Freitag, 9. Oktober 2009

Neues aus Kiwistan!



Diese Platte anzufassen, war eine wirkliche Prüfung für mich ...

Einerseits, weil ich überzeugt war, dass Fat Freddys Drop ihr grandioses Vorgängeralbum nicht zu überbieten imstande sind.

Andererseits, weil mich auch die Angst plagte, dass sich das symphatische Septett aus Kiwihausen auf einen gefälligen Trademarksound festlegt und den Musikmarkt abschöpft.

Wer mag es ihnen verdenken, endlos viele immer schmieriger aufgewärmte Cover oder seelenlose Trendblitzlichter bringen Knete in den Geldspeicher windiger Producer, aber die wahre Kunst bleibt, wie eh & je, meist brotlos.

Daher machte der Flaneur lange einen Bogen um diese Veröffentlichung, obwohl es ihm schon in den Fingern juckte, aber zu groß war die negative Erwartungshaltung.

Um es kurz zu machen: Als ich neulich mal die Zeit fand in einem Plattenladen ganz gediegen & geschmeidig bei Café & Kippe in die Scheibe reinzuhören machte es einfach nur BUMM!

Wenn gleich sich der Vorgänger schon ganz sanft anschlich, um dich im Anschluß nicht mehr aus seinen Fängen zu lassen & dich zum Mitsummen zwang, so ist dieses Album noch hinterhältiger ...

Hier wird weder mit Effekten gehascht oder schmissigen Melodien ins Hörerohr getröffelt, noch nach den aktuellen Trends geschielt, die Neuseeländer machen einfach ihr Ding, charmanter als je zuvor.

Will heissen: Man nehme etwas gut abgehangene Frickeltronik, feinste Reggaebeats & mische diese mit einer Prise Dub & dem ein oder anderen knackigen Funkbreak, wirbele etwas Hall unter die entstandene Masse und verrühre diese mit sattem Soul & einer Nuance Blues und schon hat man ein Viertel des Teigs dieses leckeren Kuchen zusammen ...

... der nötige 3/4-Rest wird dann ganz beiläufig aus allen musikalischen Sphären des Erdenrunds zusammengetragen.

Dabei klingen Fat Freddys Drop niemals wie Kopisten, Kurpfuscher oder Epigonen, ihr Ansatz ist ein völig anderer, welcher eher mit der Sampleästhetik des Hip Hop verglichen werden kann, eklektizistisch, offen, inkludierend, alles kann, nichts muss.

Und statt billiger Phantasmagorien vom Strand, der Sonne & dem lazy life in down under zu entwerfen, besinnen sich die sieben Großmeister auf ihre Stärken und setzen auf wundervoll gefühlvolle Arragenments, welche oft nach einer fröhlichen Jam mit Kante klingen & die trotz aller Komplexität nie überladen wirken, aber auch nach dem achten/neunten Hördurchgang immer wieder verblüffen.

Die "Sunshine Reggae"-Fraktion wird sich an dieser stilistisch froh mäandernden Scheibe eher die Zähnchen aushauen, jeder andere musikalische Freigeist aber, wird diesen bunten Klanghaufen lieben, der durch die illustre Gastauftritte von Seelenverwandten wie Alice Russell, nur noch an Klasse gewinnt.

Weil aber jeder weitere Lobgesang auf die Band oder jede noch so elaborierte Beschreibung anhand der Prozesshaftigkeit der Songs am Thema vorbei führen muss & somit sinnlos erscheint folgt nun ein Hörbeispiel & der fromme Wunsch meinerseits, dass ihr diese Ausnahmeband durch den Erwerb eines Tonträgers (haptisch / digital) unterstützt, weil sich solche große Kunst irgendwann auch mal in barer Münze auszahlen muss, wenn diese Welt eine gerechte sein will.

Cheerz!

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