Freitag, 17. April 2009

Ez3kiel in der Maria ... was da wohl die theologische Fachwelt drüber denken mag :)



[Erstmal – ich bin ein völliger theologischer Laie, wenn ich mit dieser nun folgenden, launigen Sause etwaige religiöse Gefühle verletzen sollte, verflucht mich, vermaledeit mich meinetwegen, kauft Reisig, was euch eben so einfällt, aber mal ehrlich, etwas ironische Akzeptanz gegenüber den Heiligen würde ich viel eher begrüßen … habt Dank.]

Heute Abend war es nun soweit, nachdem mit die frohe Kunde zuteil wurde, dass die Propheten von Ez3kiel in die Berliner Maria einkehren würden, machte ich mir zunächst keinerlei weiterführenden Gedanken über das womöglich entstehende theologische Dilemma und suchte den Ort der Niederkunft auf.

Ein alttestamentarischer Prophet und Seher trifft im Plural auf die Berliner Jungfer … mhmmm. Nee, ich sag da mal nix weiter zu.

Diese vier Weisen reisten im Namen des im französischen Sprachraum weit verbreiteten, anerkannten und sehr beliebten Abgottes Dub umher und machten nun auch Station bei den konversionsfreudigen Berlinern.
Und die Zeremonienmeister dieser fremden Gottheit sollte eine Götzenschau der ganz besonderen Art vollführen, an diesem lauen frühsommerlichen Abend, im Stalle der Jungfer.

Der musikalische Kosmos der weihevollen Combo wurde hier bereits einmal weitläufig umrissen, nun sollte die praktizierte Weihe auf die stillen Meditationen vor meinem geweihten Abspielgerät folgen.

Als die Künder dieser neuen Religion ihr Spiel begannen, war ich zunächst sehr schockiert (zugegeben nicht wirklich lange), denn auf der mir liebgewordenen Tontafel herrschte der getragene, leise und melancholische Klang vor, heute Abend aber, dominierte fraglos das teuflisch groovende BRETT!



Was dieses Quartett vom Altar stürzte ist mit Groovepostcore wohl am anschaulichsten gemacht, ausgesucht gute Melodien zu atemberaubenden Videoprojektionen, es war ein akustisch-visuelles Großergebnis.

Einige der wundervollen Projektionen habe ich euch zwischen die Texte montiert, damit ihr einen Eindruck von dem bekommt, was mir widerfuhr.

Marias Stall war gut gefüllt, eine nicht kleine Schar Adepten des französischen Abgottes gossen Gerstensäfte und andere Getränke in ihre vom langen Weg zur Wallfahrt dürstenden Kehlen, ein erstklassiges DJ-Team, bestehend aus mir unbekannten Heiligen erleuchtete die improvisierte Kapelle mit holder, tighter Dubmusique & verkürzte so das sehnsüchtige Warten auf die Weisen aus dem Nachbarland.



Als diese den Altarraum erklettert haben begannen sie auch gleich wortlos ihre Messe. Ein eindrückliches Groovegewitter brach über den Köpfen der Messteilnehmer herein. Staunende Menschen, augenreibende Menschen, scheinbar war ich nicht der Einzige, der in letzter Zeit eher die vorangegangene Tontafel belauscht hatte.

Aber der böse Zauber der Prediger sprang dann doch sehr schnell über und die heidnischen Massen gaben sich dem groovenden Veitstanz hin, es ist auch schwierig einer Band nicht frenetisch zuzujaulen, wenn der Bassist mit einem Geigenbogen, dem eigentlich bekannten Instrument völlig neuartige Melodien entlockt.

Unterbrochen wurde das andächtige Tanzen nur von den ungläubigen Blicken auf die Irrgeister, welche sich an der Wand manifestierten.



Ich muss sagen, ich habe mich dieser (wunderschönen) neuen Gottheit so gleich freudejauchzend in die basslastigen Arme geworfen und sie hat mich zum Dank erhoben & erleuchtet.



Das Set dauerte gute 90 Minuten und war an keiner Stelle nicht fesselnd. Völlig weggetreten bin ich dann, als die beiden Drummer auf ihren elektronischen Effektgeräten anfingen die Visuals in ihrem Hintergrund zu steuern.
Ich hoffte, dieses irrsinnige Tempo und die brachiale Kraft wird auf einem Video deutlich, aber ehrlicherweise muss ich sagen, diese Soundqualität ist so unterirdisch, dass ich es euch nicht antun kann.

Nur soviel, im Bühnenhintergrund war ein Uhrwerk abgebildet, dessen acht Schlegel verschieden Glocken schlugen, jeweils vier pro Seite (für jeden Drummer) und die beiden götterhämmerten darauf los wie nix gutes und dieser ohnehin schon unglaubliche Sound bekam eine zusätzliche visuelle Komponente, die mich den Wunderglauben lehrte. Heftige Augennascherei!

Und zu guter letzt war die Zugabe nochmals einer dieser entrückten Momente dieser Abend. Versus – ein Stück aus dem 2006er Album Barbary – wurde gegeben. Ohnehin ein sehr harter Brocken, dessen Finesse darin besteht eine Konfliktsituation nur durch die Nennung von Worten zu konstituieren, ehrgeizig allemal, aber …

live gewann dieses Stück - welches mich bisher zwar ansprach aber nicht unbedingt begeisterte - eine brachiale, erschreckende körperliche Intensität. Gänsehaut!



Kurz gesagt: Es gab großartige Augenschokolade, serviert zu einem zwingenden Grooveset von einer Band, die während des gesamten Konzertes kein einziges Wort sagte & sich man Ende, Theatermenschen gleich, auf die Bühne stellte & dem Publikum applaudiert.
Charmante Geschichte so was, sieht man doch gerne.

Ich konnte noch mit dem Bassisten, der auch für die grandiosen Visualisierungen zuständig ist ne Runde am Merchandise-Stand plaudern und muss sagen, absolut allürenfreier, sehr angenehmer Mensch, der mir dann sogar das verdammt schöne Plakat, welches gegen eine segenreiche Spende (ein Fünfer) als Devotalie an die Neugläubigen abgetreten wurde, einfach mal geschenkt hat.

Wen darf ich missionieren?

Übrigens ganz großes Kino ist auch die Website dieser heiligen Schar, selten so was clever-vertracktes gesehn, Tip!

Keine Kommentare: