Freitag, 17. Juli 2009

"[K]ein Funk für deine Studentenparty, nein."



Danke für diese Überschrift! Und somit gebe ich zunächst einmal dicke Props an die begabten Vögel von Hamburgfunk.de, für den besten, treffendsten & charmantesten Slogan in einer Review seit langem :).

Und ja, ich schliesse mich dem erfrischend herablassenden Urteil der Funkkoryphäen durchaus an, für die klassische Studentenpartyzirkel und deren pawlowsken Reizschemata wird sich diese Platte weniger eignen.

Hier wird nicht der kreischende Schicksenmob losstolpern, bloss weil sie ein Break wiedererkannt haben zu glauben ... aber ist ja eh nicht unsere Zielgruppe, nücht wahr?

Also kommen wir mal zum Punkt, die weltweite Afrofunkrenaissance wärmt mir ja (trotz ihrer Vereinnahmung durch verschiedene Hipsterzirkel) noch immer mein Herz, so kommen endlich mal brillante afrikanische Musiker (wie beispielsweise Mulatu Astatke) an ein paar längst fällige Tantiemen und fördern vielleicht noch mehr Perlen zutage. Schöne Sache erstmal.

Nun ist es ja so, dass die postmoderne Welt schon längst alle Grenzen & Beschränkungen hinter sich gelassen hat & somit wird es auch möglich, dass plötzlich eine grandiose (rein instrumentale) Rawfunkscheibe mit ordentlich Bums, Groove & Kante auch aus einer Ecke kommen kann, die man nicht unbedingt erwarten würde ... nämlich dem beschaulichen München.

Wer sonst (so wie ich) diesen Namen eigentlich nur mit bayuvarischer Kulturbarbarei im Lodenfilz oder dem pressledernen Garn in Verbindung bringt (die grandiosen Poets of Rhythm hab ich der Dramaturgie zuliebe jetzt mal frech unterschlagen :)) wird hier Augen machen.

Denn die Band vollführt hier formvollendet und voller Enthusiasmus den Fassanstich & lässt dir eine sehr wohlschmeckendes Gebräu entgegenblubbern, um dich zu einer blauweissen Sause "zwischen Freejazz und polyrhythmischen Exkursionen nach Nord- und Westafrika" einzuladen.

Natürlich ist dies für hookaffine Funkkleingeister eher enervierend und zu ausufernd, aber ich glaube ich hatte es schon erwähnt, diese Menschen sind keine Zielgruppe :).

Und als Bonus spielt dann auch noch der Platteninfoaufkleber frech augenzwinkernd mit den Zuweisungskategorien der Musikbeschreibenden ... man mietet sich einfach ne ganze eigene Nische und nennt den entstandenen Sound dann mal ganz unbescheiden "Afrodelic Kraut-Funk" ... dankesehr, liebes Promoteam ich wäre daran schier gescheitert :).

Und ja, es stimmt! Was man über die Band sagen kann, ist ganz einfach auf den Punkt zu bringen, du suchst nach groovenden Funkimpulsen, sperrigen Krautrockwucherungen & afrodeliziösen Drumbreaks? Dann grabe doch einfach hier, du wirst fündig werden, bei jedem einzelnen Song!

Das die Bandbezeichnung Karl Hector and The Malcouns hierbei bloss einen weiteren Phantasienamen in der langen Reihe von Aliasen der Münchner Funkblase darstellt, überrascht dann auch nicht weiter, oder?

So finden sich hier die Reste der leider aufgelösten Poets of Rhythm zusammen, um mit der lokalen Drumgottheit Bo Baral und einigen anderen Virtuosen ihres Fachs zusammen den dicksten Krautfunk der Republik auf die Pflaster dieser Stadt im Süden & die Rillen deiner Platte zu kleckern.

Einziger Wermutstropfen dieser formidablen Sause ist die Tatsache, dass die Platte nach (zu) knappen 45 Minuten zu Ende geht, man kann sagen kurzweilig, aber zu kurz, ausufernd, aber (zeitlich) zu begrenzt, was mich zum nächsten Punkt bringt, liebe Leute, ich muss mal die schwarzen Scheiben wenden, ich wünsche euch derweil viel Vergnügen beim folgenden Video.

Cheerz!

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Bo Baral ist kein drummer..

Der digitale Flaneur hat gesagt…

Ok. Was ist er sonst? Vielleicht waren ja meine Infos falsch, klär mich mal auf. Danke.