Montag, 18. Mai 2009

dctp.tv ... Kluge trifft Schramm

Die konzeptuelle Ausrichtung von Alexander Kluges dctp-Formaten
(News & Stories / 10 vor 11) standen schon immer herrlisch schräg dem journalistischen Mainstream in Deutschland entgegen, stets auf hohem intellektuellen Niveau, immer bereit den Salzsteuer über aktuelle Wunden zu bugsieren & vorallem immer unabhängig.

So ist es nur folgerichtig & konsequent, dass sich dieser letzte Fuchs des deutschen Kulturfernsehens, nach der Pleite von XXP und der Konfrontation mit einer ihn zunehmend in die von Einschaltquotenödnis gesegneten hinteren Sendeplätze verweisenden Programmplanung, neue Betätigungsfelder sucht.

Glücklicherweise nutzt er nun mit seinen Formaten die neuen Medientechnologien großflächig aus. So wurde nun ein neues digitales Medium aus der Taufe gehoben, welches ihm eine Heimstatt (und ein Zweitverwertungspodium) bietet - dctp.tv.

Bei diesen Konzept werden dem Zuschauer bereits im Fernsehen ausgestrahlte Sendungen (die nicht auf eine Wiederholung hoffen dürfen) als beliebig oft anschaubare Livestreams verschiedene elaborierte, differenzierte und großzügig dargestellte Themenfelder angeboten, deren breite essayistische & kabarettistische Umkreisung in den herkömmlichen Sendeformaten erschreckenderweise keinerlei Rolle mehr spielen. Ein Archiv der massenuntauglichen Biotope, wenn man so will.

Und wenn nun eine "Kulturguerilla" wie die Ein-Mann-Diskursarmee Alexander Kluge sich mit einem weiteren Querkopf der Königsklasse zusammentut, kann eigentlich nur große Kunst entstehen.

Georg Schramm ist möglicherweise der meistunterschätzte Kabarettist dieses Landes, seine unglaublich bösartigen, hinterhältigen, doppelbödigen Attacken gegen Gott, Öffentlichkeit und vaterländischen Duktus sind dabei zu seinem Markenzeichen geworden.

So schlüpft er bei seinen Parforceritten gegen die allgemeinen Sprachverbote in die Rollen verschiedener funktionsgebundener Charaktere und schafft durch diese Personalisierung eine Aura der Authentizität, die eine unglaubliche Dynamisierung zur Folge hat.

Und eine solch besondere Figur ist der Presseoffizier und Kommunikationsbeauftragter Oberstleutnant Sanftleben, der an Schramms eigene Sozialisierungshintergründe & Heereserfahrung angelegt ist ... und natürlich versteht sich ein erfahrener Insider darauf den militärischen Sprachgebrauch kunstvoll zu dekonstruieren. 45 Minuten Pointensperrfeuer. Exzellent.

Trommelwirbel ... Kluge trifft Schramm. "Das Weichziel ist der Mensch".



Teil 2 / Teil 3 / Teil 4 /Teil 5

Keine Kommentare: