Dienstag, 14. April 2009

Black Sheep oder: Renn besser kleiner Mensch, wenn das Blöken lauter wird.




Ja, ich oute mich hiermit als Splatterkonsument, ergo auch als potentieller Amokläufer, will man dem alarmistischen Diskurs in Deutschlands Talkshows folgen. Die (möglichen) politischen Implikationen dieser Filmgattung übersieht man beim nichtssagenden gutbezahlten Plaudern mit Leitungswasser ja leider nur zu gerne. Aber lassen wir diese Diskussion mal beiseite und kümmern uns um das wesentliche.

Um Schafe.

Ja richtig gehört, um diese lustig blökenden, meist etwas einfach dreinschauenden Säugetiere der Gattung Caprinae, die zwar bis zu 200 Kilo schwer werden können, problematisch ist nur, dass sich diese drolligen, paarhufige Wiederkäuer normalerweise nicht wirklich zum Gruseln eignen, zumindest nicht in ihrem normalen Zustand.

Auch zu dieser charmanten Funny-Splatterabfahrt gibt es eine kleene Anekdote, mein Anekdotoskop (siehe hierzu Aspci-Post *G* ) blinkt mal wieder wild herum.

Warum?

Na, dieser gering budgetierte Film ist ein Quasinebenprodukt einer ganz großen Produktion und wurde in deren Windschatten abgedreht.

Der Regisseur hatte die Elite-Effektschmiede WETA Workshop geladen um seine Produktion zu veredeln.
WETA Workshop war für die Gestaltung der atemberaubenden Masken und Spezialeffekt von Peter Jacksons Herr der Ringe gewonnen worden und während der Fertigstellung dieses Machwerks – sprich in den Drehpausen fanden sie die Zeit diesen blökenden Irrsinn abzumischen und schufen somit mal ganz beiläufig eine kleene Perle des gehobenen Splatteramüsement.

Um diesen Film soll es nun heute mal geben.
Wie das Filmplakat schon im besten Claim der letzten Jahre preisgibt, es gibt in Neuseeland etwa 40.000.000 Millionen Schafe, im Gegensatz dazu aber nur etwa 4.270.000 Nichtschafe äääh Neuseeländer.

Also gemäß den Gesetzmäßigkeiten der einfachsten Arithmetik, zehn Schafe pro Mensch. So weit so gut.

Nun beginnt einer dieser Minderheitler mit der ungeheuerlichen (und herrlich durchgeknallten) Begebenheit, die diesen Film einerseits zu einem klassischen und sehr unterhaltsamen Funny macht, ihm aber auch mehrere Quäntchen Sozial- und biotechnologische Verwertungskritik injiziert.

Angus Oldfield ist der ungekrönte Schafskönig der Insel, welcher aber der natürlichen Veredelung der Hausschafrasse per genetischen Eingriff ein wenig nachhelfen will, um somit das Schaf der Zukunft zu erschaffen. Natürlich wird eine solche technologische Hybris abgestraft, sonst wäre ja der Unterhaltungswert des Filmes gefährdet.

Die Experimente, müssen natürlich genregerecht auch in einem sinistren Geheimlabor auf der riesigen Farm des Schafkönigs stattfinden und auch das dort eingesetzte Personal ist ein entzückender Querschnitt durch die Film-Klischees der Wissenschaftswelt.

Der sonst stets männliche mad scientist wird hierbei durch eine Gruppe devoter Zuträger ersetzt, welche einer maximal unterkühlten Wissenschaftlerin dienlich sind, welche mit ihrem streng zurückgekämmten Haar und ihrer Brille auch als juristisch beleckte Domina Verwendung finden könnte.

Und eben diese kleene Gruppe von Naturnachbesserern panscht hier ganz leidenschaftslos menschliche und schafische Dna zusammen, um mit diesem gotteslästerlichen Gencocktail das Superschaf zu erschaffen.

Und die werte Mutter Natur zeigt auf eine sehr eindrückliche Art, dass sie sich noch immer nicht in ihre Ursuppe spucken lässt, die Experimente scheitern grandios.

Klingt zuerst einmal nach Standardgenreware von ’ner Stange, aber wichtiger als das Ergebnis ist ja der dramaturgische Weg dahin.
Denn Auftritt des Restpersonals, da wären: Henry Oldfield – der schafsphobische und zutiefst traumatisierte Bruder von Angus, die extrem schiesswütige Hauswirtin Mrs. Mac und die beiden Tierrechtsaktivisten (und Veganer) Grant und Experience (Selbstfindungsgruppe irgendwer?).

Grant versucht zusammen mit dieser Dame, der er imponieren will (Experience) Beweise für Oldfields teuflische Machenschaften zu sammeln. Ihnen fallen dabei Behältnisse mit Forschungsabfällen in die Hände. Auf der Flucht vor den Schergen der genetischen Mafia stolpert Grant und fordert seine Begleiterin – ganz heldencharaktergerecht - auf zu fliehen.

Auftritt des Zombiebabyschafkopfs, Grant wird gebissen, mutiert zunehmend, wird immer mehr Schaf und beginnt wieder Fleisch zu verzehren, für einen überzeugten Veganer natürlich ein riesiger psychologischer Konflikt. Währenddessen finden sich die Tierrechtlerin, der Naturbursche Tucker (der Jugendfreund von Henry) und der Schafsphobiker Henry zusammen und fliehen über die große Farm vor der blökenden Zombiearmee.

Der wilde Charme dieses Films liegt eben auch in der gnadenlosen Zuspitzung von Stereotypen, Grant, welcher später als hybrides Schafsmonster fauchend und knurrend Experience den Fluchtweg versperren mag, wird durch die anklagende Frage ob er tatsächlich wieder Fleisch gefressen hat zum schockierten Abschied gezwungen … feiner Humor.

Und während der Flucht des Trios organisieren sich die Schafe und rasen als eine riesige Stampede besteht aus gebleckten Zähnen und kuschelweichen Wollleibern auf eine von Oldfield ausgerichtete öffentliche Vorführung zu. Der Schöpfungsoptimierer will hier Züchtern aus aller Welt sein modifiziertes Wunderwesen präsentieren und somit in den Olymp der weltweiten Schafzüchtergilde aufsteigen.

Dieses Vorhaben wird aber durch einen verdammt unterhaltsamen organ- und leiberzerreißenden Raubzug dieser Zombieschafarmee durchkreuzt.

Einer Gruppe, der es gelingt aus einer harmlosen, domestizierten, vierbeinigen Kreatur eine angsteinflössende, wilde Bestie zu schaffen – ohne dabei in digitale Effektorgien abzudriften – kann man nur applaudieren.

Die Masken des Films haben einen verdammt anachronistischen Charme und stechen durch dieses Merkmal sehr angenehm aus der Masse der glattgeleckten Restproduktionen hervor.
Außerdem besinnt sich dieser Film auch eine alte Splatterweisheit, nämlich die Notwendigkeit des absurden Humors.
Während sich andere Titel nur noch in der stumpfen und hohlen Inszenierung von Gewalt und Tod gefallen, setzt dieser überdrehte Schafsblutrausch auf vergnügte Dialoge und ein witziges Skript, welches nicht von vorne bis hinten voraussehbar ist.

Eure Wahrnehmung von diesen kleinen, schlichten Geschöpfen wird nach diesem Film eine andere sein. Also respektiert die Schöpfung und verfallt nicht weiter in diesen fortschrittsoptimistischen Glauben, dass man die Natur bloß verbessern muss. Ein zorniges Blöken könnte eure hochfliegenden Träume zerstören.

Cheerz!

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