Sonntag, 26. April 2009

Eine sonnige Vorabempfehlung ... Savath Y Savalas - La Llama



Sonntag, die Sonne scheint, bei milden 20 Grad ins Zimmer, auf meinem Schreibtisch steht ein dampfender Pott Café und in der Anlage dreht das neue Machwerk von Scott Herren seine zweite Runde, ich muss sagen es fehlt gerade eher wenig.

Ab dem 15ten Mai wird in Deutschland das neue Savath Y Savalas-Album "La Llama" über Grooveattack vertrieben werden, dem gnädigen Promogott sei Dank, habe ich schon jetzt die Möglichkeit mich in dieses elegante Stück Musik einzuhören.

Einige werden Scott Herren noch unter seinem anderen Alias kennen, er hat als Prefuse73 einige stilbildende, auf irrwitzig kleinteiliger Microsample-Fleissarbeit & jazzinfizierten Brokenbeatsorgien basierende Platten unters staunende Volk geworfen.

Inzwischen lotet der Multiinstrumentalist (auch) seine katalanischen Wurzeln väterlicherseits durch eine zwingende & äußerst charmante Überkreuzung von raffiniert-reduzierten elektronischen Klängen & sanften akustischer Sounds aus und erschafft somit, fast beiläufig, große Kunst zum Aufstehen.

Auch wenn seine bisherigen Ausflüge auf die folktronischen Blumenwiesen ähnliche Elemente aufwiesen, überrascht mich diese Platte nicht unerheblich und macht mich verflucht neugierig.

Die Verquickung der Folk- und Elektronica-Anteile erreicht hier eine solch organische Qualität, dass man sich immer wieder vor Augen führen muss, dass es hier nicht um eine Band handelt, sondern "bloss" um einen genialen Beatschrauber plus grandiose Chanteuse & einen unterstützenden Musiker an verschiedenen Rhythmusinstrumenten.

Auf der Platte blitzt in jedem einzelnen opulent ausproduzierten Song, in denen die sich überlappenden Melodien nur so wuchern, ein sehr angenehmes, unzeitgemäßes Konzept auf, kein einziges Mal schielt man auf aktuelle Trends oder markttaugliche bzw. -konforme Beatstrukturen, vielmehr feiert man hier eine sehr erfrischende, elektronisch aufgewertete Rückkehr zu den psychedelischen Wurzeln der südamerikanischen krautrockinfizierten 70er Jahren.

Eva Puyulo Muns veredelt mit ihrer unglaublichen Stimme gewohnt souverän die brüchigen Flächen, die der Beatmagier Scott Herren gemeinsam mit Roberto Carlos Lange an Bass, Gitarre & Fender Rhodes entwickelt und entfaltet. Klangbeispiel gefällig?
Voila, hier der zweite Song des Albums La Llama.



Eine weitere Neuigkeit im herren’schen Kosmos ist der Veröffentlichungsort.
Die Labelheimat ist diesmal nicht mehr das angestammte britische Label Warp, sondern das Querkopfkollektiv von Stones Throw Records, deren Mitglieder ja auch gerne mal im obskuren Randgeflecht der Musikgeschichte wildern.
Ich finde die Entscheidung sehr klug, möglicherweise ermöglicht sie Savath Y Savalas noch mehr Freiheiten im Soundentwurf, als sie es beim ohnehin schon sehr freigeistig agierenden Ex-Label genossen haben.

Die verträumten, leichten und dennoch immer noch sperrigen Flächen dieses Album entwickeln eine sehr charmante Spannung, welche den Entwurf von den belanglosen, gefälligen Schrumpfformen der Loungemassenware mit Bossanovaanklängen ebenso absetzt, wie von den unhörbaren Zwangsformen missverstandener, mainstreamentwöhnter Krautrockelektronikern.
Hier findet man eine liebenswerte & wohltuende musikalische Eigenständigkeit, die sich nicht im misslungenen Experiment verliert, sondern immer zwingend bleibt (auch nach dem dritten Café).

Und im Fazit: Ja, dies ist eine Kaufempfehlung des digitalen Flaneurs, sehr richtig!

Nachtrag: Schönes Interview mit Scott Herren.

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