Dienstag, 5. April 2011

Federico Aubele - Berlin13 [ESL Music] - Melancolia impresionante


Leichte Anleihen an den elektronischer Tango, eine wundervolle Baritonstimme voller Farbe & Gefühl, verwoben mit brüchigen, rauchigen Flächen & nahezu dronige Arrangements, die Raum genug gewähren, um das raffinierte Zusammenspiel aus akustischer Gitarre, schwerer Rhythmik und düsteren Dub-Atmosphären zu zulassen. Album #04 von Federico Aubele erscheint zwar noch immer über ESL Music, aber hier enden dann auch die Ähnlichkeiten zum bisherigen Schaffen

Berlin 13, so der Name der Platte (ein Komposita in Anlehnung an das Leben in der fremden Stadt & die heilige Zahl des Tarots) bewegt sich in neuen Bahnen, die Panamericana-Anklänge sind natürlich nicht überhörbar, aber zu den akustischen lateinamerikanischen Tönen haben sich zahlreiche elektronischen Anklänge gesellt. 

Einer der ersten Vergleiche, die bei einer solchen Art von Musik herangeschleppt werden ist das unvermeidliche Gotan Project, dessen Übererfolg wie ein dunkler Schatten über dem gesamten Spektrum des organotronischen lateinamerikanisch gefärbten Genre lastet. Fluch & Segen zugleich.

Aber mit der saturierten, gefälligen Hipsterbrausenpartybeschallungsidylle hat dieses Album nur wenig gemein, der klagende, melancholische Unterton eignet sich hierfür nur begrenzt. Ich würde die Platte eher mit der letzten Up, Bustle & Out vergleichen wollen, denn auch hier kriecht der Fado aus jedem einzelnen Song. Eine wohlfeil ausgestellte Traurigkeit, die niemals klebrig oder weinerlich wirkt. Wundervoll für das nächtliche Abreisen von Parties.

Das Album atmet diese Stadt nahezu plastisch ein & aus, Berlin ist in jedem einzelnen Albumtrack erkennbar, auch wenn ich das fast schon inflationäre Auftreten von Songtiteln mit Stadtteilbezug (Kreuzberg) eher befremdlich finden. 

Ich bin mir aber sicher, dass diese Platte ihre treuen Freunde finden wird, an regnerischen Tagen ebenso wie in sekundenschlafnahen Sommernächten, denn die 10 Songs des klassisch Ausgebildeten wirken abgeschlossen, rund, ruhend, vollendet und stecken voller Seele.

Auch weil die kompositorischer Finesse und widerspenstige Eigenheit sie äussert angenehm von der Stangenware des Latinotronica abhebt, insbesondere wenn Aubele mit seiner langjährigen Duettpartnerin Natalia Clavier (die auch einige Thievery Corporations-Songs mit ihrer phantastischen Stimme aufwertete) gemeinsame Sache macht, dann ertrinkt man schon fast im warmen Karma, der beiden gefühlvollen Argentinier. Gegenwärtig ist die phantastische Platte leider nur als DL oder CD erwerbbar, über eine Vinylfassung wird meines Kenntnisstandes nach leider nicht nachgedacht.


Bohemian Rhapsody in Blue from Federico Aubele on Vimeo.

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