Donnerstag, 3. März 2011

Brian Wood / Ryan Kelly: DMZ # 08 No Future. Reise ans Ende einer Manhattaner Nacht


Der achte Band der bittersten, weil lebensnahsten Dystopie der letzten Jahre ist erschienen, die Reise ans Ende der Nacht schreitet voran. 

Immer tiefer tauchen wir ein in die schwärzesten Unterwelten der Politik. 

Reizentzug und Gehirnwäsche, Indoktrination, Sektenbildung  im Namen der Rache. Der aktuelle Band übertrifft selbst die bislang wenig zartfühlenden Vorgängerbände. 

Aber bevor ich mich zur aktuellen Storyline äußere, will ich noch kurz auf das umfangreiche Bonusmaterial eingehen., welches mit 32 Seiten fast einen Fünftel des Comicumfangs abdeckt. 

Neben einer brillant erzählten gehalten Kurzstory von Riccardo Burchielli, dem eigentlichen Stammzeichners der Serie, finden wir dort (unter anderem) eine grafisch sehr eigenständige  Geschichte von Fábio Moon und einige Coverartgrossartigkeiten von Hochbegnadeten wie Jim Lee, Lee Bermejo vor. 

Und auch zwei Giganten des (gesellschaftskritischen) Comics geben sich ihr Stelldichein - namentlich Eduardo Risso (100 Bullets), Dave Gibbons (Watchmen).

Zum aktuellen Sammelband - der Titel ist Programm, hier existiert keine Zukunft, keine Hoffnung, denn es wird dunkel in Manhattan, dunkler als jemals zuvor. 

In einer dreiteiligen Storyline wird im Rückblick erklärt was einen Mann dazu treibt sich im regnerischen Downtown als Suicidebomber zu opfern. Woods erzählerisches Gespür führt uns ein in eine völlig entstellte Gefühlswelt, in die Sphäre eines stillen, kalten Hasses. 

Meines Erachtens wächst die Serie nach zwei eher schwächelnden Sammelbände nun über sich hinaus. Galt das Hauptaugenmerk des letzten Teil noch dem orthodoxen politischen Machtspiel, steht in diesem Teil ein perfider Totenkult im Fokus. 

Ein Kult, der sich zerstörter, traumatisierter Männern bedient,  die man durch konsequenten Sinnesentzug und Manipulation zu tickenden Zeitbomben heranreifen lässt.

Selten habe ich einen auswegsloseren Weg eines Protagonisten mitverfolgt, der Attentäter durchlebt ein sich ständig verschärfendes Traumata, welches durch konsequente Konfrontation mit den Leiden vertieft und forciert wird. Am Ende scheint der Tod der einzige Ausweg zu sein, heraus aus der Hölle der psychomanipulativen Zugriffe.

Auch hier entwirft Wood ein mögliches Szenario der neuen Kriegsführung und dies praktiziert er mit einer solchen traumwandlerischen Wirklichkeitsnähe, dass sich wieder einmal Unbehagen und Ekel einstellt. 

Kann man etwas besseres über einen Comic mit Botschaft sagen? Ich denke nein - Flaneurempfehlung wegen erzählerischem Mut, politischer Sensibilität und dramaturgischer Grandezza. [DMZ #08 - No Future]

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