Montag, 30. Mai 2011

Froschdämonen, Killerschaben, Multiversen ... die wunderbare Welt der Comics

Nach dem meine letzte Sammelkritik ein sehr positives Echo erzeugt hat, mache ich in den nächsten Tagen einfach mal die Not zur Tugend und versuche so den Wust an wartenden Rezensionen, die durch die Ausfallzeiten durch Film & Grippe entstanden sind fix abzuarbeiten.

Und heute sind mal wieder die wundervollen Bilderwelten des Comics am Zug, da kommen sehr sehr lustig Dinge auf uns zu! Ich will euch folgende Titel kurz anreissen:
  • B.U.A.P. #09 - Die schwarze Göttin [Crosscult]
  • Deadpool Sonderband #02 - Deaadpool Corps [Marvel / Panini]
  • Exterminators #04 - Kollateralschaden [Marvel / Panini]
---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Den Anfang macht die gallig-schwarze Saga rund um das hier bereits lobend besungene Bug-Bee-Gone-Team. Exterminators #04 bietet erneut diese abgründige Unterhaltung, wegen der man diese Ausnahmeserie liebt (oder hasst), aber in diesem Sammelband türmen sich die bitterbösen Witzen in einem solchen Maße, dass mir fast schwindelig wurde aufgrund der konstanten Schnappatmung.

Oliver & Robertson entwickeln sich wirklich zu einem Traumduo - klar Robertson hat schon Transmetropolitan seinen ganz eigenen grafischen Stempel aufgedrückt, aber der visuelle Irrsinn hier bewegt sich in einer ganz anderen Liga. Stellt euch einen Hybriden vor, bestehend aus dem satirischen Strich eines Yann und der szenarischen Finesse eines Sean Phillips, der die bittere, kaltschnäuzige Präzision eines Ellis mit dem bösartigen Witz von Aaron kombiniert und verschmilzt und mit diesem augenschokoladigen Amalgan seid ihr schon ganz nah bei Oliver & Robertson gelandet.

Ich darf ja nicht zu viel verraten, ansonsten landen wieder liebevolle Hassmails von enttäuschenden Spoilingopfern - im Postkasten - aber soviel als Tipp, achtet doch mal auf den Umgang großer us-amerikanischer Biochemieunternehmen mit nicht englischsprachigen Inselbevölkerungsanteilen. Selten hab ich was spröderes & gleichzeitig spitzeres als dieses eine Bild gesehen - großartig - und alleine wegen diesen einen Panels ist der Comic schon einen Kauf wert.

Aber auch abseits dieser politischen Subtexte ist der Titel wieder einmal ein Heidenspass und erneut gnadenlos in seiner Darstellung von Gewalt, hier findet keine Heroisierung oder absurde Brechung statt, die Gewalt ist roh, brachial und sehr lebensweltlich, selbiges gilt für das zunehmende Kippen der Welt, die Käferapokalypse nähert sich, das große Krabbeln beginnt!

Ungezieferphobikern sei der Comic nochmals & nachdrücklich NICHT empfohlen, denn die kleinen Krabbler tauchen hier zuhauf und sehr körpernah auf, auch wenn sie manchmal sogar ein Leben retten, meist laben sie sich an den menschlichen Kadavern und dies hingebungsvoll. 

Freunde der bisherigen Teile werden erfreut feststellen, dass man Schwärze immer noch abdunkeln kann, zwar fehlen in diesem Teil so absurde Candlelightdinnerszenen wie im Vorgänger, aber dafür ist vieles anderes so hübsch bunt :D ... aber schaut selbst [Kaufmöglichkeit].

Nummer zwei im Bunde soll mein aktueller Lieblingsantiheld sein, der multiple, geistesungesunde, körperlich rasch heilende Deadpool. Im zweiten Sonderband wird der Irre sogar nochmals vervielfacht. Er jettet quer durch das Multiversum und sammelt seine Abspaltungen ein, um ein Team zu gründen, welchem es obliegt das Universum und den ganzen Rest zu retten - nicht der vertrauenswürdigste Apokalypseverhinderer, oder?

