Dienstag, 7. April 2009

Die Sache mit dem Propheten - neu aufgelegt.


Endlich ergreift mal der deutsche Qualitätsjournalismus wieder das Wort. In der aktuellen Ausgabe der Geo ist sehr informativer Hauptartikel zu Mohammed zu finden.

Auf 28 Seiten wird dort eine präzise historische Verortung der Person des Propheten, seiner Wirkungszeit, der Überlieferungsprozesse, der politischen Inanspruchnahme und der kulturellen Entwicklungsgänge dieser Religion vorgenommen.

Eine erfrischend bodenständige und polemikfreie Herangehensweise, nach den Erlebnissen rund um den sogenannten Karikaturenstreit der letzten Jahre.

Anders als in dieser Kontroverse, als verschiedenste politische Interessen in einer oftmals gefährlich wenig differenzierten Darstellung (einer der größten Religionsgemeinschaft dieses Planeten) einen Nebenschauplatz im globalen Kulturkampf eröffneten, dominiert hier die wissenschaftliche Akkuratesse und die journalistische Weitsicht.

Wenn man sich daran erinnert, welches Ausmaß an innenpolitischen Strategien diese letzte große Konfrontation begleitete, ist dieses kleine feine Porträt eine absolute Wohltat, lehrreich obendrein, Geoqualität eben.

Damals, als islamophobe dänische Kreise sich in der ersten Reihe der Spötter positionieren und sich auf die Unverletzlichkeit der Pressefreiheit beriefen (während sie nur allzu bereitwillig andere missliebige Äußerungen zensierten).

Und der geheimdienstlich durchherrschter Sicherheitsapparat des syrischen Polizeistaats, welcher in dem gesteuerten Hass gegen die "Ungläubigen" ein opportunes innenpolitisches Ventil entdeckte, mit welchem man von den eigenen innenpolitischen Spannungen ablenken konnte, dachte ich bereits der offene Dialog zwischen den Kulturen sei erneut ins Stocken geraten.

Die "spontanen" Demonstrationen in den syrischen Elendsvierteln, Orte an denen es an allem mangelt (außer eben an dänischen Fahnen ... *räusper*) waren für mich ein weiterer Beweis für die kaltblütige Bereitschaft der Staatsführung jede annähernde Kommunikation zwischen den verschiedenen kulturellen Ausfassungen zu sabotieren.

Machtinteresse hier, kulturell verbrämter, schlecht verkleideter Rassismus da. Widerlich.

Aber nun jetzt hat der geneigte Leser ja die Möglichkeit sich anhand einer fundierten, kritischen und spannenden Auseinandersetzung mit dieser (inzwischen hochideologisierten) historischen Person des Propheten zu beschäftigen, in dessen Namen leider viele Schandtaten verübt werden, von Kreisen, deren schismatischen Sinngebungen tatsächlich aber sehr weit abseits der kanonischen theologischen Deutungen stehen.

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