Samstag, 26. Februar 2011

Neues aus der Rantzone: Heute: Ein Doktortitel


Ein Doktortitel

Welchen Wert hat er, dieser Titel in einem Land, welches sich noch immer durch einen ausgeprägten Titelfetisch auszeichnet? 

Kann er noch als Qualitätsgarant dienen, als bewertbarer Indikator einer Befähigung für das wissenschaftliche Handwerk? Für Sorgfalt, Präzision, Themenbezug, Quellentreue und (vielleicht der wichtigste Punkt) Originalität?

Nun - es ist eine Neuerung zu vermerken, der akademische Grad ist im Warenkreislauf angekommen, er kann bei Nichtgefallen zurückgegeben werden oder per on/off-Funktion im Bedarfsfall mit der Vita vernetzt werden.

Erfreulicherweise ist der akademische Grad nun nicht mehr notwendige Qualifikation für gehobenes politisches Arbeiten, die Kanzlerin höchstselbst sprach ein populäres Mitglied ihres Kabinetts frei von dieser belastenden Verpflichtung. Entscheidungen zur Blitzentlassung bedürfen somit nicht mehr dem Nachweis des universitären Glorienscheins.

Voller Zuversicht können also jetzt alle Titelfreien auf einen wohldotierten Ministerialposten hoffen. Das Prinzip der freien (und freizügigen) Vermengung unterschiedlichster Inhalte wird legitimiert, das parodistische Element der Textgestaltung hält durch die Hintertür Einzug in die politische Welt.

Müllermeister können Verkehrminister werden, Kinderlose über das allgemeine Familienwohl auf höchster Ebene entscheiden und ein flunkernder Medienstar darf Verteidigungsminister werden bzw. bleiben. Eigentlich ein beeinruckender - nein  - unvergleichlicher Kompetenzsprung - berücksichtigt man, dass das erste Opfer der "kriegsähnlichen Zustände" ohnehin die Wahrheit ist. 

Im Verwaltungsmanagement dieser Zustände ist eine Person, die mit einem eindrucksvoll strategischen Verhältnis zu (Fremd-)Dichtung & Wahrheit gesegnet ist, somit eine beinah brillante Wahl! Skandaloplastische Faktizität, immense Auslegungskompetenz und traumwandlerische Reformulierungsgabe, diese Dinge braucht ein Lotse im Sturmwind.

Nachtrag: Werter Herr von und zu: Ihr oben (mit Quellenangabe) genanntes Zitat ist an Hohn und Spott kaum zu übertreffen, ich empfehle ihnen Akteneinsicht in die Bildungsberichte der Unesco der letzten 15 Jahre, die von den wirtschaftlichen Problemen im Laufe des Titelerwerbs (oder der auch der gehobenen Bildung an sich) berichten von denen sie qua ihrer Herkunft glücklicherweise verschont blieben - ein wenig Demut würde ihnen auch abseits der Kameraaugen gut zu Gesicht stehen.

Ebenfalls lesenswert ist ein offener Brief, den bundesweit Doktorantinnen & Doktoranden unterzeichnet haben ... ergo diese Personen, deren oftmals mühsamer erarbeitet Grad durch ihren augenscheinlich misslungenen öffentlichen Umgang mit den Vorwürfen und ihre uneinsichtige Haltung beschädigt wurde. Der Bildungsstandort bedankt sich (einmal mehr) für tatkräftige Abrissunterstützung. Ich empfehle als Erstsemesterbegrüßungsgeschenk Bananen.


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