Mittwoch, 29. Juni 2011

Comicreviews: Alterwürdiges Erbe & Experimentelle Neuheiten (#Fringe #Punisher #The Losers)

The Losers #03 - Der Pass [Vertigo / Panini]
Die Jagd nach dem Phantom geht weiter, die Losers sind noch nicht in Sicherheit, Max ist noch immer nicht gestellt, eine Frage hingegen schon: Was passierte am Pass? Warum explodierte der Helikopter, der das Team in Sicherheit bringen sollte? Wer wollte den Tod der Black-OPs?

Auch der dritte Teil dieses rasanten Verschwörungsthrillers serviert die gewohnten Zutaten: ungewohnte Perspektiven, bissige Dialoge mit scharfen politischen Untertönen, schonungslose (und lebensnahe) Szenarien und dieses gewisse Etwas, dieses Quantum Eigensinn & Finesse im Erzählton, die Diggles Szenarien so besonders machen.

Und wenn ein solcher Storyboarder, der mit einem solchen Verve gesegnet ist, dann auch noch von drei brillanten Zeichnern (Joke, Dragotta, Carza) unterstützt wird, ist es nicht zu vermessen, zu sagen dass, die Frischzellenkur für das etwas angestaubte Agentengenre vollkommen geglückt ist. Insbesondere, wenn hierbei die britische Thrillernote so deutlich wird, die bittersten Humor & galligste Kommentierung mit sichtbarem Humanismus zu verknüpfen versteht.

The Losers bleibt kritisch, politisch & kontrovers und wäre besser niemals in dieser Schrumpfform verfilmt worden, das hochwertige Storyboard hat so etwas nicht  verdient. Klares Votum für den Comic!  Den findet ihr hier.

Marvel Max #40 - Kingpin [Vertigo / Panini]
The Punisher - eine zwiespältige, gerne mal verkniffen dreinguckende Figur, die schnell in Rage gerät und dann Gangster im Dutzend in Schnelljustizverfahren (und auch liebevoll blutig) hinrichtet. Auffälliger Körperbau, markantes Logo, erhebliche Feuerkraft: So kann man den unversöhnlichen, grollenden Massenmörder, der nur durch den Hass aufrecht gehalten wird und von Rachegelüste angetrieben ist ganz passabel fassen. Ergo: Fraktion Antiheld.

Nun ist der Symphatieträger - vulgo Held - stets nur so gut wie sein ihm entgegengesetzter Schurke - Standardfakt im Comicland. Bei dem übellaunigen, adrenalinhörigen Athleten Frank Castle wird es für den Bösewicht schon schwieriger zu glänzen. Aber dem neue Dreamteam Aaron / Dillon gelingt mit dem Kingpin ein mächtiger Wurf. 

Zwar kannte man den fettleibigen Psychopathen schon aus anderen Storylines, aber Aarons perfider Witz, seine schonungslosen Pointen und sein konsequentes Zuendedenken auch der schwärzesten Gedanken machen ihn zu einer schockierend faszinierenden Figur & Dillon schüttelt die Autobrutale mit einer solchen Leichtigkeit aus dem Ärmel, als sei ein Sicko wie der Kingpin bloss eine Fingerübung zum Warmwerden - grandios!

Natürlich muss Aaron sich (auf lange Sicht) mit Ennis - dem Paten & Innovator des Punishers messen, aber meines Dafürhaltens gelingt ihm dies in Kooperation mit Ennis Expartner Dillon in der ersten Miniserie mit Bravour. Sein Humor und Dialogwitz ist aufgrund seiner cleveren Doppelbödigkeit dem oftmals plump skandalisierenden Narrativ Ellis ohnehin überlegen - und dass seine Plotfinesse nachhaltig ist, bewiesen die 50 hochwertigen Nummern von Scalped - wird sicherlich ein (Gore-)Fest, wenn die beiden weiterhin zusammenarbeiten. 

Ich jedenfalls freu mich auf den nächsten Teil, wenn Frank von den beiden schwarzen Seelen dann Bullseye auf die Fersen gesetzt bekommt, mal sehen was sie aus diesem alten Bekannten so machen. Das stilvollendete Blutbad ist hier käuflich erwerbbar.

Fringe #01 - Der Anfang [Vertigo / Panini]
Ihr mögt die Serie? Mögt den verrückten Wissenschaftler, der gerne an psychoaktiven Substanzen nascht und für den Wurmlöcher scheinbar ne Alltäglichkeit sind - ja? Dann werdet ihr diesen Comic lieben, der einerseits eine engverzahnte Herkunftsgeschichte der beiden Antagonisten William Bell & Walter Bishop darstellt und andererseits eine Laborsituation für die gesamte Serie war. Die Besonderheit des Comic ist, dass zahlreiche Ideen, die bei der TV-Verfilmung zu einem genussvollen Staunen führten, genau hier ihren Ursprung finden.

Die charmante Olivia Dunham - möglicherweise für den Erfolg der Serie maßgeblich - taucht erst am Ende des Comics auf, aber auch ohne sie hat man hier viel Vergnügen - man erfährt beispielsweise näheres über den Tod von Braunaus Saat, es war weder eine Kugel noch Gift - Zeitmaschinen machen es möglich :D. 

Fazit: Als Basis und Hintergrundwissen für das Verständnis der Serie sehr empfehlenswert und auch als Neueinstieg hervorragend geeignet. Ich hatte ja ein wenig Angst davor, dass man jetzt eine erfolgreiche Serie einfach in Comicform überführt, aber glücklicherweise hab ich mich hier getäuscht & bin von der Wechselwirkung zwischen Comicnarrativ & Seriendrehbuch wirklich angetan. Sehr interessantes Experiment - den Comic dazu gibs hier.

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