Donnerstag, 16. Dezember 2010

Dorison/Lauffray: Long John Silver #03 - Das Smaragd-Labyrinth [Carlsen] Kunstvoll inszenierte Piratenmär.


Bereits die ersten Bände der Serie versprachen eine eindrucksvolle Bilderwelt, welche zwischen klassischer Comicästhetik und Malerei oszillierte, welche in ihrer Eleganz eigenständig war (mehr dazu in der Erstbesprechung der Serie - auch auf diesem Blog zu finden). Insbesondere die Licht- und Schatteneffekte machten den Stil zu etwas ausergewöhnlichem. Daran ändert sich auch im aktuellen Ban der Piratenmär rund um den alternden Haudegen Long John Silver nichts. 

Aber ein weiterer großer Verdienst der Serie ist, dass sie sich nicht in den orthodoxen Erzählungsstrukturen erschöpft, hier wird nicht ein schwaches Storyboard ansehnlich bebildert, sondern es finden grandiose, stimmige, suggestive Zeichnungen mit einer wirklich fesselnden Geschichte zusammen. Das klassische Abenteuercomic-Narrativ wird hierbei deutlich ausgedehnt und auch politisiert. Neben subtilen feministische Positionen, findet man auch raffiniert austarierte gruppenpychologische Konflikte vor. Und anhand der sozialen Heterogenität der Mannschaft wird sogar ein klein wenig auf der gesellschaftskritischen Klaviatur geübt. 

Die ineinander verschränkten und sich bekämpfenden schichtspezifischen Rituale erzeugen ein  reiches Bild der zeitgenössischen Ordnung der englischen Öffentlichkeit. Piraten und Adlige, Spelunken und Offiziersmessen, beide Welten finden sich auf einem Schiff zusammen - ungewollt, was sicherlich nicht überraschen wird. 

Gemeinsam begibt man sich auf die Suche nach einer versunkenen Welt, die in ihrer Agonie unglaubliche Reichtümer angehäuft hatte - so verspricht es die Legende. Der europäische Golddurst ist ungestillt - ein einigendes Faktum, welches auch überraschende Kooperationen über gesellschaftliche Gräben hinweg ermöglicht. 

Aber die seefahrenden Hazadeure werden unangenehm überrascht, denn der Indioführer dieser unfreiwilligen Allianz verliert seinen Nimbus eines harmlosen Verrückten und zeigt sein wahres Gesicht. Hier will ich aber nicht vorgreifen, denn ich möchte euch die Lektüre dieses sowohl visuell als auch dramaturgisch fesselnden  Comics nicht durch wildes Spoiling vermiesen. 

Ihr findet die 3 (mit einer Flaneurempfehlung versehenen) Bände hier => Long John Silver 01, 02, 03.

Keine Kommentare: