Samstag, 9. April 2011

Jamaram - In Dub [Echo Beach / VÖ: 15.04.2011] Umberto Echos nächster großer Wurf!


Manche wird es überraschen, aber auch der Flaneur mag es tatsächlich manchmal eher wortkarg. Insbesondere bei Reggae ist die dubifizierte Version eines Albums nicht selten eine Wohltat, weil man sich seinen Geist dann nicht mit allzu abgedroschenen Phrasen rund um Jah, Babylon & das holde Sensimilla beschmutzen lassen muss. 

Diese Gefahr einer lyrischen Verklappung in Ohr besteht jetzt bei Jamaram zwar glücklicherweise nicht, aber was der werte Umberto Echo aus den Vocalsongs extrahiert hat ist wirklich ein Tröpfchen der allerfeinsten Sorte.

Der Hallmaestro war lange Tourbegleiter & fixer DJ der Band und versteht somit die Ansätze seiner liveerfahrenen Mitstreitern fraglos sehr gut & er versteht es auch gleichzeitig die Songs gekonnt in seinen Dubentwurf zu überführen, ohne ihnen dabei ihre Dynamik, Wucht oder Finesse zu nehmen & deshalb findet er wohl auch für die melodisch-treibenden Nummern diese verflucht adäquate Form.

Ich habe zwar Jamaram bislang live noch nicht erleben können, ich glaube aber anhand der paar Youtubeclips die ich mir angehört hab,  sagen zu können, dass es bei einem Dance da sicherlich nicht immer nur geschmeidig, sondern auch durchaus peitschend zugehen kann, bestes Besipiel hierfür ist sicherlich "Get Together".

Und genau diese Vielschichtigkeit reproduziert auch Echo bei der Remix. Verspielte Druffispassmacher stehen neben zwingenden Arschbewegern und raffinierten Soundschichtungen, die zwar erst nach dem dritten/vierten Mal richtig haften bleiben - sich dann aber umso unerbittlich ins Gedächtnis ätzen.

14 Songs aus dem Schaffen der Band wurden "entschlackt" - von den Lyrics sind nur kurze Splitter & Einstreuungen erhalten geblieben, die in der Soundarchitektur aber quasi eher als Instrument, denn als Botschaftsträger agieren. Feine Sache datt.

Mit Katzen wie Echo mache ich mir ehrlich gesagt wenig Sorgen um den deutschen Nachwuchs in der Tanzhalle, hier entsteht ein Talent, welches gnadenlos zu den Größen der jamaikanischen Remixkultur aufschliesst.

Ihr dürft mich in wenigen Jahren gerne zitieren, wenn ich jetzt kundtue, dass Umberto Echo der deutsche Lee Perry oder Prince Jammy ist - wenn auch weniger halsbrecherisch experimentell, denn Echo hat seinen ganz speziellen, sehr melodischen Drive mit großer Vorliebe für jazzige Hornsections bereits gefunden und hat ein Anbiedern und Großkotzigtun nimmer nötig.

Kurz gesagt - mal wieder ne fabelhafte Platte aus dem Hause Echo Beach & Nicolai zeigt einmal mehr, warum sein Labelkatalog in hiesigen Breiten (Doppelbödigkeit ick hör dir trapsen) solch ein Renommee geniesst, gebt beiden Liebe & kauft ab Freitag das Album & ich schwör euch, euer Wochenende wird ein anderes sein :D (CD / DL)!

Als anspitzenden auditiven Reiz hier noch meine persönliche Lieblingsnummer des Albums: Can't Bring Us Down Dub & ja auch hier geht ne Flaneurempfehlung durchaus klar.

1 Kommentar:

Micha hat gesagt…

hab die früher sehr gefeiert. werd wohl mal reinhören und weiterschauen :)