Donnerstag, 2. April 2009

Vergesst ET, Alien & auch allen anderen interstellaren Plunder, der wahre Herrscher aller Milchstrasse heisst Zim! Invader Zim!


Im Jahr 2001 ließ Nickelodeon einen der wahnsinnigsten Cartoons unserer Tage auf die vor Überraschung manisch geweiteten Pupillen der fernsehkonsumierenden Menschheit los.

Der kleine quirrlige Sternenimperalist Zim wurde auf die Mattscheibe geschleudert. Sein cholerisches und selbstüberschätzendes Naturell hat oftmals große Ähnlichkeiten mit den Auftritten eines kleinwüchsigen italienischen Politikers und auch ein Seine-Parlamentarier in hoher staatstragender Position könnte Pate gestanden haben.

Aber Zim ist kein Erdling, sondern ein Irkensöldner, normalerweise hochgewachsene, markerschütternde Interstellarkrieger, Zim hinweg ist etwas ja ... kleinwüchsig.
Diesen Mangel ersucht er stets mit großer Geste und viel Geschrei wettzumachen & natürlich müssen diese Übersprunghandlungen und Kompensationsstrategien jedes Mal an einer Studiowand ihr schepperndes Ende finden.

Es ist eine wahre Wohltat, diese respektlose Darstellung des ständigen Scheiterns eines ehrgeizigen Invasionsplans, hier ist der Imperialist immer Opfer seiner eigenen Ambitionen, kein anderer muss leiden.

Zim's Herkunft aber verdient eine unparteiische Darstellung. Denn jeder große und mittelgroße Superheld darf inzwischen Auskunft über seine eigenen Wurzeln geben, wenn man dies all dieses mediokren Capeträgern zusteht, sollte man auch den absoluten Antiheld gehörig feiern.

Das Drama um den imperialen Zwerg beginnt mit seiner Benachteilung bei der Vergabe der aktuellen Invasionsaufträge durch die "Allmächtigen Allergrößten", so werden im Irkenreich die beiden Heersführer genannt, die als Duo des Schreckens die unerschrockenen und stolzen Irkensoldaten auf unbedarfte Sternesysteme loslassen.

Zim erhält zum Invasionsdinner (beabsichtigt) keine Einladung, nachdem er im vorausgegangen Jahr im neurotischen Blutrausch mit freudestrahlendem Phaserfeuer aus mächtigen Killerrobotern den eigenen Heimatplanet gänzlich verwüstete und mit ihm die gesamte Irkeninvasionsflotte.

Aber eine etwas angeschlagene und teilweise zerstörte Heimstatt sollte doch kein Thema sein für eine Nichtberücksichtigung bei der diesjährigen Unterwerfungstombola, denkt sich Zim & kehrt ein, als bereits alle Aufträge vergeben sind.

Den beiden Allmächtigen Allergrößten wird aber durch Zim so massiv zugesetzt, sodass sie die Flucht nach vorne ergreifen.
Sie heften einen Pappnubbel an den äußersten Rand ihrer Sternekarte und beauftragen Zim damit den Planeten X zu unterwerfen.
In der Hoffnung nun nimmer mehr mit ihm konfrontiert zu sein atmen die beiden Herrscher durch, doch es soll nicht so bleiben.

Zim - ganz der kosmische Imperialist schießt los ins All in direktem Weg auf den Planeten X. Wider Erwarten wird er auch fündig, der besagte Fake-Planet ist vorhanden und hört auf den klangvollen Namen Erde.
Zim plumpst in eine Reihenhaussiedlung, gräbt sich mit all seiner technischen Ausrüstung ein & beginnt ein Leben unter uns ahnungslosen Erdlingen, getarnt als Schulkind. Und los geht der Spass!

Aber eine kurze Bemerkung zu seinem Assistent:

Sein ihm zur Seite gestellter Invasionshelfer stellt sich dabei als ein liebeswerter Sancho Panza aus Blech heraus. Gir - so sein werter Name - ist ein aus verschiedenen Rest - und Schrottteilen zusammengeschlampter SIR heraus - ein Standardinformationssammelroboter.
Leider sind bei dieser kleinen Plage mehr als nur eine relevante Platine durchgekokelt, was an seinem merkwürdigen Verhalten oftmals augenscheinlich wird. Dieser kleine Racker muss natürlich auch verkleidet werden und findet seine Form in einem gerne zungenzeigenden grünen Hund, dessen Schnittmuster immer sichtbar bleibt.


Gir gebiert sich in den oftmals so überdreht, dass man sich sehnlichst eine Klinikpackung Robotalin herbeiwünscht um den kleinen Grünling vor dem Nerventod zu schützen - aber wenn man ehrlich ist, dann erkennt man fraglos an, dass der vollkommen psychotische Gir der heimliche Held dieser vollkommen durchgeballerten Farbschlacht ist.

Und natürlich hat Zim auch einen Konkurrenten, ein Erdenkind mit übermäßig großem Kopf namens Dib, der sich am allerliebsten an Verschwörungstheorien berauscht und der stets und mit viel Inbrunst Zims interstellare Herkunft aufzudecken versucht.
Hier kommt dann eine andere unterhaltsame Ebene der Serie zum tragen, es wird munterst zitiert, ironisiert und persifliert, die sakrosankte Akte X wird im Kakao ertränkt, sämtliche absurden Mysterytrends verwurstet und jede Menge amerikanische Popkultur aufs übelste zugerichtet.

Eine wahre Pracht, aber auch die Nebenrollen sind sehr gut besetzt, meine absolute Favoritin hierbei ist unangefochten Zims & Dibs Lehrerin, eine vorgebeugte, ältliche Dame mit militärischem Duktus und kreidekreischender Stimme, die ihren Abschluss in schwarzer Pädagogik offen zur Schau trägt.

Die einzelnen Folgen zu erklären wäre müßig, denn die Serie ist so unglaublich schnell, lebt von ihrem absurden Wortwitz, insbesondere von Zims abartig hetzerischen Tiraden und (All-)Machtphantasien gegenüber der Menschenwelt und von den aberwitzig überdrehenden Einsätzen Girs.

Ausserirdische Tyrannen lehnen sich in ihrem Duktus übrigens arg an ihre irdischen Vorgänger an, Zim mit Schnurrbart und Gir als Schäferhund wäre durchaus denkbar.
In gut deutsch auch noch viel besser, weil die deutsche Synchronisation von unserem geliebten grünen Hunderoboter wirklich tadellos ist und den Kleinen noch wahnsinniger erscheinen lässt - Sabine Manke, die Gir ihre Stimme lieh hatte sicherlich einen Heidenspaß.

Aber um wenigstens eine Folge kurz anzuschneiden hier mein absolutes Highlight Sülzus Maximus in der Zim Dibs DNA mit Sülzwurst kreuzt, was zu ganz erstaunlichen Ergebnissen führt.

Ich wünsche euch viel Vergnügen & sag einfach mal Cheerz!

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