Sonntag, 3. Mai 2009

Sky Doll Spaceship! Neues von Noa, Gott & der Päpstin.

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Erfreuliches lässt sich aus dem Lande der Comics vermelden! Sky Doll hat einen neue Heimat, namentlich den Splitterverlag, der nun die zuvor bei Carlsen erschienene Reihe fortsetzt. Leider bekommt man keinen Fortgang der bisherigen Geschichte, sondern eine Sammlung von Kurzgeschichten.

Für diejenigen, die den Comic noch nicht kennen, hier ein knapper Abriss.

Das italienische Kreativduo Alessandro Barbucci und Barbara Canepa schufen gemeinsam eine visuell sehr eigenständige, zeichnerisch sinnliche und charmant bissige Satire auf eine Vielzahl der generischen Sci-Fi-Plots.
Als Heldin tritt kein durchtrainierter (üppiger) Feuchtraumtraum in knappen Shorts auf oder ein muskelbeschwerter Haudegen mit locker hängendem Phaser und Testosteronüberhang, sondern eine synthetische Puppe namens Noa.

Noa


Ach eine Puppe …

… klingt merkwürdig?

Soll es auch, aber dieses Merkmal ist nicht das einzige unterhaltsame, den beiden Autoren gelingt es einen sehr eigensinnigen biografischen Hintergrund für ihre Protagonistin zu entwerfen.

Noa arbeitet zu Beginn der Serie in einer Waschanlage für Raumfahrzeuge, steht somit in einem Angestelltenverhältnis zu ihrem Chef, dieser wiederum ist niemand anderes als Gott, ja genau dieser Gott (klar erkennbar am dreieckigen Heiligenschein).

Bei einer hitzigen Diskussion rund um arbeitsrechtliche Fragen überwirft sich Noa mit dem Patriarchen und zieht von dannen, natürlich nicht frei von Verwünschungen & Flüchen vonseiten des Dreiecks.

Alleine dieser Einstieg wäre großartig genug, aber er ist steigerbar, der hervorragende, stellenweise sehr abgebrühte Humor der Serie entfaltet eine unglaubliche Dynamik. Noa ist seit Beginn auf der Flucht & vollkommen rechtlos, denn sie besitzt als Gebrauchsmaschine, als Nutzapparatur keine individuellen Rechte, die Zitate der träumenden Androiden & ihrer elektrischen Schafe tropfen aus jeder Ecke.

Erschwerend kommt hinzu, dass Noa durch ihre Konstitution gehemmt ist, als Aufziehpuppe besitzt sie stets nur eine Aktivitätsspanne von 33 Stunden, dann fällt sie in einen hilflosen Zustand zurück, den sie ohne fremde Hilfe nicht mehr verlassen kann, dieses zyklische Ausgeliefertsein bietet für das Autorenduo eine Vielzahl von Reflexionen über die eigene Unabhängigkeit und den eigenen biografischen Zwang, ein spannendes Element der Figurengestaltung.

Die bisherige Reihe, welche bei Carlsen verlegt worden ist, kann also als Entwicklungsgeschichte der Androidin gelesen werden, eine Figur, welche der Leser, auf ihrer Suche nach sich selbst, durch ein bizarres & dystopischen Panorama begleitet, dessen perfide Präzision erstaunlich ist.

Die technisch atemberaubenden Szenarien und die eingeführten Figuren sind ein visueller Hochgenus, der durch das brillante Storyboard nochmals aufgewertet wird.

Arg verknappt kann man sagen: Noa gerät zwischen die Fronten eines galaktischen Glaubenskrieges, bei welchem zwei Parteien um die politische Vorherrschaft streiten, einerseits eine Päpstin, die durch einen gigantischen Polizei- und Medienapparat herrscht und die Massen mit inszenierten Wundern gefügig macht, andererseits eine bilderstürmende Widerstandsgruppe, deren Konturen bislang etwas unscharf blieben, was eine Fortsetzung der Serieninhalte noch wichtiger machen würde.

Somit bricht die Serie leider an einem Punkt ab, der eine sehr großen Raum für eine spannende Geschichte geliefert hätte, der Leser bleibt etwas hilflos vor diesen losen Enden zurück … und muss jetzt entscheiden, ob ihm die Installation einer neuen Serie hilfreich erscheint oder eben nicht.

Zunächst müssen wir uns mit den nun vorliegenden sechs kleinen Wunderwerken rund um Noa begnügen, deren Szenarien von den beiden Autoren verfasst wurden & von befreundeten Zeichnern umgesetzt wurde, wunderschöne Augenschokolade, ja! Aber bitte bitte, treibt die Serie wieder voran!

Nachtrag: Ich hab gerade im Kommentarfeld einen Link zu einer Leseprobe zu dieser einzigartigen Serie gefunden. Danke Tobi!

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

http://www.splitter-verlag.de/leseprobe.php?id=9783868690170&page=1

Leseprobe

MfG,
tobi

Der digitale Flaneur hat gesagt…

Hallöchen! 1000 Dank für den Tip!