Mittwoch, 1. August 2012

Sommer in Deutschland ist Rootdown-Zeit!


Vielen Spöttern zum Trotz hat sich in selbst im gallenschwarzen Herzen Babylons, in dieser funkbefreiten, nebelumwölkten Insel der Verzweiflung aka Deutschland ne verschmitzte Reggae/Dancehall-Szene ausgebildet - und ein Herzstück dieses Gewächses sind sicherlich die Herren des Rootdown Records-Krafthauses ...

...und weil diese Menschen immer wieder ganz phantastische Platte auf dem Markt tropfen lassen steht der heutige Tage einfach mal komplett im Zeichen dieses Labels.

Und bevor die unkenden Spötter wieder die schmierigen Finger heben & neiderfüllte Silben über Korruption & Patronage in die Wolke rülpsen - Vorschlag: Schafft euch einen solch feinen Artistrooster an & ich preise & lobhudele auch euch & jetzt geht ma zurück in den Trollbabylaufstall und lernt gepflegt meckern, ihr Alphawölfchen. Danke.

Ich will euch heute fünf Platten vorstellen, die in diesem, jetzt doch tatsächlich nochmal heranrauschendem Sommer ne Chance verdienen. Ich hab auf deutschsprachigen Dancehall ganz bewusst verzichtet, weil ich diesem Genre gegenwärtig einfach nichts abgewinnen kann. Somit wäre ich in der Beschreibung einfach nicht fair - was den Künstlern gegenüber schamlos wäre. Akzeptiert dieses Dezifit oder geht mit den anderen Trollen Unkulele spielen. 

Manche der ausgesuchten Platten werden nur von Rootdown vertrieben, manches sind Eigengewächse, manche sind brandaktuell, andere sind knapp zwei Jährchen alt (in Netzjahren also Dinosaurier) - aber ihr wisst ja, Qualität heisst, dass man Platte auch noch nach Jahren liebend gerne hört. Und jetzt lasst ma anfangen ...


Album Nummer #01 ist Sebastian Sturm - Get Up & Get Going. Wer den mit einer phantastischen Stimme beschenkten, hochbegabten Knaben schon mal live gesehen hat, hat auch massig Mädels rumhecheln sehen - yap, smarter & hübscher Typ, muss man einfach mal neidfrei so sagen - aber er ist noch soviel mehr ...

... auch auf seinem dritten Album erweist er sich als ausgesprochen wacher Beobachter, scharfer Kommentator sozialer Verwerfungen und bissiger Spötter. Aber er lässt sich nicht auf das Zynikerspiel ein & spuckt herablassend in die Menge, stattdessen bricht er lieber schwarzhumorig dem vielnamigen Tier ein paar Zacken aus dem Krönchen. Kein Burn Babylon-Stereotypengenerve, sondern kluge Analysen & bildhaftige Wahrhaftigkeiten.

Er lädt in seinen Songs zum Mitdenken (und -summen) ein und waren seine bisherigen Veröffentlichungen stets stilsicher in dieser Stossrichtung, muss ich doch sagen, dass mir die deutlich komplexer gewordenen Soundschichtungen seiner Begleitband Exile Airline extrem jutt zusagen ...

... denn sie gewähren der eindrucksvollen Stimme einen noch größeren Raum. Kluge, raffinierte, weltoffene Platte, deren Mucke durch den Bums der Band & deren Texte durch ihre lyrische Tiefe begeistern ... #fileundernachdenkmusik



Album Nummer zwo ist Danakil - Echos du Temps. Die melodieverliebten Franzosen sind die hochtoxische Substanz für alle Couchkartoffeln, hier ist nücht mit sich verkifft im Sofa verstecken - das ist Tanzmusik - melancholische Tanzmusik! Ja, richtig gelesen - melancholischer Reggae, ja eigentlich ein sich ausschliessendes Prinzip, aber dieser Band gelingt es den Hybrid zu schaffen.

Diese Platte ist so schwermütig, dass es eigentlich sonnenklar ist, dass es nur Linksrheiner sein können, die sich so bestechend schlüssig darauf verstehen diesen Zwiespalt perfekt auszutarieren. Schwermütig & trotzdem extrem lebensbejahend. 

