Samstag, 21. Mai 2011

Lange versprochen - aber heute ist dann endlich Premiere: Der digitale Flaneur trifft das Bewegtbild

Ja, heute ist die Premiere von Gezeichnete Geschichten. Comickultur in Berlin, ein 18 minütiges Feature (in Ermangelung einer griffigeren Genrebeschreibung), wahrscheinlich eher ein ungewöhnliches Format zwischen allen Stühlen, aber so ist es man von mir ja auch irgendwie gewohnt.

Ich will eigentlich nicht viel über den Film sagen, er kann (und wird) für sich selbst sprechen, aber einige wenige Vorbemerkungen seien mir gestattet. 

Zum einen: Der Film ist das Resultat eines sehr spontan entstandenen Skripts, zweier kurzer Drehs & der sich gegenseitig befruchtenden Spinnerei zweier sich gerade kennenlernenden Menschen und ja auch ein Erstling, also urteilt nicht zu hart, wa :D.

Zum anderen: Ich möchte diesen Film meinen Eltern & einige meiner engsten Freunden widmen, die mich 2010 durch ein ziemlich hässliches Jahr begleitet haben und mir auch heute noch mit Rat & Tat beistehen - wem ausser euch könnte ich dieses launige Ding widmen? Ich hoffe ihr werdet es mögen.

Zum Abschluss: Mein ehrlicher Dank geht auch an Thomas, ohne dessen Assistenz als wusseliger Kameramensch, nicht selten hochfahrender Querkopp & Schnittsklave dieses Ding niemals so schnieke geworden wäre. Nachschlag bitte!

Gedankt wird auch Volker von id.eology.de für den Tipp zur wunderbaren Filmmusik & Superbert fürs ursymphatische Nerdsein. Danke!

Und jetzt bitte Popcornmaschine leeren, Bier entkorken, zurücklehnen & (so hoffe ich) Spass haben! Retweets & sonstiges Netzgemurmel sind ausdrücklich erwünscht! Und die knallharten Cineasten unter euch wissen ja, wer bis zum Ende dranbleibt wird belohnt, Cheerz!

Credits:

Idee / Skript / Regie: Markus Dewes
Kamera / Schnitt / Gestaltung: Thomas Kelling
Musik: Monokle: Tesaurus [id.eology records 2009]

Teil I



Teil II




UPDATE:

Ich hoffe ich kann alle Fragen (und Anmerkungen), die im bisherigen Feedback an mich herangetragen wurden beantworten.
 
Warum wurde so wenig über Comics / das Comiclesen gesprochen? 

Ich bin fest davon überzeugt, dass Comiclesen etwas sehr Sinnliches und Hochindividuelles ist, was niemals nachgestellt oder nacherzählt werden kann. Wir haben zwar durch das Einfangen des ganz speziellen Geräuschs des Blätterns versucht dies sichtbar zu machen, uns dem Phänomen zu nähern - aber mehr kann man von einem Film nicht verlangen, denn Comics sind niemals nur Bild, sie sind Farbe, Geruch, Berührung, Abschweifung und Versinken, Lachen und Ekel. Dies müsst ihr einfach selbst erfahren - eine gute Adresse kennt ihr ja nun.

Warum musste es unbedingt Grober Unfug sein?

Natürlich existieren zahlreiche andere großartige Comicläden in Berlin - sie alle sind wertvolle Orte dieser gezeichneten Kultur, ich hätte jeden als Kulisse benutzen können - aber ich habe den Groben Unfug bewusst gewählt.

Zum einen, weil er mit seiner Galeriegeschichte ein ganz besonderer Ort für die deutsche und auch die internationale Comickultur darstellt, der durch seine konsequente und frühe Künstlerförderung vielleicht auch Schuld daran trägt, dass wir heute in Deutschland einige brillante Federn unser "eigen" nennen können - denn hier wurde in der Szene zuerst die Kultur gefeiert und dann der Handel, symphatisch, oder nicht?

Zum anderen aber auch weil man anhand des Verlustes zweier Läden hier den schwierigen Stand des spezialisierten Einzelhandels anschaulich machen kann - im Besonderen in einer sich so rasch häutenden Stadt wie Berlin. Vielleicht gelingt es dem Film auch die Gentrifizierung zu kritisch kommentieren ohne in Parolen zu verfallen - wer weiss.

Warum wurde dem Zeichner ein solch prominenter Raum eingeräumt?

Ich wollte durch die Porträtierung der Arbeit eines Comickünstlers die zweite Ebene der Sinnlichkeit des Comics darstellen, das Zeichnen, die kratzenden Stifte und das sich füllende Papier, denn was wären Comics ohne Zeichner  - richtig bloss Ideen.

So und nun genug des Metatextes, zurücklehnen und entspannen.
 

Kommentare:

Micha hat gesagt…

hach, von Arbeit heimkommen, und das als Geburtstagsgeschenk vom Flaneur finden :)
Da heute für mich nur noch schlafen angesagt ist, wird der Film mal gekuckt, und wehe er ist schlecht ;)


Grüße, Micha

nörgler hat gesagt…

Vielen Dank für die Mühe!

fritz hat gesagt…

Im Ansatz schon nicht schlecht, und über die Berliner Comicszene sollte man tatsächlich mehr bringen, aber der Film is irgendwie mehr über dich, als über Comics aus Berlin. Es beginnt irgendwie wie ein Vortrag eines Grundschülers "Ich bin XXX und mache jetzt was zu diesem Thema", anstatt direkt einzusteigen. Erst nach 5 Minuten kommt das Interview, vorher nur Aufnahmen vom Regisseur wie er Comics liest und was er davon hält.

