Donnerstag, 26. März 2009

Amewu - Kein Rapper / sondern ein Zeremonienmeister der besonderen Art



Ein Reimmagier, der den fast in Vergessenheit geratenen Ehrentitel schon eher beiläufig in seine gutgefüllte Tasche steckt ist der Berliner Amewu. Wahrscheinlich muss man für ihn ne gänzlich neue Schublade entwerfen, Hochpräzisionsrap oder auch Seelenschaugespitte. Er ist der präziseste Zeilenspucker dieser Zunge - ich habe selten zuvor eine solch unglaublich schnelle und (!!!) präzise Performance gehört.

Früher als Halbgott bekannt, ist er inszwischen noch etwas gottgleicher geworden, dieser Mann mit dem butterweichen, sperrigen Flow. Und mit Starallüren plagt sich dieser junge Hüpfer ooch nicht ab, als ich die CD aus seinem Rucksack erstanden hab, beim lockeren Plaudern im besten Comicladen Kreuzbergs (Tip Nähe Bergmannkiez) erreichte mein von Hiphopstargesabbel arg geplagtes Ohr sogar ein ganz ehrliches Danke und ein überraschtes Grinsen. Jutt zu sehen, dass Hiphop wieder auf der Strasse angekommen ist und die Glitzergosse beiseite lässt.

Aber kommen wir mal zurück zum Künstler ... und zu seinem Werkstoff, unserem Ohr.

Ganze Kaskaden von Bildern ballern dem geneigten Hörer durch die Sinneszellen, wenn Amewu seine Silbentsunamis fliessen lässt.
Bereits im Intro steckt er machen anderen Helmchenträger weg, ersetzt mehrere Topselleralben mit einem einzigen Punch und lockt durch einen unnachahmlichen Humor auch der letzten verrotzten Berliner Grummelmimik ein Lächeln aus den schweren Grinsefalten.

Amewu kann alles, übelste technische Abritte, die allerhöchstens noch Reimeroboter Tone in seinem hessisch verwaschen Style kicken kann oder deepe Crewmonster, wenn er mit Wakka & Phase in Bildern die lange haften bleiben werden, über die (Un-)Sinnigkeiten von Images reflektiert oder mit Wakka auf dem grandiosen Freak wahrscheinlich nicht nur mir aus tiefster Seele spricht.

... andere textlastige Sprengmittel für das profane Hiphopgehör sind Das Universelle und - NEIN wer es beim ersten Mal nicht vollständig verstanden hat, ist noch nicht entwicklungsverzögert, aber wer diese Platte nach dem dritten Run noch nicht liebt ist tot oder lebt im Land der Wackness.

Aber eine Möglichkeit zur Republikflucht ins Land der Freshness bietet der Flow 2.0-Abritt des gleichnamigen Tracks an.

Und wenn Amewu im 12ten Track (Sterben) die Thematik Tod an- & auspackt ist ohnehin alles aus, eine verdammt tiefe Seelenschau mit grandiosem Finale, die auch der abgebrühtesten Katze eine Gänsehaut übern Rücken huschen lassen wird.

Was feststeht: Amewus Album heisst nicht umsonst Entwicklungshilfe denn dieses Entwicklungsland braucht Rapper wie ihn, der alleine & in den brillanten Features (von befreundeten MCs ... denkt mal drüber nach ihr Quotenfeaturettenprinzen) sehr deutlich aufzeigt woran es Hiphop seit Jahren mangelt - nämlich Inhalt, Flow, Deep- & Dopeness, ner ordentliche Portion Funk, etwas mehr als seichtes melodisches Gespür, Aussage & (!!!) Selbstironie.

Gebt Liebe für einen Ausnahme-MC der meiner fast erloschenen Liebe zum deutschsprachigen Rap neue Nahrung gab!

Zum Vorhören - der Auftritt von Amewus Label & am 03. April live in Berlin zusammen mit dead prez ... this will much more bigger than hiphop!

Und nicht vergessen, kauft die Musik wenn ihr sie fühlt, denn noch immer gilt - disrecpting the artist is disrespecting the art - insbesondere bei solch einer eigenständigen Indieplatte!

1 Kommentar:

pellegrino hat gesagt…

"... andere textlastige sprengmittel für das profane hiphopgehör sind das universelle und - NEIN wer es beim ersten mal nicht vollständig verstanden hat, ist noch nicht entwicklungsverzögert, aber wer diese platte nach dritten run noch nicht liebt ist tot oder lebt im land der wackness."
au ja...ging mir auch so. anfangs eher "so lala", so schnell, nur die hälfte verstanden...aber mit dem dritten mal hören begann die liebe :D großartiges Album!