Sonntag, 27. Februar 2011

Neulich in Bahrain.

via: forsythia.tumblr.com

Bitter, zynisch & ja - echtzeitig. 

Es ist ein Wandel zu spüren, nicht mehr der äußere Feind wird kritisiert, sondern zuerst einmal die eigene (schiessende) Regierung, eine doch sehr erfreuliche Entwicklung. Und als realsatirisches Sahnehäubchen macht dann die libysche Mary Poppins (wenn auch etwas hilflos) ja auch nicht mehr die gängigen Verdächtigen, sondern tatsächlich die Drogenkranken im Auftrag der Al-Qaida verantwortlich für den Verlauf seiner blutigen "Komödie".

Immer diese renitente Jugend, die weltweit raus aus der Welt der Alten (und deren Feindbildklischees) will.

Kommentare:

forsythia hat gesagt…

Schon bemerkenswert: Erst löschst du bei der Latuff-Karikatur einen kritischen Kommentar um diesem Antisemiten schließlich wider besseren Wissens und mit dem wenig überzeugenden Verweis auf die spezifische "Bildkraft" weiterhin eine Plattform zu bieten. (Als würde nicht das Gesamtwerk und der politische Kontext des Künstlers jedes einzelne seiner Bilder für eine emanzipatorische Nutzung disqualifizieren. Um mal mit Kurt Hustle zuzuspitzen: "Hat Hitler nun gute Autobahnen gebaut oder nicht?") Dann postest du ein Bild (nämlich das obenstehende) mit Quellenangabe, ignorierst aber völlig den Kontext in welchem das Bild dort stand. Das mag ich dir auch noch garnicht ankreiden: Ist ja schließlich Internet hier. Kann ja jeder Rekontextualisieren und Remixen wie er oder sie mag. Allerdings finde ich es höchst befremdlich, wie du genau gegenteilig schlussfolgerst. Dabei ist die Sache doch recht klar: Wenn Israel in den Augen und den Parolen der aufbegehrenden Araber als blutrünstiger Völkermörder "immerhin" nicht mehr das ultimativ Böse verkörpert sondern "nur" dazu dient zu illustrieren, wie mörderisch menschenverachtend eigentlich die eigene Regierung ist, dann gehören schon ein paar riesige Scheuklappen dazu eine Abkehr von alten Feindbildern zu konstatieren. Deshalb halte ich diesen Kommentar als Kritik und Ergänzung deiner Ausführungen für unbedingt nötig.

Versteh' mich nicht falsch: Auch ich verfolge die Berichte von der anderen Seite des Mittelmeers mit Wohlwollen und teilweise auch vorsichtigem Optimismus. Deswegen ist aber noch lange nicht jeder, der die Aufständischen unterstützt oder die dortigen Machthaber kritisiert sympathisch oder unkommentiert zitierfähig. Und schließlich und letztlich sollten auch die Parolen der rebellierenden Bevölkerung kritisch hinterfragt werden - das kam mir im obigen Posting leider zu kurz.

In der Hoffnung, dass diesen Kommentar trotz der unverändert trolligen Schreibweise nicht das gleiche Schicksal ereilt wie den vorigen,

forsythia

Der digitale Flaneur hat gesagt…

@forsythia.

ich hoffe du hast den Kommentar zur letzten Postlöschung gelesen, hätte ich gewusst, wer Latuff ist wäre er nicht gepostet worden.

Kann man mir vorwerfen, ja. Die politsche Agenda von Latuff ist gekennzeichnet von kruden Theoremen die ich nicht teile.

Dennoch traf die Zeichnung einen speziellen Nerv bei mir, qua ihrer konsequenten Darstellung.Ich fand aber eine kommentarlose Löschung kontraproduktiv, auch wenn der Verbleib mir nun deinen Vorwurf einbringt.

Kann deine Position nachvollziehen und ich bin mir mehr als sicher, dass unsere Positionen nicht wirklich weit auseinander liegen, daher will ich auf Stellung nehmen zu deinen teilweise harschen Worten.

Ich entschied mich im Falle Latuff für einen anderen Weg, mir war es wichtig a) seine Positionen offenzulegen (mehr als der Wikipedia-Artikel war hierbei nicht nötig) b) klarzustellen dass ich mit seinen Positionen in keinster Weise symphatisiere und c) die Zeichnung kritisch kommentiert zu rekontextualisieren um ihr propagandistisches Potential zu entziehen.

Ausserdem kann die Überschrift nun für zwei Adressaten dienen ... Gadffi & Latuff.

Deiner Meinung nach scheint dieses Unterfangen sinnlos zu sein, ein Sachverhalt den ich liebend gerne kritisch mit dir diskutiere. Gerne auch abseits des Kommentarfelds. Möglicherweise liegt hier nur ein Missverstehen meiner Absicht vor.

Weshalb ich auf diesen Kommentar erst jetzt reagiere hat einen ganz profanen Grund, du hingst in meinem Spamfilter fest.

Ich glaube - anhand der Schärfe deiner Vorwürfe - nicht, dass du wirklich mit meinen politischen Ansichten vertraut bist ... aber vielleicht hilft auch hier einen weitere Stellungsnahme.

Zu deinem zweiten, also dem aktuellen Kommentar, ich stehe der Entwicklung in Nordafrika sicherlich nicht so blauäugig gegenüber wie du mir zu unterstellen scheint.

