Mittwoch, 26. Dezember 2012

Listenterror #02 - Meine 5 liebsten Comicsserien in 2012


Die reine Nennung der Storyboarders ist keine Präferenzentscheidung, sondern nur die vereinfachte Variante die Serie vorzustellen, da meist mehrere Zeichner aktiv sind. Titel & Autor sollten euch aber für die Recherche der Beteiligten genügen, oder?

Snyder: American Vampire

Zahme, harmlose Kreaturen der Nacht dürfen wir ja gerade in Genüge bewundern. Daher ist es sehr erfreulich, wenn eine Serie diesem welkwerdenden Genre eine neue Dynamik verleiht, kluges, ja philosophisches Gedankengut einstreut & trotzdem die Rotwerte noch solide hochreisst. Und ausserdem sind wir doch mal ehrlich - Skinner Sweet ist verdammtnochma der charmanteste Bastard dieses Jahres. Bösewichte im nicht castbaren Format muss man ohnehin schützen, sie werden ja langsam von all den militanten Weichzeichnern weggebissen, aber dann vergnügen wir uns eben wieder in den Katakomben der Unterhaltungsliteratur. Dort war es ja eigentlich immer schön & wohlig unzahm. Immer noch die Vampirserie der Wahl ohne viel Mimimi, aber mit janz viel Splash'n'Slash.

Layman: Chew

Der Storyboarder mit den goldenen Tatzen. Vertigos Management wird sich wohl noch immer in den quotenfixierten Po beissen, dass sie Chew nicht verlegen wollten. Indieperle mit sehr schönem dunkelbunten Humor. Astrovampire, Geschmacksknospentelepathen, halbdroidische Mackertypen,  Gourmetterroristen & eine Kolumnistin, die Leser zum Würgen bringen kann. Ein Sammelsurium schräger Figuren, die auch gut in ein Setting von Ba/Friction gepasst hätte. Bunt, durchgeschossen & trotz der kleenen Delle in Teil #03 ein Beweis dafür, dass selbst erfahrene Publizisten richtig daneben liegn können. Layman wird es sicherlich freuen ;D. Ich gönne es ihm von ganzem Herzen.

Aaron: Scalped

Diese Serie war ein konsequenter Höllenritt, die sich durch ihre vollkommen gnadenlose & schamlose Brutalität gegenüber der Hauptfigur auszeichnete. Selten hat ein Storyboarder seine Figur gemeiner durch die Panels gejagt. Ein paranoider Undercovercop on Dope. Wenn er keine Ansgt verspürt enttarnt zu werden, peinigt ihn die Sucht nach dem schnellen Crack-Kick. Neben dem erstaunlich antihumanistischen Menschenbild, welches Aaron entwirft (natürlich nur um seine charmante Idee einer Moralität in einem amoralischen Raum zu illustrieren) überzeugt die schonungslos Radikalität de Storyboardings. Hier wird kein moralingetränktes Heldenepos entworfen, sondern ein komplettes Menschenbild glaubwürdig seziert - bis hin zur Tierhaftigkeit der Taten. Ein Thriller für die ganz harten Mägen. Glaubwürdig, bösartig, brillant & wahrscheinlich einzigartig - ich zumindest kenne keine vergleichbare Serie.

Carey: The Unwritten

Natürlich ist The Unwritten für den Literaturwissenschaftler in mir ein gefundenes Fressen, aber auch abseits der offensichtlichen Zitatpornografie ist diese Serie viel mehr als nur ein wildes Mosaik aus populärkulturellen Versatzstücken. Gerade die Belesenheit des Autors, die routinierte belletristische Raumnahme, die sich ganz selbstveständlich die notwendige Zeit & den nötigen Raum eines Pynchonszenarios gönnt machen die gekonnten literarischen Anspielungen zu etwas äußerst Eigenständigem. Eine erzählerisch unglaublich machtvolle Reflexion über die Macht der Erzählungen, die ganz beiläufig religiöse Diskurse, Massenpychologie & Mediengeschichte vermischt & uns daran erinnert, warum wir immer wieder die Nähe zu diesen eigentlich totgesagten Holzmedien suchen.

Wood: DMZ

Ja, natürlich hatte das Settting rund um dieses mögliche Amerika unverzeihliche Längen & ja, natürlich waren auch einige wirklich ärgerliche Storytwists zu bemängeln - ABER - welche Serie kann von sich sagen, dass man diese Defizite benennen kann und trotzdem dem Charme weiterhin erliegen kann? Die offensichtliche politischen Bezüge der Serie nahmen zwar nach dem Ende der Macht des erklärten Evangelikaners Bush ab, aber nur weil nun kein spinnerter Präsident mehr vom Herannahen des Dritten Jerusalem fabuliert, ist der dezidiert zivilgesellschaftlich aufgeladene Diskurs des dystopischen Biotops der DMZ noch nicht zu Ende. Wood spricht über die Willkürherrschaft von Warlords, die Gnadenlosigkeit von alltäglich werdenden Landsknechten & Söldner auf den Schlachtfeldern dieser Welt & von der konsequenten psychologischen Abrichtung von Selbstmordattentärern, deren Motivation nicht der Hass auf den Feind, sonderen der Schmerz des Verlustes ist. DMZ ist noch immer ein erschreckend realitätsnahes Panoptikum der modernen Kriegsführung in der blutrote, religiöse Motive & Pressejacken keinerlei Schutz mehr gelten. Hobbes revisited. Ein Krieg aller gegen aller. Keine Fronten, keine Trennung zwischen Heer und Bevölkerung. Die einige Verbindlichkeit ist der Zwang zur Kriegsteilnahme. Kombattanten wider Willen. Zivilisten sind nur noch die, die blutenden am Boden liegen. Mich erschrickt diese Erzählung immer wieder.

Falls ich ausführliche Besprechungen zu den vorgestellten Titeln verfasst habe, finde ihr diese hier.

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