Montag, 19. Juli 2010

Kobo*Town - Independence [Skycap - VÖ: 30.07.2010] ... Globalisierung im Schneckentempo

Manchmal wird sichtbar, wie seltsam diese bunte Warenwelt inzwischen schon geworden ist, jeder Plasteshit einer silikonverstärkten Vollsyncro-Tante mit Teleprompter-Ablesekompetenz ist blitzschnell & ganz fix in den deutschen Einkaufsalleen zu finden, qualitativ hochwertige Musik braucht da ein wenig länger, das Rohreiz-Triggering scheint eben doch besser zu funktionieren.

Aber egal, 3 Jahre (!!!) nach der kanadischen Erstveröffentlichung des Debutalbums von Kobo*Town macht sich nun ein Label bereit dieses edele Stück Musik auch dem deutschen Markt zugänglich zu machen.

Drew Gonsalves
, der kanadisch-trinidadische Gründer & Songwriter der Band präsentiert einen vorzüglichen musikalischen Hybriden, der die Einflüsse des frühen, karibischen Calypso mit jamaikanischen Mento verbindet, diese Kombination mit erzgeilem Rootsreggae vermischt und das Ergebnis durch den Einsatz dezenter Dubtechniken und einigen einzigartigen Akustiklicks nochmals veredelt.

Was entsteht ist eine - dem Vibe verschriebene - muntere Sause voller Melodiebögen und charmanter Miniaturen, ergänzt um wirklich eigenständige Texte. Das Sextett lässt kein noch so heisses Eisen aus - ob häusliche Gewalt, Migrationserfahrung, schädliche Globalisierungsdynamiken oder das Ausformulieren pazifistischer Losungen gegen den Irakkrieg, als diese Inhalte finden in den hervorragend recherchierten und umgesetzten Lyrics ihren Niederschlag. Gemeinsam ist ihnen eine erfreuliche, rotzfreche Bissigkeit, die sie den aufschneiderischen Narrativen der frühen Calypsosängern entlehnt haben. Großartig!

Die Band hat bereits eine imposante Tourgeschichte hinter sich gebracht & auf einigen wichtigen Festivals (Montreal International Jazz Festival, London Sunfest, Winnipeg Folk Festival) Gastspiele gegeben, gemeinsam mit Calypsolegenden wie Mighty Sparrow, aber auch mit Burning Spear, Arrested Development und den Wailers. Man kann ihnen also eine gewisse Livebessenheit unterstellen.

Ob es nun der ausgiebigen Liveerfahrung geschuldet ist, dass sie auch mit zahlreichen Preisen präminiert wurden, darüber kann ich nur spekulieren, Fakt aber ist, dass sich hier die dreijährige Durststrecke lohnte & das Album eigentlich noch immer unglaublich frisch gilt, eine Haltwertszeit, welche bei den Plastetanten sicherlich nicht gegeben ist.

Wer Interesse hat (nach der gleich folgenden Probe) die Platte zu erwerben, kann dies entweder hier per Vorbestellung tun - zu einem Preis, der meines Erachtens für ne CD (inclusive eines wirklich schönen Booklet) tatsächlich angebracht ist - oder das 4fache für eine Importfassung (CD) zahlen oder schon heute die digitale Variante über ne bandnahe Seite erwerben. Entscheiden müsst ihr dies wie immer selbst. Cheerz!


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