Freitag, 30. Juli 2010

Koalas Desperados - Koalas Desperados [Rootdown] ... Eine andere Internationale.

Die Fakten: 2 Producer, 15 Songs, 17 verschiedene Künstler aus 15 Ländern, zahllose Sprachen und ein ganz eigener Vibe - so sollte ne Internationale klingen.

Und das erfreuliche vorweg - die Musikglobalisierungsblase der verwegenen Koalas umschifft alle Untiefen eines solchen Projekts! Hier findet man keine cheesy Weltmusikunsitte, kein hingeschmiertes Abschreibeprojekt mit "Exoten" als schmückender Zierrat für eine selbstgerechten Zeitgeistmarketingstrategie, stattdessen Zauber auf gleicher Augenhöhe mit reger Beteiligung - Mitwirkende: Paco Mendoza, Laura López Castro, Jaqee, Nosliw, Foreign Beggars, D-Flame undsoweiterundsofort.

Die beiden verantwortlichen Producer (Teka & Manar) kennen sich schon seit Jahren, verloren sich aus den Augen & wurden durch eine gemeinsame Bekannte wieder zusammengeführt - glücklicherweise. Die beiden scheinen sich blind zu verstehen, denn die Songs, die sie den einzelnen Künstler (die ebenfalls jahrelang mit ihnen zusammen gewachsen sind) wirklich passgenau auf den Leib schneidern zeugen von großer Emphatie und gemeinsamen Vertrauen & Verständnis.

Auch Jaqee (deren Zusammenarbeit mit Teka von mir schon vor einigen Tagen hier besungen wurde) findet sich auf der Projektliste. Ihre drei Songs sprechen wieder einmal für sich - auch wenn mich der deutsche Soulreggae von Maxim bei dem Duett zu dritt ("Willst du dabei sein?" mit Chozparei) immer noch gruselt - aber manch ein anderer wird sowas lieben.

D-Flame
stimmt mit seinem unverkennbaren Organ einen nicht unklugen Text über Flüchtlingserfahrungen an, Foreign Beggars bringen mit "Negro" (gemeinsam mit Lhabanero & DJ Tillo) sogar einen ziemlich tighten Raptrack über Sklaverei, Polizeigewalt & Mindestlohnunterwanderung ins Koalaland ein. Und die Deutschspanierin Laura López Castro überzeugt durch ihre am Fado geschulten Stimme & Poesie auf ganzer Linie. Moody!

Kurz: Ohne Gefälligkeit, ohne Anbiederung wird hier ein Sampler zusammengenagelt, dessen Heterogenität erfreulich ist, dem aber gleichzeitig gelingt nicht nach einer häkchenpolitischen Sammelbüchse zu klingen. Hier ist alles rund, gut abgehangen, stimmig und ja - organisch.

Ich will euch jetzt mit meiner persönlichen Lieblingsnummer des Albums verabschieden, dem Duett "Ele Fanan" der Deutschspanierin Laura López Castro und dem MC Korbo aus Burkina Faso. Ich verstehe zwar kein einziges Wort des Textes, aber ich bin sicher ich habe selten ein melancholischeres Lied gehört, Fado in Verbindung mit Rap würde ich gerne sicherlich häufiger hören! Die Koalas sind übrigens käuflich & zwar hier (haptisch/digital).


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