Deadpool wird hierbei unterstützt von Lady Deadpool, Kid Deadpool, Headpool & Dogpool. Der Sonderband stellt quasi ein Sammlung von Originstories dar, welche allesamt phantastisch abseitig sind, aber Dogpools Schicksal sticht wirklich heraus. Dieser arme Köter hat wirklich alle Schattenseiten einer Köterexistenz durch, Tierversuchsanstalt, Strasse, Zirkus und Kanonenkanal. Was als unkaputtbar gilt kann eine Meute in einer Manege durchaus unterhalten. Finster, aber typisch deadpoolig irgendwie.

124 Seiten überdrehte Gewalt, fern jedes Realitätsbezugs, die marvelinterne Ironieschlacht geht weiter, leider kenne ich mich in diesem Universum zu wenig aus um jede Pointe mitzuschneiden, aber selbst ein Nichtadept wie ich kann hier massig Referenzen, Brüche & Überspitzungen finden, die den ein oder anderen Marvelfundi sicherlich traurig stimmen oder zum Mobbefürworter machen. Aber wer wird schon meckern, wenn man den Patriotenmarketinggag mal ordentlich durchwalkt?

Zwar ist dieser Sonderband etwas weniger konzise als der erste, dies ist aber eher der aufgesplitterten Identität des Söldners mit der grossen Klappe geschuldet, als dem fehlenden Talent des Szenaristen, der macht nämlich eigentlich alles richtig - ich bin sehr gespannt auf das was dieser hochunterhaltsamen Ouvertüre folgt.


Was soll man sagen, Mignola & Arcudi sind brillante Storyboarder und Davis das Hofgenie, welches alle Ideen scheinbar mit Mühelosigkeit grafisch aufzugreifen & zu verwerten weiss. Inzwischen gefällt mir dieser Spinoff sogar deutlich besser als die Hauptserie. Ich werde das Gefühl nicht los, dass sich hier noch einige narrative & grafische Experimente realisieren lassen, die bei der kommerziell erfolgreicheren Serie Hellboy inzwischen scheinbar unmöglich sind.

Aber Spekulationen helfen hier nicht weiter, was zum Comic zu sagen ist: Überragende Schlachtenszenen, wie sie nur Davis zu visualisieren imstande ist, atmosphärisch dichte Erzählung mit glaubwürdigen Charakteren und sachte dosierter Ironie. Die Army kommt in diesem Band nicht wirklich gut wech :D.

Der zweite Teil der Froschplage-Trilogie überzeugt vollkommen, nach dem ersten sehr starken Teil hatte ich meine Bedenken, aber nach der Zerstörung Münchens muss nun die tibetanische Heimstatt von Gilfryd dran glauben - auch wenn sich im Widerstand gegen die Froscharmeen überraschende Allianzen ausbilden. Einen prominenten Platz innerhalb der Story wird Lobster Johnson zugewiesen, über dessen Vergangenheit hier viel enthüllt wird, quasi ein kleiner storyinterner Spinoff.  

Wer die eigensinnigen Bildwelt von Davis zu schätzen weiss, wird diesen Band der Reihe einfach hingebungsvoll verehren, selten war er so kraftvoll, so symbolträchtig, so vielschichtig - seine grafisches Narrativ verschmilzt inzwischen die verschiedensten Stile zu einem unverkennbaren Ganzen.

Wer gut erzählten, grafisch ausgefallenen Pulp liebt liest die Serie wahrscheinlich schon ohnehin, allen anderen kann ich einen Einstieg bei Band #08 ans Herz legen, dann kann mit dem aktuellen Band der Hunger nach den Geniestreichen dieser grandiosen Troika weiter gestillt werden. Verflucht gut! [Kaufmöglichkeit]

Keine Kommentare: