Dienstag, 14. April 2009

Sadistik: The Balancing Act. - Ein dunkles Meisterwerk!



Nachdem ich gestern durch eine Mail wieder auf eines meiner absoluten 2008er Alben aufmerksam gemacht wurde, habe ich es mir heute wieder (und wieder) angehört und es traf mich mit der gleichen Wucht wie zuvor.
Eine Brechstange aus Bass und Flow. Trotz sommerlichem Ambiente.

Es liegen einige Monate zwischen den Tagen als ich dieses selbstquälerische, düstere und unglaublich mutige Album andauernd auf meinen Ohren hatte. Ein Winter, der nicht enden wollte, der nach einer großen Enttäuschung mehr als nur dunkel war.
Sadistik war ein perfekter Begleiter für diese Zeit.

Die englische Sprache kennt ein wundervolles Wort, für welches ich noch kein deutsches Äquivalent entdeckt habe, wenn von tiefer Emotionalität und Zerrissenheit gesprochen wird – moody.

Moody meint bei Sadistik folgendes:

Sein impulsiver, verzweifelter, treibender Flow, der auf komplexen und beklemmenden Beats (welche durch ihre klassischen Anleihen nur gewinnen) voranschreitet und der dir verdammt harte Themen in einer seltsam dunklen poetischen Bildsprache in die Gehörgänge ätzt.

Die Illustrationen dieser inneren Konflikte vergisst man so schnell nicht mehr, ein Künstler, bereit zur tiefsten Seelenschau, der die offene Konfrontation mit seinen Hörern sucht.
Sadistik ließ mich beim ersten Mal einfach nur atemlos, schockiert und fasziniert zurück.

Seine Texte überzeugen nicht nur durch ihre inhaltliche Tiefe, sondern auch durch den extrem eigenständigen Vortrag, welcher sich perfekt mit den ambitionierten poetischen Bildern ergänzt, die Sadistik in einem hochkomplexen Silbenregen auf dich niedergehen lässt.

Wenn man sich das Artwork anschaut, denkt man ohnehin eher an eine melancholische Band aus dem Metalsektor oder ne weitere Postrocksause, aber bestimmt nicht an komplexen Rap.

Sei’s drum. Umso besser.

Tarnung ist das Zauberwort, dieses trojanische Pferdchen verzaubert durch das offene visuelle Bekenntnis zur Melancholie umso mehr.
Denn wenn sich in Sadistiks Schilderungen aussichtslose Situationen und niedergeschmetterte Hoffnungen mit zuversichtlichen Perspektiven und ermutigenden Beschreibungen überkreuzen, wird sichtbar, dass hier niemand in sein eigenes Elend eintauchen mag um dort zu scheitern.

Vielmehr nutzt dieser Ausnahme-MC die Tiefe seiner Musik, um sich selbst mit der unumstösslichen Erfahrung des Verlusts auseinanderzusetzen. Das komplette Album ist seinem verstorbenen Vater gewidmet, die gehaltvollen und im besten Sinne gewalttätigen Inhalte der Platte sind erschreckend aufrichtig und unverblümt direkt.

Hier ist die Bitternis, welche bei der Entstehung der Songs geherrscht hat (haben muss) noch vollkommen unverdünnt spürbar, dieser erst 22jährige Poet des Schmerzes erlaubt sich keine Schonung gegenüber sich selbst oder gar den Hörer.

Wie bereits gestern gesagt – großer Frevel, jetzt zitiere ich mich schon selbst (!), aber ich finde die Aussage in ihrer Klarheit noch immer schlagend – das gesamte Album trifft mit seiner verdammt zwingenden Überkreuzung von übelstem Abgefucktsein und großer ehrlicher Hoffnung einen ganz speziellen Nerv bei mir.

Oder, um mit Sadistik zu sprechen: Under the speech, this song's about hope, joy, love and defeat.

Aber statt nur über ihn zu sprechen möchte ich euch einen kompletten Text präsentieren.

Lest ihn, genießt den unvergleichlichen Sog dieses Songs und fragt euch einmal mehr, was ihr bei eurer eigene Suche zu finden hofft. Manchmal ist dieses Ziel nämlich etwas vollkommen anderes als das Erwartete.

Eine wichtige Lektion, die mich gerade dieses Lied gelernt hat, ist dass an jedem Tag die Sonne wieder aufgeht, egal wie dunkel die eigene Welt gerade auch sein mag. Manchmal muss man es eben zulassen können. Keine leichte Übung, fraglos.





Sadistik - Searching for Some Beautiful

My head aches, and feels the blunt vice grips
hanging over my tequila sunrises
Confide and write this to de-scribe a love life
that's feeling love lifeless
I'm the type that'll cherish frozen winters
stare at snowy blizzards and take it to heart
Then break it apart, I carry hopes and blisters
Cutting heart strings with a pair of broken scissors
I'm still trapped in a middle school slow dance
Stepping on toes in a mistletoe romance
Misanthrope, discomposed who holds hands
with grief...

Kissing hope with no chance, but me
I'm just searching for some beautiful
a dream that I can catch And a person who's unusual
When I find her, I'll try to face the tide
Fight the hurricane, and tidal wave, goodbye…

And I watch all the spectrums of angels
Choking to death on the septums and halos
Bread crumbs and fables, why change?
I hang at the ends of the pay phone
With no change or number to reach
What blankets the sky I slumber beneath
Under the speech, this song's about hope, joy, love and defeat
All it takes is a peaceful autumn day
For you to be happy and me to call it fate
Even after a fucked up childhood, I'm still tryin'
To believe in God and grace

I try to get a piece of peace and sit and listen infinitely
Holdin onto benefits, and isnt it so innocent? We
Try to find another time and underline the cynical
Its pitiful we run and hide and undermind the innermost
When intervals of miserable will find a figure four
And force the phyiscal and inner soul to find a bitter form
And form another time and place where you can go and be so suitable
When all I wanna do is go and search for something beautiful, in me

I died once, and I knew that it was suitable
I died twice, and I sang it like a musical
I died again when I thought that the noose would hold
Everything I love in the search for some beautiful

Kommentare:

Duckwing Dark hat gesagt…

schönes gänsehaut-review, zu nem sehr starken gänsehaut-album

Der digitale Flaneur hat gesagt…

hehe. großartiger Nick. Und vielen Dank für die Blumen!

milistanz hat gesagt…

super review!
props ;-)

checkt alle das album, einfach nur hammer!