Freitag, 16. Juli 2010

Shawn Lee - Sing A Song [Ubiquity] ... Schlicht DIE Sommerplatte!

Was passiert wenn dieser erzcoole & stets kreative Multiinstrumentalist aus Wichita (Kansas) mal nicht im Gefolge seines ursympathischen Ping Pong Orchestra's auftaucht und wilde Adaptionen unters staunende Volk streut und auch nicht gemeinsam mit Money Mark & Tommy Guerrero unter dem Label Lord Newborn & The Magic Skulls endlos gute Platten (haptisch/digital) veröffentlicht? Nun, Shawn Lee macht was er eben am besten kann ... er schreibt Hits!

Auf seiner neuen Platte, die ab heute in Deutschland erhältlich ist finden wir eine 12 Track starke Hommage an den Soul der 60er & 70er, aber Shawn Lee wäre nicht der Tausendsassa, den jeder liebt, wenn er es bei blassen Coversong belassen würde. Stattdessen bietet er eine musikalische Frischzellenkur, die sich sehen lassen kann. Hier schielt keiner auf den Hauptpreis im reproduktiven Vintagesoulsegment, sondern auf dein Tanzbein & hier kann er verlässlicherweise punkten!

Er lud sich einige grandiose Gäste ins Studio ein, welche seine Songs mit ihrem Gesang schmücken sollte, aber auch zwei Solonummern finden sich auf der Platte. Eigentlich ist ein Namedropping sinnlos, denn wer das bisherige Schaffen dieses Freigeistes kennt, weiss genau, er verzichtet lieber auf große Namen statt auf große Stimmen & so finden sich hier auch nur Ausnahmetalente zusammen, was dieser Platte einen unglaublichen Flair verleiht.

Wer fand sich denn ein? Nun die Platte wird von Fanny Franklin eröffnet, bekannt als Chanteuse der LA Soulfunk-Institution Orgone, die lange verschollene und noch immer grandiose Princess Superstar singt bei der völlig durchgeknallten Nummer "Christopher Walken In The Sun" von absurden VIP-Erlebnissen, der blinde Strassenmusiker aus Detroit Robert Bradley (der dem überzeugenden Keyboardwizard Lord Large bei "Fading Light" assistiert) massiert mehr schmerzende Soul in einen einzigen Track ein als 100.000 Industriezuchtpflänzchen. Moody!

Und die beiden Londoner Dan Warden & Miles Copeland von The Superimposers klingen so, als hätten sich Air plötzlich entschlossen eine wundervolle Dreamysoulplatte zu produzieren - sie werden gleich mit zwei Songs vorstellig & beide sind bezaubernde Ohrwürmchen.

So, ich werde jetzt mal passen, denn ich könnte noch so viel gutes schreiben über die Gäste & den grandiosen Gastgeber berichten, aber warum?

Ich gebe einfach eine klare Flaneurempfehlung, weil diese Platte (CD / Vinyl / digital) insgesamt ohnehin nur sehr hochwertige Ware bietet, jeder einzelne Song hat Potential zum Wachsen und dieser Sommer hat seine erste unwiderlegbare Sommerplatte. Fertig!

Mehr müsst ihr wirklich nicht wissen. Anbei ein Solotrack "Swimming Pool" als kleines Schnupperli & wer hier nicht vor seinem Volksempfänger tanzt ist höchstwahrscheinlich tot oder geschmacksunsicher! Dick!


Kommentare:

ichselbst hat gesagt…

Gut geschrieben.
Die Platte allerings ist mir etwas zu poppig und clean produziert. Ich hätte mir etwas mehr Rauheit gewünscht. Nichts desto trotz, 60er/70er Soul in modernem Gewand. Shawn Lee ist super...

Der digitale Flaneur hat gesagt…

moin ichselbst.

Ja, der Popappeal ist nicht zu leugnen, aber mich begeistert sie dennoch. Und danke für die Blümchen.