Donnerstag, 24. März 2011

#digifla #05: hakantee streut Poesie ...

Und natürlich tanze ich mit ihm. Er packt mich am Kragen, zieht mich zu sich und legt den Arm um mein Gewissen, flüstert in mein Ohr: "Vergiss es, niemand kann dich hier sehen, lass allem freien Lauf". Also lass ich mich gehen und vergesse meine Augenlider, vergesse das fotografische Gedächtnis des nächsten Tages, alles was ab heute existiert, ist tendenziell halbtot. Schon morgen vergessen.

Alles spielt verrückt, jede Silbe ist wichtig, also drücken wir auf Rewind, Du musst alles verstehen, der Witz ist egal, er ist stümperhaft als Schauspieler, aber jetzt trotzdem Ruhe, hör ihm zu. Er ist der Traum, den wir leben, er hat die Leute, die ihm folgen, er ist reich, wir stoßen auf Arschlöcher an, wir finden Müll auf der Straße, wirklichen Müll, aber die Zunge testet gerne. In Tüten verpackt, auf Holz gedonnert und tief verhasst. Aus dem Hintergrund pöbelt ein Zwei-Arm-Mutant, schreit nach einem Rohr. Hier, hier, jetzt Du.

Ich drück auf Strg+Z und verneine alles, was ich geschrieben habe, aber aus Versehen, auf der Straße schreien Sie: "Three for a Tenner, Three for a Tenner" und die Leute laufen nach Blumen: Tulpen, Hyazinthen und halb London klatscht sich gegenseitig ein paar Münzen in die Hand, die Türen sind geschlossen, aber Hauptsache die Jalousien sind nach unten gezogen und selbst wenn nicht, ist es nicht weiter wichtig, denn man weiß, was hier los ist, die Modeblogs zeigen Dir ja die Bilder, Du weißt, welche Brille Dir ein Foto beschert. Die Postbank blockiert dein Geldfluss, die ec-Karte spuckt er dir aus, aber kein Geld. Also reduzierst Du dich, der Tag beginnt und endet in den Wänden der Person, bei der Du wohnst.

Der Film flimmert weiter, das Autotone verzerrt meine Wahrnehmung, auch wenn keiner zuhört, der Bass setzt ein und die Stimmen werden lauter, aber die Köpfe drehen sich nicht, denn die halbe Stunde Videoclip hat jeder gesehen. Das nervt, sehr. Das ist ein Gefallen, und es ist so überflüssig, die wörtliche Rede verwischt mit der Fiktion, wir kennen keine Verhältnisse mehr, alles, was uns wachhält, ist der High Five. Das Gerede wird zum Lautsprecher, wir führen Megafon-Diskussionen. Die Armbewegungen werden ausladender, die Nacht ist tiefschwarz, die Pläne verdunsten aus dem offenen Fenster.

Wir wollen nichts. Ansonsten bleiben wir wach. Bis womöglich weit in den nächsten Tag, wenn die Sonne uns verbrennt. Aber manche Leute fordern das Feuer heraus mit ihren Überzeugungen. In ihren Augen wohnt die Verzweiflung, tief in die Ränder eingegraben.

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Der Gratulant: hakantee / ichschwörsdir
hakantee / ichschwörsdir hat als Blogaufhänger folgende Aufzählung geschaltet  Diskussionen, Diskurse, Denkweisen und ja er hält Wort & kotzt keinen Pathos. 
Egal ob nun beim eigenständigen Umrundung kontroverser Themen oder beim Spiel mit den muslimischen Stereotypen in Good Ol' Germany, dieser Mann hat Zähne. Und seine sehr abstrakte, abgedunkelte Poesie spricht mir öfter mal aus der Seele.  Los, liebhaben!
 Koordinaten ichschwörsdir (Website)  hakantee (Twitter)
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