Es sind dort Bündnisstrukturen und mobilisierende Ideologeme auffinden, die mit meiner Auffassung von Politik in keinster Weise in Einklang gebracht werden können, aber ich bin noch nicht willens die Opposition unter einen Generalverdacht zu stellen im bezug auf den höchst virulenten Antisemitismus.

Gerade das Beispiel Ägypten hat bewiesen, dass ein überkonfessioneller Widerstand gemeinsam möglich ist, wenn Christen die betenden Muslime von den Schergen eines Gewaltherrschers schützen, dessen Sturz deutlich weniger blutig war, als der noch andauernde Kampf gegen den libyschen Irren.

Und dies obwohl die Spannungen zwischen den einzelnen Gruppen durch die blutigen Bombenattentate sehr ausgeprägt waren.

Natürlich ist eine proisraelische Bezugnahme damit nicht zwingend gegeben, aber eben genau dies wollte ich mit meinem sehr schwarzen (und scheinbar sehr widersprüchlichen) Witz und mit der Neurahmung deines Posts erreichen.

Aufzuzeigen, dass die externen Feindbilder der arabischen Welt, die lange als Herrschaftsstrategie von den Diktaturen (mitsamt bagatellisierender Duldung durch den Westen)tradiert wurden vielleicht in der nordafrikanischen Jugend an Zug- und Überzeugungskraft verloren haben.

Natürlich kann man mir auch hier ein zu freie Kontextualisierung vorwerfen oder wie in deinem Fall eine zu knappe Kommentierung, aber ich denke mir politische Naivität oder gar klammheimliche Symphatie zu überstellen geht zu weit.

Insbesondere weil dein Kontext - bestehend aus einer Überschrift auch icht frei von Vieldeutigkeit ist, wendet man deinen Massstab an.

Ich könnte nun natürlich auch nach einem hübschen Konter für dein Hulk Hodn Zitat suchen, aber ich warte lieber (sehr gespannt) deine Replik ab, mir scheint nämlich, dass sich hier nur zwei ähnlich Denkende beharken und bevor ich diesen Eindruck nicht widerlegt habe lohnt sich (Vorsicht ironische Spitze) ein Vergiften der Kommunikation nicht.

Greetz Markus.

forsythia hat gesagt…

Auf dein Angebot zur Deeskalation gehe ich gern ein. Der Zitat-Konter hätte mich allerdings schon interessiert. Auf einer rein sportlichen Ebene.

Ernsthaft: Würde ich nicht - wie du ja auch vermutest - eine gewisse Schnittmenge zwischen unseren Positionen annehmen, hätte ich mir wohl kaum die Mühe gemacht auf Latuffs Hintergrund hinzuweisen und den etwas länger geratenen, obenstehenden Kommentar zu schreiben. Schließlich lese ich hier auch gern und so ist mir daran gelegen, die kognitive Dissonanz dabei möglichst gering zu halten. So war ich nach deiner Revision des Latuff-Posts nahezu versöhnt, als mir dieser Post hier auffiel.

Deine Annahme, es wäre eine Abkehr von alten Feindbildern zu verzeichnen, mag zutreffen oder auch nicht. (Ich hoffe ja auch sehr, dass du damit Recht behältst.) Aus dem verwendeten Bild kann man sie allerdings beim besten Willen nicht ableiten. Nach der Lektüre deiner sehr umfangreichen Stellungnahme bin ich mir nun nicht mehr sicher, inwiefern das von dir so intendiert war. (Soll das Bild die Aussage unterstützen oder desavouieren?) Womöglich habe ich da auch einen Witz oder eine ironische Brechung übersehen. Ob das nun an mir liegt oder am Witz, sei mal dahingestellt. Vielleicht liegt es auch an der Vokabel "echtzeitig", deren Verwendung sich mir nicht einmal nach vergleichsweise intensiver Google-Recherche erschließt. Jedenfalls nimmt diese Unsicherheit der HMS Kritik mächtig Wind aus den Segeln.

Bleibt mir folglich nur noch auf die dafür ursächliche Uneindeutigkeit hinzuweisen, die du ja auch - zu Recht - bei mir kritisierst. Hier halte ich jedoch den Faktor Publikum für entscheidend: Deine Zielgruppe dürfte deutlich größer und heterogener ausfallen. (Was bei mir läuft, ist ja bestenfalls unter "Randgruppenhumor" zu verbuchen.) Daraus ergibt sich dann gegebenenfalls die Notwendigkeit wichtige Punkte und Gedanken intersubjektiv nachvollziehbar zu formulieren und unter Umständen mal eine Pointe oder Referenz zu Gunsten der Verständlichkeit wegzulassen.

Da ich diesen Blog nicht zuletzt wegen der pointierten Schreibweise und den zahlreichen Verweisfeuerwerken schätze, möchte ich das eigentlich gar nicht mal ernsthaft empfehlen.

In der Hoffnung nicht wieder allzu trollig, harsch und beharkend rübergekommen zu sein,

forsythia

Der digitale Flaneur hat gesagt…

Erst stänkern, dann schmeicheln :D Zuckerbrot & Peitsche, wa.

Ich muss sagen, ich habe schon lange nich mehr mit solchen Genuss ein so langes Kommentar gelesen (war ohnehin glaub ich bestimmt der längste bislang) daher freu ich mich auch auf weitere Repliken.

Weiss nur immer noch nicht, warum du immer wieder im Spamordner landest, gegenwärtig weiss ich noch nicht, wie ich diesen Automatismus abschalten kann, arbeite aber dran.

Cheerz.