphanie namens Labor Days vergangenen sind, nicht kalt liessen, riss dieses Album sämtliche Mauern ein. Was war passiert? Aesop produzierte alle Beats selbst, seine Texte könnte eh nur ein Kollektiv ghostwritern & die Atmosphäre der Platte kann man nur als ungebrochen defjuxophil labeln. Während viele Indiereleases inzwischen beattechnisch nur noch konventionell + ermüdend sind, fegt der radikale Zugänglichkeitsverweigerer allen schonkostverdorbenen Öhrchen, die schmierige Rotze vom Trommelfell. Für Aesop ungewohnt poppig, aber gekonnt mit mächtig Wucht & Fabulierungsfreude serviert.

Blockhead - Interludes After Midnight

Die Brücke von Aesop zum Kantenkopf ist schnell gebaut, schliesslich haben sie gemeinsam ein Meisterwerk der Tonkunst zusammengezimmert. Erfreulich ist aber, dass auch Blockhead mich immerhin 8 Jahre nach der Music by Cavelight-Sause auf Anhieb umsäbelt. Vergleicht man hierzu andere Beatschubsen der früheren 2000er, so sind viele inzwischen irgendwie zwischen Clubbingo & Werbeclipgeschmuddel angekommen - nicht so Mister Blockhead. Seine Musik steckt noch immer voller raffiniert gesetzten Melodiesplittern, phantastischer Brüche & gekonnter Abrisse und augenscheinlich genussvoll ausgewalzter Melancholien. Wer bei dieser Platte kalt bleiben kann, hat entweder chronischen Pop oder ist ein untoter Androide - beides irgendwie eher eklig.

Die Liga der gewöhnlichen Gentleman - Jeder auf Erden ist wunderschön

Meine Plus 1 schmiegte sich äußerst rasant in die Jahresliste ein, aber das hinreissend nerdige Textfeuerwerk, welches der ehemalige Sänger der gnadenlos liebenswerten Superpunk (RIP *seufz*) hier mit seiner neuen Band niederbrennt ist so großartig. Wäre die Platte ein Paar Lippen, hätte ich diese schon längst blutig geküsst. Lieder über Fussball, Traurigkeit, Jeans & die wunderbare Welt des Northern Soul. Songs zum Mitheulen, zum trunkenen Partnergegröhle am Ende der Party, wenn man mit dem Rest der netten Menschen vor der Partycrowd in die WG-Küche hin desertierte. Aufrichtiges, punkrockgetränktes Eskapismusmobile zum immer wieder anschubsen.

Falls ich ausführliche Besprechungen zu den vorgestellten Titeln verfasst habe, finde ihr diese hier.

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