Samstag, 7. August 2010

DMZ #07 - Machtmissbrauch [Vertigo / VÖ: 24.08.2010] ... Die schmutzigen Seiten der Politik.


Im aktuellen Teil der dystopischen Saga aus der Feder des immer besser werdenden Brian Wood, ist der Protagonist Matty Roth konfrontiert mit den Problematiken des notwendigen und erwünschten Unabhängigkeitsethos des Journalisten - aber kann er diesen Anforderungen gerecht werden, in dieser besonderen Situation der DMZ?

Kann er, nachdem er sich so fraglos auf die Seite des inzwischen gewählten Gouverneurs Parco Delgado geschlagen hatte, überhaupt noch als kritische Instanz gelten, die die Dynamiken der Stadt im Kriegszustand dokumentieren kann oder hat er diese Position nicht bereits eingebüsst?

Der scharfe und populistische Kurs, den Delgado bereits kurz nach seiner Wahl einschlägt wirft Fragen auf. Er annulliert alle bislang geltenden Verträge und verweist alle Truppen UND Beobachter der Stadt. Am schärfsten geht er hierbei gegen die Konzerntruppen von Trustwell vor, deren Söldnerzellen nun ohne Unterstützung um ihr blankes Überleben streiten müssen.

Roth beobachtet unter der neuen Regentschaft die Ausbildung fragwürdiger Koalitionen, die nur der gewalttätigen Machtsicherung und dem radikalen Ausbau der alleinigen Führerschaft gelten - tote politische Gegner werden hierbei billigend in Kauf genommen.

Das wahre Gesicht des Machtpolitikers tritt zu Tage, Delgado ist keine Lichtgestalt, den die Sicherung der Lebensqualität der Zonenbewohner antreibt, sondern ein herrschaftshungriger Warlord, der durch die Beschaffung einer Massenvernichtungswaffe die Anerkennung seines Reiches durch die UN erzwingen will. Erpressung als politische Methode kennen wir ja aktuell auch aus anderen Bezügen und so zeigt sich wieder einmal, dass Woods Dichtung mehr ist als ein gallenbitteres entrücktes, politisches Märchen, sondern ein präzises Brennglas zur Beschreibung weltweit vorherrschender realer Machtpraxen.

Es gelingt ihm perfide, die bisherig herrschende Aufbruchstimmung in düsteren Tonlagen zu orchestrieren. Nichts bleibt wie es scheint und eine persönliche Bedrohung ist allgegenwärtig. Ein Faktum, welches Roth sehr schnell zu spüren bekommt, er ist auf den Schutz seines persönlichen Leviathans angewiesen. Wie wird er diesem Dilemma begegnen, wird er Dokumentierender bleiben oder Akteur, wird er die Macht weiterhin kritisieren oder ihrem Reiz erliegen, sich offenkundig gefährden oder doch kooperieren? Woods psychologisch dichte Erzählweise überzeugt ein weiteres Mal.

In diesem Band enthalten sind zwei zusätzliche Kurzgeschichte, welche sich mit den inoffiziellen Arrangements, der sich bekriegenden Truppen befassen, ("Die Insel") die nicht frei von Brutalität, Willkür und Folter sind. Diese kurze Erzählung stellt einen weiteren kritischen Diskurs dar, welcher die Frage nach der Rechtsmäßigkeit von Kombattanten stellt, ein juristisches Problem, welches in der amerikanischen Öffentlichkeit ungelöst bleibt. In der zweiten Geschichte ("Zee, DMZ") wird auf ansprechende Weise die Menschlichkeit in den Zeiten des Krieges illustriert. Zee muss sich zwischen politischer Vorliebe und medizinischem Ethos entscheiden - darf ich meinen Gegner qualvoll ausbluten lassen oder steht der Hilfsgedanken über allen Truppenformationen? Auch dieser Konflikt lässt den Leser nicht unbeeindruckt.

DMZ ist und bleibt eine der spannendsten Serien der letzten Jahre, in der die Unmenschlichkeit der Politik ganz klar benannt wird. Ihr könnt dieses grafische Nachdenken über Krieg, Recht und Moral ab dem 24ten August hier erwerben.

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