Mittwoch, 29. April 2009

Guns of Brixton - Der französische Hardcore-Dubhammer.



Dies wird einmal mehr ein anekdotoskopischer Beitrag, weil ich zu der besprochenen Band wieder mal ne nette kleene Geschichte preisgeben kann & auch weil ich dieses Stilprinzip inzwischen tatsächlich sehr lieb gewonnen habe.

Anekdotoskopisches Licht flutet den Raum, Räuspern des Erzählers:

Es trug sich zu, dass ich irgendwann im April 2008 zwei Karten für ein Konzert in der Kulturbrauerei gewonnen hatte, zu Zenzile & eben Guns of Brixton, welche als Vorband agierten.

Zenzile war mir als eine der dienstältesten französischen Dubrockkapellen mit großartiger Livekompetenz schon ein Begriff, die Vorband (wie so oft) nicht.

Ne Band, welche sich nach einer meiner Lieblingshymnen benannt hatte, konnte aber eigentlich auch nicht wirklich enttäuschen, also zusammen mit einem Kumpel, der mit der Musik eigentlich überhaupt nichts anfangen kann, hin zum Konzert, ein hübsches Sozialexperiment mit Herrn D.I. & mir.

Zum einen überraschte mich, dass beides Bands nicht im großen Saal zu musizieren begannen, sondern in der klitzekleinen Kaschemme darüber, aber ok, einem geschenkten Gaul starrt man eben nicht auf seine kariösen Beisserchen.

Reingekommen, Bierchen erstanden, Bühnenaufbau beguckt, Bass, Bass, Gitarre, Schlagwerk & Synthiesizer … mhm schaut schon mal gut aus.

Als dann aber die Gunmen die Bühne betraten musste ich zuerst einmal meine verwunderten Äuglein reiben, Hot Water Music-, Neurosis- & Refused-T-Shirts, ähhm Dub?

Den ohnehin dubfernen Begleiter beguckt & schon im Geiste die Patscher überm Kopf zusammengeschlagen, in großer Angst vor der Klage, wie ich ihm so etwas überhaupt zumuten konnte … aber es sollte anders kommen, ganz anders ;).

Aber genug der Abschweifung, zurück zum Hauptthema:

Der Grund für die etwas genrefremden Bandtrikots war dann auch sehr schnell klar, diese fröhlich daherpolternde & umherdoomende Bassmonstrosität fegte einfach mal alles Umstehende weg!!

Vom herkömmlichen, eher sonnigen Duberbe waren nur noch die tiefen Basswellen erhalten, alles andere wurde in einer Frischzellenkur mit zitatbestäubten Bezügen aus den Referenzrahmen Mogwai, Refused, Neurosis & Breach reformuliert und brillant verlangsamt.

Brettharter Dub im unteren Geschwindigkeitsbereich wuchs langsam zu Wellen empor und schoss sampleverstärkt ins überrascht staunende Publikum.

Die seit 2003 herumschleichende Basskappelle hatte bereits zwei Alben (in.dub.out & near dub experience) veröffentlicht und schöpfte aus diesem Fundus, es gab Basswellen vom Allerfeinsten, orgiastische, extrem geschwindigkeitsverzögerte Schlagzeugzaubereien & dezente (meist eher politische als dekorative) Vocalsamples im sehr körperlichen Modus. Bamm! Doomdub, irgendwer?

Was mich sehr erfreute war, dass dieses hypnotische Toben das Publikum ungemein fest im Griff hatte, eine wogende Masse aus langsam zuckenden Leiber stand, einer Untotenarmee nicht unähnlich, langsam schwankend & sehr stark grinsend vor der Bühne. Sehr zur Freude der Band, die dann auch geschwind noch ein Schippchen verzögerten Bass auf ihr Haupt goss.

Mein musikalisch ortsfremder Begleiter tauchte auch nur ganze zwei Mal aus dieser amorphen Leiberfülle aus, beides Mal um Gerstensaft zu erstehen, mich grinsend einzuladen, um dann wieder ins Meer der zappelnden Jünger unterzutauchen. Fein!

Damit ihr euch mal ein Bild von dieser brettharten Entdeckung der Langsamkeit machen könnt, hier ein famoses Hörbeispiel von den Guns of Brixton.

Adepten hütet euch, ihr minutenlanger schleppender, fesselnder Lärm, dieser brachiale Zauber wird euch binden, auf ewig!



Ach ja, Zenzile waren auch ganz nett, aber ihre Butter war vom Stangenbrot bereits lange verschwunden ;).

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