Auch sieht man von der Berliner Comic-Szene recht wenig, man erfährt nur was über den Laden Grober Unfug, der zwar wirklich eine gute Adresse in Berlin ist, aber nicht die komplette Comic-Szene bildet. Wo sind Comic-Zeichner, Verleger oder 1-2 mehr Leser?

Das Interview wird dann nach zwei Fragen immer mal wieder unterbrochen, und der Regisseur geht durch den Comic-Laden, blättert in Büchern oder im Sortiment.

So einen persönlichen Ansatz um ein Thema aufzuziehen, kann man schon mal wählen. Aber ich finde, dann sollte die Person, die den Zuschauer über den Großteil des Filmes begleitet, eine stärkere Position beziehen. Man weiss nichts über dich, außer das du ab und an mal ein Comic Buch in der Hand hast. Wie lang liest du Comics? Was gefällt dir an ihnen? Versteh mich nicht falsch, einfach irgendwas persönliches, das deine gehobene Rolle für den Verlauf des Films legitimiert.

Die Optik, Bilder und Musik gefallen mir sehr gut, man hätte nur etwas mehr mit dem Thema machen können, vorallem wenn es unabhängig von deinem Blog funktionieren soll :)

Der digitale Flaneur hat gesagt…

@fritz.

erstmal dankeschön für die lange, ausführliche kritik. werde dir auch ein ausführliches feedback geben.

zu deinen fragen:

ich glaube ein großteil deiner kritik bezieht sich auf eine unterschiedliche Erwartung an den film. der titel ist Comickultur in berlin & nicht die berliner comicszene.

es ging mir um die comickultur in berlin, nicht um die szene - empfinde ich als deutlichen unterschied. wäre auch ein ansatz gewesen, welche man hätte verfolgen können, die drehzeit war aber dafür viel zu knapp bemessen. also musste zwischen verschiedenen umsetzungsmöglichkeiten entschieden werden.

ich habe mich dann für eine geschichte des comichandels entschieden (anhand eines der zahlreichen comicläden in berlin) zu erzählen, ohne dabei andere abzuwerten - die gesamtheit der szene abzubilden ist sicherlich auch unglaublich schwierig.

mir war es auch wichtig, die ehemalige xberger galerie zu würdigen & den verlust zweier läden, aufgrund der sich deutlich verändernden stadt in den vordergrund zu rücken - und ich wollte auch eine stadtgeschichte erzählen & auch die gentrifizierungsdynamiken kommentieren.

welche position ich selbst zu comics habe kann man anhand meiner ausführlichen rezensionen auf dem blog denke ich recht gut nachlesen - wenn man den blog vorher nicht frequentiert hat - ist dein hinweis natürlich ein mehr als berechtigter einwand.

ja, ich denke der film funktioniert in der hinsicht wohl eher im verband mit dem blog, meinen rezensionen beim tagesspiegel und dem sonstigen netzgeschurbel meinerseits (tumblr etc).

die leser / verleger etc. fehlen, weil a) uns beim dreh die zeit fehlte & b) ihre ausführliche berücksichtigung und würdigung den rahmen des films vollkommen gesprengt hätte und ich sie nicht einfach irgendwo noch reinpressen wollte, also lies ich sie raus & konzentrierte mich auf die ausgewählten inhalte.

eine fortsetzung mit deutlich stärkerem szenenbezug ist aber in der planung. hoffe dann auf ein gleich ausführliches feedback!

Chris hat gesagt…

Ich fand das Filmchen sehr "flaneurisch" - ein kleiner netter Streifzug durch einen bunten Auszug aus der Welt
Chris

YayComics hat gesagt…

Ich kann die Kritik von Fritz zwar teilweise nachvollziehen, aber im großen und ganzen: schön gemacht! Würde gerne mehr davon sehen.

Und – Videos über Comics finde ich allgemein gut. Falls jemand da noch Tipps hat – Dokus, Features, Videopodcasts – bitte immer her damit. Ich sammle da gerade ein bisschen: http://videos.yayomics.net

YayComics hat gesagt…

Sorry, Vertipper – der Link ist http://videos.yaycomics.net

schlorch hat gesagt…

Ich möchte mal auf Fritz Kommentar ein wenig Stellung beziehen, als quasi Comic-Laie und besonders ahnungslos was die berliner Szene angeht.
Mir haben die Einstellungen recht gut gefallen, in denen der Flaneur einfach nur in den Conicheften blätterte, bzw. sich die Shirts angeschaut hat. Für mich hat es einen größeren Bezug geschaffen. Ich stöbere auch gerne ein wenig herum... Das Interview mit dem Shopkeeper war dann ne Art Kontrast in dem man einen Ausschnitt aus einem Berliner Comicladen hatte. Wie gesagt alles rein subjektiv, aber so wie ich es geschrieben habe, habe ich es auch emfunden...

Gruß, Schlorch