Sonntag, 28. Juni 2009

Chali 2na - Fish Outta Water



"I'm the lyrical Herman Monster" so gab uns dieser Ausnahme-MC mit dem markanten Timbre einst auf einem J5-Beat sein unvergessliches Stelldichein. Charlie Stewart aka Chali 2na & sein tiefer brummender Bass, eine Stimmlage die aus tausenden anderen herauszuhören war.

Nachdem Cut Chemist 2006 die Band verlassen hatte, war der baldige Niedergang einer der Supergroups der Goldenen Ära eigentlich nur noch eine Frage der Zeit & so sollte es dann auch Ende 2007 traurige Gewissheit werden - J5 is dead!

Chali 2na, der im Verbund mit den aufgelösten & stets grandiosen J5 fast 15 Jahre MC-Erfahrung sammeln konnte, seine zahllosen Collabos mit Partnern wie Ozomatli oder den Pädagogenhiphoppern von Dino 5 mal ausgespart, ebenso seine grandiosen Features rund ums Erdenrund ... (Tip: Dieses gleich folgende Leckerli mit Roots Manuva) ... hat also einiges in die Waagschale zu werfen, was seinen Solofischzug durch die Küstengewässer der Rapgourmets höchstinteressant macht ... come on pull the Fish Outta Water!






15 Songs (incl. Intro) werden dem vor Vorfreude sabbelnden Raphead entgegengebasst & ich muss gestehen, beim ersten Hören hatte ich schon feuchte Hände!

... aber dann ... !

Der erste Song nach dem Intro (International) ist ein sehr unausgegorene Dancehallkooperation zwischen Chali 2na & Beenie Man, die mich alles andere als überzeugt, cheesy, ohne Bums, ohne Dynamik ... ein mehr als ungläubiges Skippen ... brrr.

Der vierte Song (Lock Shit Down) ist wiederum eine Kollabo auf die ich sehr lange hingefiebert habe, Talib Kweli on the Mic!

Ich traue mich es echt nicht zu sagen, aber es war die nächste richtig dicke Enttäuschung, dieser Song ist einfach nur verzichtbar ... verdammt schade, denn zwei Übertalente auf einem geilen Beat, da sollte doch mehr passieren ...

Ist jetzt meine Erwartungshaltung zu hoch oder überzeugt der Beginn der Platte einfach nicht ... egal! Weitermachen, wohlgemut.

Der nächste Song (Don't Stop) wiederum lässt alle bisherigen Kritiken verstummen, Anthony Hamilton, mir bisher unbekannt war, kontrastiert mit seiner wundervollen Soulstimme das Bariton des Featurepartners, zum ersten Mal wird das Potential dieses MC ausgeschöpft!

Und der wunderbar geschmeidige Beat, welcher von Flöten gerahmt wird ist ein echter Hörwurm. Ok, ein Lichtblick und dieser wird gleich mit folgenden Song (Keep Goin') ausgebaut!

Dieses Ding ist eine dieser herrliche Kopf-Hoch-Nummern, eine Motivationsinjektion der Sonderklasse, veredelt durch die wunderbare Choklate, deren charmante Stimme den Beat eigentlich nur streichelt ...

Ab hier wächst die Platte und entfaltet langsam aber stetig die Dynamik & den Zauber den ich erwartet hatte, auch wenn einige Nummer eher oberes Mittelmass sind bleiben solche Skipimpulsgeber wie Song 2 & 4 aus.

Aber ein paar kluge Zeile über die Liebe später (Love's Gonna Getcha) bin ich gänzlich versöhnt mit dem Menschen, der mich zuerst schockierte. Ein grandioser Song zum Kopfnicken & -zerbrechen beim in den Regen starren ... Sureshot! Weiter geht es ...

Den geil reduzierten & zurückgenommen (gemeinsam mit Elzhi eingespielten) Song (When Will I See You Again) kann ich erwartungsgemäß auch formvollendet feiern, auch wenn ich mir denken kann, dass die Die-Hard-Fraktion der (Ex-)Autostadt hier sicherlich heftigst am monieren sein wird :) ...

Bei der Kollabo mit den beiden Marley-Söhnen Damian & Stephen (Guns Up) wirkt Chali 2na zunächst etwas deplaziert, aber wenn er sich anschickt die Hook zu veredeln fallen auch hier alle Vorbehalte ... dick!

Und Chali 2na wäre kein Veteran der Goldenen Ära, wenn er nicht das grafische Beschmieren des öffentlichen Raums besingen würde, seine Huldigung (Graff Time) dieses Teils der Kultur, der ihn inzwischen von der Strasse zum Atelier gebracht hat, wo er amtlich an Gemälden arbeitet, ist soulful bis knapp untern Kitsch ... ich liebe die Nummer!

Meine persönliche Perle in Sache Skillz diesert Platte habe ich euch mal aus dem Netz gefischt, ein hübsch straighter Midtempobastard mit verdammt catchy Gitarrenlick wird hier von zwei begnadeten MCs beackert, ja diesem Tagteam macht so schnell keiner was vor & dass sie dann noch bittere politische Wahrheiten spitten kann man nur noch als seriöse Druffgabe feiern. DOPE!



Fazit: Nach einem erschreckend flachen Start ein klassischer Growin' Record ... beim dritten und vierten Durchlauf werden die zwei Untiefen einfach konsequent ignoriert & man konzentriert sich auf den lohnenden Rest & dieser wächst & wächst. 7/10.

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