Freitag, 27. März 2009

Ez3kiel - Naphtaline ... oder Globalisierung absurd.



Es sollte bereits bei der flüchtigen Betrachtung des Coverartwork klar sein, dass es sich hier nicht um die klassische Fastfood-Musique mit minimaler Halbwertszeit handelt, wie sie uns gegenwärtig von allen sogenannten Werbe- ähh Musiksender entgegengekotzt wird, aber wir wollen auch die Inhalte sprechen lassen ...

Einen guten Einblick in die außergewöhnliche Klangwelt dieser grandiosen Band aus unserem westlichen Nachbarland sollte dieses verdammt poetische Video zu Le Lac des Signes liefern.



An sich schon ein verdammtes Meisterwerk, voller stiller Poesie, die in dieser lauten, grellen, pawlow'sken Medienwelt sehr selten geworden ist ... aber abseits des zauberhaften Stils dieser visuellen Orchidee finden sich auf der Platte auch clever dramaturgisch eingesetzte Melodiebögen die von zarter, leiser Tönung in eine lärmende, kathartische Wut übergleiten wie Lethal Submission. Niemand wird von diesem Lied unberührt bleiben - so hoffe ich.



Die Elektroniker von Ez3kiel arbeitete bei dieser Veröffentlichung mit den holländischen Geräuschmagierkollektiv von DAAU (Die anarchistische Abendunterhaltung) zusammen, die mit ihren an Yann Tiersen geschulten orchestralen Klangflächen einen kantigen und dennoch schwebenden Soundentwurf verwirklichen, welcher möglicherweise auch von verschiedenen Bristoler Klangkatzen stammen könnte, wären sie nicht selbst in seichtem Popniveau gekentert oder in fragwürdig halbherzigen Soundexperimenten verloren gegangen.

Aber die Odyssee dieser französischen Tonbricoleure endet heil.
Ich bin sicher die Platte hätte auch die Sirenen becirct - wie viele Seefahrer konnten sich während ihres andächtigen Lauschens retten?
Es bleibt ungewiss...

Bisher ist keine weitere Kooperation zwischen den beiden Gruppen angedacht, aber dies sollte auch das geringere Problem darstellen...

Denn - leider ist für den deutschen Konsumenten das Beschaffen dieses Juwels verdammt schwierig, eben Globalisierung absurd ... jede Form von Poprotze der us-amerikanischen Charts geht bei den üblichen Kanälen zeitnah & stetig übern Tisch, aber eine Perle aus unserem Nachbarland muss(te) importiert werden.

Globalisierung absurd, schon erwähnt ;).

Sei's drum, die Mechanismen der Märkte sind ohnehin zu deregulieren da.
Während beim deutschen Ableger der Amazone die Platte 2nd hand für schlappe 81 (!!!) Euro feilgeboten wird ... spuckt die schöne Madame Amazonè France die ernüchternde Information aus, dass dieses Package (CD im wunderschönen, großzügig ausgestatteten Klappcover aus schwerer Pappe mit beigelegter DVD incl. all dieser anmutigen Videos) vergriffen ist.

Ausverkauft!!! ... ein Faktum, das eigentlich erfreulich ist, aber auch von der fehlenden finanziellen Grundlage eines re-releases in Bänden spricht.

Ich frage mich, weshalb muss eine Platte, deren Soundentwurf eigenständig, deren Artwork atemberaubend & deren Videodesigns weit mehr Finesse & Charme verbergen als das klassisch artyfarty überzuckerte Designerclipchen am Markt so scheitern?

Eigentlich ist die Antwort sehr schlicht: zu eigen - Nische - Kunst abseits des state of the „art“...

Traurig, aber wahr ich muss euch an die digitalen Quellen des Netzes verweisen, wenn ihr dieses Album kosten wollt.


Tut es, ihr habt meinen Segen!

Keine Kommentare: