Freitag, 17. Juni 2011

Kurztrip'n'Beats #01: Reiseziele Teneriffa, Österreich & das Vereinigte Königreich

Konkreter: Auf dem Sehenswürdigkeitenradar des Flaneurs erscheinen folgende Zielkoordinaten: Sonnige Vibes aus Teneriffa mit Dactah Chando, Tschebberwooky aka organischer reggaefizierter Ska aus Österreich & konsequent-durchgängiges Bluescroonen mit den beiden  UK Soulgottheiten aka Smoove + Turrell.

Diese drei Platten werden heute als Shorties vorgestellt, will heissen, weniger Text/mehr Musik, ich sag notwendiges & ihr hört nach ob ich richtig lieg'  - mal sehen, ob sich das Konzept bewährt, Feedback ist sehr erwünscht. Los gehts...


Dactah Chando - Clara [Echo Beach] 


Reiseziel #01 - Teneriffa: Teneriffa, eine sonnige Insel vulkanischen Ursprungs im Mittelmeer, frühes Bindeglied zwischen afrikanischen, europäischen und lateinamerikanischen Musiktraditionen aufgrund der europäischen Seefahrt, topographisch eher Afrika zu zurechnen als Europa, welche Bilder entstehen da im Kopfkinosaal bei euch? Slicke, beleibte, schleppende Bässe, karibischer Hüpfschwung, wabbernde Dubs aus Strandsoundsystemen & ein üppiges Quantum Reggaefeeling? Ja? 

Und ja, genau diese Mische findet sich auch auf Dactah Chando's Debütalbum wieder, angereichert mit einer Prise Salsamuffin, Flamenco-Einsprengseln und viel viel Echos. Lecker & sicherlich einer der Sommerprisentipps in diesem Jahr - insbesondere weil Dactah Chando deutlich mehr bietet als Cocktailverzehrbegleitmusik, er ist ein begnadeter Wanderer zwischen verschiedensten Traditionen, ein weiser Beobachter und In-Texte-Giesser und zu allem Überfluss noch mit einer hinreissenden Stimme gesegnet. 

Es folgt ein Videobeweis für die schlussendliche Einebnung eines jeglichen noch vorhandenen Kaufwiderstands [käuflich erwerbar hier].  


Echo Beach, ganz die olle Nachhaltigkeitswunderwaffe tat gut daran ihn dem Portfolio beizufügen - Power Fi Chant - des Flaneurs Sommertipp, alle DJs die diesen Tune diesen Sommer spielen, werden  von mir heilig gesprochen - Pastistaufe inclusive!

Tschebberwooky - Dance King Doctor [Wooky Music]


Reiseziel #02 - Österreich: Österreich - Hand aufs Herz, wer denkt da nicht sofort an Braunaus Saat, Heldenplatzskandal, Piefkesager, kuhbefüllte Almidyllen & Omas liebstes Urlaubsziel zwecks Schunkelorgie? Na? Richtig, wir alle :D ...

Aber diese Tschebberwooky's zeigen uns klischeebeladenden Piefken was ne echte Harke ist und schicken uns mit einem eleganten Gutelaune-Uppercut auf die Tanzflächenbretter. Reggae plus Dub plus allerfeinster Rocksteady & ne solide Dosis Ska machen diese Platte zu einem echten Couchversacker-Antidot, sagt laut ... do the Reggae, do the Ska ... und dreht frei zu dieser druckvolle Tanzmusique mit schöner Hornsection.

Ich finde es äußerst erfreulich, dass diese Herren einen eigenständigen, unverkennbaren Stil pflegen, der nirgends anbiedert ... und dass sie ein wirklich smartes Video geschossen haben, dass die Ladies als selbige darstellt und nicht, wie in diesen Sphären leider immer noch zu oft üblich, als schlampig eingetütete Arschwackelautomaten ... wer mehr will greift hier zu.



Smoove + Turrell: Eccentric Audio [Jalapeno]
Reiseziel #03 - England. England - die Insel, die wir wegen Regen, Karos & Marmaid verabscheuen & die wir wegen ihrer Kellerraumkultur, der Bitterorangenmarmelade & der echten Skinheads lieben. Aber trotzdem - zwei Sachen vorweg: Inglan Is (still) A Bitch & das geilste britische Pärchen sind nicht diese blasse Royals, sondern diese beiden Nerds, die definitiv das Antidot für die letzte, etwas enttäuschenden Cee-Lo Green vorlegen. Zucker!

Das aktuelle Album ist im Gegensatz zur schon sehr feisten Antique Soul ein Quantensprung, selten klang der Zwiespalt zwischen schlichtem Glück & Seelenqual, lebensbejahenden Genuss & Schmerz und Selbstzweifel frischer. Wasted Man ist vielleicht einer der schönsten, unglücklichen Liebessongs die ich kenne und Let Yourself Go ist der raffinierteste Move Your Ass And Your Mind Will Follow-Tanzflächenbrecher seit Herbalisers Edelsause ClapYour Hands.

Orientiert an den großen Entwürfen des politischen Soulfunk der 70er zimmern die beide hier Brett an Brett und füllen sie mit hintersinnigen, klugen Texten - kurz 12 Perlen für die Ewigkeit, ohne die ich mir diesen Sommer definitiv nicht mehr vorstellen kann - ganz heisse Anwärter auf einen der ersten Plätze in der 2011er Bestenliste und die Flaneurempfehlung bei dieser Reise.

Smoove beweist bei dieser Platte eindrücklich, dass er das Potential hat eine der wichtigsten Stimmen Europas zu werden. Und Turrell schneidert so ihm so göttliche Hybride aus NorthernSoul, Jazz, Rhythm'n'Blues und Hip Hop aufn Leib, dass mein Ohr seit Tagen multiple Orgasmusfähigkeiten entwickelt und immer wieder nur freudig  Heureka - bitte nochma quietscht. Aber genug der Worte - CD, MP3s oder Vinyl kann man hier abgreifen & jetzt geniesst Slow Down ... wurde hier ja schon ma angefeiert :D.

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