Freitag, 1. Mai 2009

Nützliche Steinwürfe 2.0 - Doppelkopf - Balance.



Das gierige Boulevard hat sie also wieder bekommen, die Bilder über die sinnfreien Randalen, über die „politischen“ Machismo-Gesten an der brennenden Mülltonne.

Klick Klick – Schnappschuss – Schnipp Schnipp – zugespitzte Schlagzeile – Nipp Nipp – man berauscht sich an der zielgruppen(selbst-)gerechte Berichtserstattung – man hatte es ja eh gewusst.

Erstaunlicherweise ging Berlin gestern nicht in Flammen auf & das Abendland fand auch noch nicht sein Ende, so wie der Berliner Kurier am Donnerstag übertrieben affirmativ titelte.

Der Chefredakteur wird doch nicht von diesem Monster des Alltags (Erwartung) besessen sein. Seine (und auch viele andere) Bildredaktionssöldnerheere sind ausgesandt, die Auftragslage ist klar, produziert Bilder, produziert Emotionen, der Quotengötze muss gehuldigt werden.

Dass dabei verschiedene gesellschaftspolitisch hochrelevante Themenfelder auf einzelne Chaoten reduziert werden ist sicherlich ein charmanter Nebeneffekt. The wrong revolution will be televised?

Das erlebnisorientierte Randalemilieu & die bildgierige Yellow Press bilden seit Jahren ein unschönes Paar, welches sich stets hervorragend gegenseitig verstärkt & benötigt.

Und insbesondere die Anwohner der Berliner Krawallalleen wissen, diese termintreuen Volksaufführungen des Herbeiredens der Gewalttätigkeit & des Untergangs & der Wunsch nach telegener Rabaukensause schmecken einfach nur säuerlich. Ach die paar Tränchen, nein es sind nicht die Zwiebeln, es ist bloss das Tränengas.

Abwarten was heute passieren wird, man findet eskalationsstrategische Plakate an jeder Wand & eklige menschenverachtende Videomontagen im Netz & dann gibt es ja noch den klassische Termindruck – is ja der erste Mai! – ein noch nicht entglastes Zeitfenster der Revolution. Ermüdend.

Und dann noch diese unerfreuliche Anwesenheit einer großen Neofaschistendemo in Köpenick … und auch da wartet die Bilderlieferantenarmada auf die erwartbaren Motive … denn die Zielgruppe möchte unterhalten werden, angefüttert werden mit den Dingen die wichtig sind.

Und jeder gewaltfreie Protest wird durch ein einziges unscharfes Bild von einem Stänkerer entwertet, und Fritz, was glaubst du, wem nutzt das alles?

Dem müssen wir ein Ende machen, beschloss der Rat der Weisen,
Und wie üblich in Katzenkreisen lies man die Würfel entscheiden.
Und wie das Leben spielt, Fritz warf die Eins und verlor.
Kein Zurück! Aufgehetzte Katzer schoben ihn vor.
[...]
Gib acht, das du Sein und Schein nicht vertauschst,
Sieht auch alle hier wie Zufall aus.
Fritz paß auf, es kommt so anders als du glaubst.




Den gesamte Text dieser formidablen kleinen (inzwischen elfjährigen) Fabel findet ihr hier.

Während wir also abwarten müssen, in welchem Maße heute diese Stadt durch Krawalle erschüttert wird, wiederhole ich meinen gestrigen Wunsch für all euch Katzen erneut: Kommt heile auch durch diese Nacht.

Kommentare:

Doppelkopf hat gesagt…

Hi there. That looks like an abstract art to me. Very interesting. More power to you and to your site! Thank you so much for sharing this with us.

Der digitale Flaneur hat gesagt…

Thx!