Donnerstag, 24. März 2011

#digifla #06: Ecoluddit spricht über Tentakelgetier und mehr (viel mehr)

Ein Trip zum Daily Squid


Der Herr Flaneur postet schon seit geraumer Zeit den "Daily Squid" in seinem hauseigenen Tumblr-Microblog. Mit Interesse rezipiere ich die von ihm ausgewählten Fotos und Bilder - mit der dunklen Erkenntnis, dass der fischige Tentakel in seiner medialisierten Form gerne als zentrales Objekt der Begierde konzeptualisiert sein will, irgendwo zwischen Fantasma, Fetisch und Phallus.

Dream of the Fishermans Wife Hokusai (Quelle: Wikipedia)

So dachte ich, mich in diesem Gastbeitrag dem Found Footage des Tentakelporno widmen zu wollen. Gedacht, getan! Allerdings erschien mir die ganze Chose dann doch ein wenig eindimensional. Bis auf einen interessanten englischen Wikipedia-Eintrag zu Tentacle Erotica stieß ich primär auf (animiertes) Japanfleisch und auf den ACTA-kritischen Twitter-Hashtag #tentacleporn aus dem Jahre 2010 (Link).

Eigeschränkt unterhaltsam zeigte sich auch ein Ausschnitt des 1986 in den USA produzierten C-Movie "Killer-Alien" a.k.a. "Breeders" zu sehen in einem sanften NSFW-Ausschnitt hier.


Mein mediales Mäandern führte mich in ein für mein Forschungsinteresse genehmeres Feld, nämlich zu einem Referat über die Lebensform des Tentakels in "Maniac Mansion", einem meiner Retro-Lieblingsspiele. In aktualisierter Form fand ich seine zeitgenössische Manifestation im offenen Computerspiel "Minecraft" wieder, wo der "8-Brick-Tintenfisch" seit der Beta 1.2 passiv in der Welt herumlungert.

8-Brick-Squid.

Beeindruckt hat mich dort wieder einmal die unergründbare Kreativität, welche die Minecraft-Zocker (deren Grundgesamtheit sich bekanntermaßen aus 55 Prozent Schülern, 43 Prozent Langzeitstudenten und zu 2 Prozent aus arbeitslosen Städteplanern konstituiert) für wahr aus dem Nichts heraus an den Tag legen. 

Es folgt ein YouTube-Video eines vermutlich über Stunden oder gar Tagen entwickelten Transportsystems, welches automatisch Tintenfische aus den wässrigen Katakomben von Minecraft per Transportlore in ein Sammelbecken an der Oberfläche transportiert, um ihnen dort letztlich bequem ihre blaue Tinte aus dem Leib zu prügeln. Wow!



Zurückgekehrt in die Bilderwelten der realen Welt bekam ich die endgültige kulinarische Kulturklatsche, als ich mir zehn Minuten lang die Zubereitung des "fliegenden Tintenfisches" in einem japanischen Restaurant anschauen durfte:



Meine Neugierde auf fernöstliche Küche wurde jedoch brachial durch meine Erinnerung an die existierende Wirklichkeit entschleunigt, als mir klar wurde, dass der "Japanische fliegende Tintenfisch" als solcher im nördlichen Pazifik gerade von übermäßiger radioaktiver Strahlung anheim gesucht wird. Das ist zwar nicht seine Schuld, allerdings könnte das zu Veränderungen führen, wie sie in der wunderbaren Dokumentation "The Future Is Wild" - die übrigens jeder Experimentalbiologe sein eigen nennen sollte - bereits für die nächsten 200 Millionen Jahre voraus gesagt wurden:



So, und jetzt bin ich deprimiert. Toll gemacht!

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Der Gratulant: Ecoluddit
Ecoluddit - in wenigen Worten kann man diesen Kerl eigentlich nicht erklären, man muss ihn  erleben, am besten im Rahmen einer #tassebier, dort kommt sein eigenbrötlerisches Naturell am besten zur Geltung, ob als Gebärdendolmetscher in Skullgloves oder als brillanten Fragensteller, man mag ihn.
Als HipHop ist... ist er stets eine sichere Bank für raffinierte - fast perfekte (weil intime & eigensinnige) Interviews und als zock-a-demic schifft er unter dem Slogan hand – auge – hirn: Videospiele akademisch kontextualisieren ;) durch die Meere der bespielbaren Kulturwissenschaft. Eigen, einzigartig - ecce homo / ecoluddit eben :D.
 Koordinaten: HipHopist / zock-a-demic (Website)  Ecoluddit (Twitter)
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