Ihr kennt sowas von den französischen Rapplatten - alles ist dunkelbunt & trotzdem wird hier nicht aufgegeben, sondern Stein für Stein die nächste Mauer zur Seite geräumt. Wir gerne mal verbissenen Deutschen sollten uns an dieser Haltung orientieren, die macht Spass & heilt Wunden. #fileunderdarksunshine


Ganz anders geht der Macher der Platte #03 vor - U-Cee - International Call. Die swingende Grinsekatze ist eins der neusten Pferde in Rootdowns Rennstall. Die Platte ist ein charmanter, gewitzter und gerne auch mal nach Poppappeal schielender genrebefreiter Ritt auf gutgelaunten Beats.

Das musikalische Referenzsystem des in Deutschland aufgewachsenen, jetzt in Tschechien lebenden tunensisch-ägyptischen Sängers ist erwartungsgemäß recht weit gefasst - was auch den sprechenden Albumtitel erklärt und auch seine Texte sind ausgesprochen hellsichtig und eigensinnig!

Denn während manch ein Riddimritter mit der drölften Haschhymne & dem nächsten erwartbaren Babylonbash angestolpert kommt schildert U-Cee einfach ein Zwiegespräch zwischen sich und einem Polizisten & macht den Alltagsrassismus sehr elegant sichtbar. 

Vor diesem Debüt ziehe ich meinen Hut - ich hoffe nur er schrammt in Zukunft weniger oft die Popsphäre - denn bei allem Lob der Platte, die Gefahr, dass die brillanten Texten hinter zu gefälligen Beats verschwinden besteht ... #fileundersmartpopwithattitude


Nummer #04 ist Jahcoustix - Crossroads. Reggae mit Klampfe - wer kommt euch in den Sinn - na? Bob Marley & Ben Harper - oder? Klar, die Schuhe, die Dominik Haas zu tragen versucht sind groß, sehr groß. Aber ich glaube man tut ihm Unrecht, wenn man bestreitet, dass er sie ausfüllen kann. Vielleicht liegt es auch daran, dass er sich einen unverkennbaren, eigenen Stil bewahrt hat, der gerne auch mal Jazzelemente in die Rhythms einschmuggelt.

Ihn verbindet mit Sebastian Sturm, dass auch seine Texte eher global ausgerichtet sind, aber ihn unterscheidet, dass er sehr stärker introspektiv vorgeht. Jahcoustix ist genau genommen ein reggaefizierter Singer/Soundwriter und genau dieser Spagat auf dem Kreuzweg der beiden Genres, macht diese Platte so spannend, dass sie auch zwei Jahre nach Erscheinen keinen Mü ihrer Freshness eingebüsst hat. Spätere Liedermachermenschen werden sich an diesem Meisterstück messen lassen müssen. #fileunderlangzeitperle


Und die fünfte & somit letzte Platte dieser Sommerrunde (und die einzige mit Soundbeispiel ;D) ist die  hinreissende Liberation (EP) von Ziggi Recado. Bewusster, politischer, ansteckend melodischer Reggae der jede Sommernacht zu einem Fest macht.

Jeder, der sich für Selbstermächtigungsreggae begeistern kann, aber von der oftmals dogmatischen Auslegung abgestossen ist, findet in Ziggi Recado das Bindeglied zwischen Hedonismus & Selfeducation. Unaufgeregt, traditionsbewusst & unglaublich fesselnd. Bei Cool & Humble schimmert manchmal sogar ein Quentchen Peter Tosh durch, was jetzt ja absolut keine schlechte Referenz ist, wa ;D

Und eigentlich ist es untragbar über diese leider viel zu kurze Platte nur zu schreiben, denn eure Köpfe nicken noch nicht - wird sich nach dem Klicken dieses Links fix ändern - wetten? #fileundercatchywiseness

Und wer nach diesen fünf, komplett verschiedenen Alben noch immer nicht glaubt, dass Rootdown ein feines Labels ist - dem ist wohl nicht mehr zu helfen. Und was macht man mit Ignoranten, Trollen & Kostverächtern? Richtig man meldet sie für den nächsten Unkelelenkurs an, damit sie uns openeminded Snobs nicht beim feiern stören & so hat dann jeder seinen Platz in dieser Welt ...

... und jetzt formt das Doppel-O für die Rooties, denn diese Jungs verdienen einfach mal Maximum Respect für die jutte (aka beherzte, hingebungsvolle, sorgfältige) Labelarbeit. Eine Liebe.

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