Freitag, 12. Juni 2009

The Narcicyst verkündet eine P.H.A.T.W.A gegen den Krieg der Kulturen.



Alleine schon diese hinterhältige & provokante Covergestaltung sollte versichern, dass es sich bei dem heute vorgestellten MC nicht um einen leisetretenden Gangstaschlingel mit offen zur Schau getragener konsumistischer Ader handelt, vielmehr ist The Narcicyst ein Fackelträger des intelligenten Raps mit harschen politischen Anspruch.

Dieses erfreuliche Selbstverständnis dominiert auch die gesamte künstlerische Konzeption der Werke des 27jährigen, ein Blick auf den Warnhinweis vor den explizit politischen Inhalten bringt es sehr deutlich auf den Punkt. Hier werden mediale Schlüsselreize geschickt genutzt, unterlaufen & subversiv verstärkt.

Man kann diese Umgestaltung natürlich (nur) als eine Art bissiger Reminiszenz an die öffentlichkeitswirksame Covergestaltung der ollen Herren der 2 Live Crew verstehen oder eben als sarkastischen Seitenhieb auf die us-amerikanische Politik unter Bush (und möglicherweise auch Obama), welche man durchaus als „As Nasty As They Wanna Be“ bezeichnen könnte.

Konsequenterweise schmiedet The Narcicyst aus seinen beachtlichen MC-Skills & seinen Studienerfahrungen (Politik- und Kommunikationswissenschaften) eine heimtückische Klinge, welche sich butterweich durch die schlecht durchblutenden Eingeweide des seichten Popdiskurses frisst.

Yassin Alsalman, so der Geburtsnamen der Kunstfigur The Narcicyst, bringt nicht nur brennende menschenrechtspolitische Fragestellungen zurück in die ehemals evident politische Ausdruckskultur des Raps, welche leider in den letzten Jahren an einer unübersehbaren Minderrelevanz gekrankt hatte...

... in der eher die lustigen Felgenoden, das Hochlebenlassen von Hustensaftmischgetränken & schlecht konzipierten & blasierten Rollenmodelle dominierten ... nein, dieser junge Mann tut mehr,

... er stylt ganz nebenher wie ein junger Gott sondern manifestiert in seinen Texten & in seinem clever gespielten Image noch etwas gänzlich Neues, nämlich den aktuellen amerikanischen Diskurs um den „Anderen“, um den gefürchteten Feind, die kollektive Bedrohung und pointiert scharfsinnig die Konstruktionen der kollektiven Projektionsflächen einer medial aufgestachelten Öffentlichkeit im Kriegszustand. Chapeau!

Alsalmans Familienmitglieder sind gebürtige Iraker, er selbst wurde in Dubai geboren & wuchs auch dort auf, bevor es ihn nach Kanada wehte. Und dieser kanadische MC mit den muslimischen Wurzeln & dem arabischen Hautton, kann einiges berichten über die zutiefst rassistischen Sandni**erdiskurse des Mutterlandes der exportfähigen Demokratie.

Natürlich kann man mir nun für diese ketzerische Aussage einen profanen, schwächlichen & ordinären Antiamerikanismus unterstellen oder anheften (tun Sie es ruhig), aber ich glaube nicht, dass sie mich so zu packen bekommen, denn diese Kritik richtet sich nicht gegen den amerikanischen Bürger an sich, wie es momentan so unsäglich schick ist, insbesondere bei den Herren von rechtsaußen, sondern nur gegen die kritikwürdiegen, staatlich forcierte Machtdiskurse. We still fight power & not the people. Schon vergessen?

Aber es soll ja auch nicht um mich gehen, sondern um diesen biestigen, schwarzhumorigen Mann aus Kanada mit dem fremdländisch (aka verdächtig) klingenden Namen & um seine Form der Kritik am amerikanischen Post9/11-Alltagsrassismus.

Und diese übt er mit Hingabe, Finesse und grandios reflektierten Texten, die sich aufgrund ihrer tiefen Sinnhaftigkeit angenehm von den konventionellen „Aktivistenraps“ abheben. Er bringt die Erfahrungen und Kenntnisse beider Welten, der arabischen & der nordamerikanischen zusammen und kritisiert beide Weltentwürfe mit großer Konsequenz und Rücksichtslosigkeit.

Hier wird kein schales Verweilen auf kruden essentialistischen Konstrukten eingeübt, kein ethno-nationalistischer Diskurs beschönigt oder keine stereotype Widerstandsposse inszeniert. Vielmehr stellt diese Form des musikalischen Protestes eine Fortsetzung seines politischen Engagements dar, denn im offiziellen Leben ist er als Journalist, Friedensaktivist & als Vermittler zwischen muslimischen und jüdischen Gruppen aktiv, ein Mensch mit Sendungsbewusstsein & Inhalten eben.

Und genau aus diesem Grund, weil man seine Texte hervorragend für sich sprechen lassen kann, möchte ich euch heute in meiner Funktion als herumvagabundierender Flaneur eine Perle von Video servieren, welches in seiner Bösartigkeit eigentlich unüberbietbar scheint, dessen vordergründiger Zynismus aber erschreckenderweise noch weit hinter den realen Ereignissen im Irak, auf Kuba, in Afghanistan und an all den anderen geheimen Orte dieser Welt zurückbleibt.

Rap für die Achtung der Menschenrechte, fresh verpackt, originell umgesetzt & dann wenn man beginnt es lustig zu finden, verhackt sich dieser kleene visuelle Happen in deiner Kehle und das Lachen droht dich zu ersticken.

Für alle die sich noch nicht enger mit der islamischen Rechtspraxis beschäftigt haben: Eine Fatwa ist ein religiös motiviertes Urteil, welches im Regelfall eine nicht bindende, moralische Entscheidungen unterstreichen soll, eine Empfehlung quasi.

Im „Rechts“verständnis radikalisierter Muslime kann das Aussprechen einer Fatwa jedoch erschreckende Folgen haben (beispielsweise die jahrzehntelange Verfolgung & Bedrohung Rushdies) und somit stellt sie auch ein innenpolitisches Mittel dar, welches angewendet wird um unliebsame Kritiken zum Verstummen zu bringen, Machterhalt durch Gottesgnadentum eben.

Sicherlich ist die Parallelisierung & Offenlegung der Gemeinsamkeiten dieser ausschließenden und hetzerischen Praxis mit der religiös aufgeheizten Doktrin der Kreuzzügler rund um Bush von The Narcicyst nicht ungewollt. Und nun sag mir Spiegelein, Spiegelein an der Zellenwand, wer ist der Brandstifter in diesem Land?

Vorhang auf für eine Medienguerillasause mit Hirn & Grandezza … P.H.A.T.W.A!

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