Sonntag, 7. November 2010

Fenster zum Hof. Ein Kiez als soziale Projektionsfläche .




In den Verallgemeinerungen steckt der Teufel [George Bernanos]

Ich war neulich mal wieder in meinem schlecht beleumundeten Kiez unterwegs. Und ja, es ist (erschreckenderweise) dieser erlebnisorientierte Bezirk mit Rechtsaussenrepräsentanz im Bezirksparlament und der landesweit bekannten Schule - Neukölln! Hort des Chaos, Brutstätte der deutschen Banlieubewegung! Zahllose Klischees werden ja nur zu gerne mit diesem Landstrich in Verbindung gebracht, Drogenmilieu, organisierte Kriminalität und soziale Trostlosigkeit. Stimmt tendenziell ja auch fast alles. Aber !

Wie erwähnt, ich war neulich hier in Neukölln unterwegs, in einem Hausflur, einem Hausflur, der mit einfach nur wunderschönen Jugendstildesignfenster geschmückt war und ich wurde (wider alle tendenziöse Dampfplauderer-Erwartung) in selbigen Flur weder mit einem Krummsäbel tranchiert, noch bot mir ein dunkelhaariger Mensch harte Drogen an. Seltsam, aber bestimmt nur ein statistischer Ausreisser, oder?

Ich sags mal so. Eure liebevoll gepflegten Stereotypen in Ehren, euer Wunsch nach klarer sozialer Raumaufteilung einer Stadt auch - aber hey, von wegen reiner Plattenbaughettokiez voller grenzbegabter Gewalttäter und Gemüseschaukler - ihr irrt und jetzt habt ihr sogar den Fotobeweis.

Also allerliebstes Lästerpublikum (werte Debattenführer, liebe Populisten), akzeptiere doch endlich mal dass deine sämtlichen Kiezklischees (im besten Falle) einfach nur ungeprüft sind und dass deine gefakten Stadtethnologien kein Mensch braucht.

Und nun erspare uns bitte mal in Zukunft einfach dein zänkisches Stammtischgewassel  und auch deinen verlogenen Lehnstuhl-Analystenstil, denn dieser Kiez ist mehr als die Summe seiner wahlkampftaktisch nutzbaren Teile. Danke!

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