Donnerstag, 26. November 2009

Bonbonfarben und Madenfrass. "Jenseits" wagt den Spagat.



Allzu niedlich ist die Covergestaltung dieses Comics ausgefallen, allzu gefällig ist die Wahl der Farben, niedliche Pastelltöne und Aquarelloptik schmeicheln dem Auge. Ein Kinderbuch, so könnte man denken, ein Märchen, ein ganz zuckriges Stück Kunst, wären da nicht diese großen Finger am Bildrand.

Dieses sanfte Bilderbuch ist nur auf den ersten Blick bezaubernd, der zweite Blick aber offenbart Brutalität, Grauen und Gewalt - es floss Blut, dort wo nun die Feen wandern.

Unterhalb der konventionellen Struktur einer Fabel, welche mit dem altbekannten stereotypen Personal (der Prinzessin, dem Prinzen, der für den Fortbestand der höfischen Rituale unverzichtbaren Zofe, der wagmutigen Heldin, dem unnahbaren Beau) nahezu klassisch erzählt, verbirgt sich ein Diskurs über das Leben nach dem Tod, welcher in dieser Form neu und einzigartig ist.

Dem Autorentrio, sprich dem Duo Kerascoët alias Marie Pommepuy (Story) & Sébastien Cosset (Zeichnungen) und dem Szenaristen Fabien Vehlmann, gelingt ein heimtückiger Augentrick, dieser Comic ist keine leichtverdauliche Ware für Kindergemüter, sondern eine schockierende pathologische Fallstudie.

Während eine vordergründig harmonisch Geschichte erzählt wird, über die Selbstorganisation einer kleinen Gemeinde von Fabelwesen, verrottet im Hintergrund der Leib eines Kindes. Die putzigen Gestalten beweisen ihre symbiotischen Fähigkeiten und nutzen den, auf dem Waldboden verstreuten Inhalt der Schultasche des Opfers als Materialien zum Wohnungsbau, Hefte werden zu Dächern für die kleinen Häupter und Kekspackungen zu Verkaufstheken.

Stück für Stück wird sichtbar, dass all diese putzigen Gesellen ebenso als parasitärer Befall einer Leiche betrachtet werden könnnen, die forensische Entomologie hält Einzug in die Märchenwelt.

Diese ebenso kluge wie erschreckende Überkreuzung der beiden Ebenen, zwischen Wissenschaft und Mär, der stete Perspektivenwechsel zwischen Inzenierung von Verfall und Fäulnis und dem konstrastierenden buntem Treiben, der organisatorische Zusammenhang zwischen der verwesenden Kinderleiche und dem Aufblühen der Gemeinschaft machen diesen Comic zu etwas Aussergewöhnlichem, zu einer Prüfung für das geschulte Auge.

Hat man das Grauen einmal erkannt, schreckt man auf, doch es bleibt nicht bei dieser Parallelmontage von Gaukelei und Mord, sondern eine Wanderbewegung setzt ein, welche die hintergründige Gewalt in den Vordergrund rückt. Innerhalb der Ansammlung der Figuren kommt es zu Exzessen extremer Gewalt, ausgegrenzte Geschöpfe werden bei lebendigem Leibe in der Federmappe der Toten beigesetzt, die Tötung wiederholt sich, diesmal unter den Augen der applaudierenden Mittäter.

Alles beginnt mit dem Blutrausch der Prinzessin, deren Gefolge - ganz genrekonform - den Taten nicht widerspricht, sondern sie sogar unterstützt. Kerascoët denunzieren und demontieren die Machtgefüge des Märchens und machen so etwas ganz anderes sichtbar, denn viele der weltbekannten Kindergeschichten berichten unhinterfragt von Gewalt und Tod - die beiden Texter importieren nun weltliche Gewalt in diese Erzählweise und ermöglichen somit ein weitreichendes Nachdenken über Macht und Willkür.

"Jenseits" ist ein weiteres spannendes Experiment, welches zu beweisen versucht, dass der Comic auch imstande ist äusserst ernsthafte Thematiken abzubilden, aber diesmal wird zusätzlich der Nachweis erbracht, dass der graphische Roman von Madenfrass auch durchaus in Pastelltönen berichten kann.

Mittwoch, 25. November 2009

Memento Mori Digitalis.


Zwarwald, wir lieben dich!

Lost Soul Refuge - Schwarze Orchideen ... und Herbstzeitlose.

Ich wurde vor ein paar Tagen durch einen myspacer auf einen britischen Beatteppichknüpfer aufmerksam gemacht, dessen EP's ich mir doch mal zu Gemüte führen sollte, gesagt - getan.

Und ich muss sagen, dieser Tip war war goldrichtig, dass ich nur nochmals dankeschön sagen kann! Lost Soul Refuge, kann jedem ans Herz gelegt werden, der auch die düster-melancholische Produktionen von 2econd Class Citizen oder Sadistik fühlen kann, brüchige Instrumentalflächen mit hiphopaffinen Breaks, Cuts, Samples - Herbstfarben!

Neulich nannte eine Freundin Sadistik Goth-Hop, fand ich zwar völlig daneben, weil er sich ja nicht mit Farben verziert, aber irgendwie war die Stossrichtung ihres Argument auch nicht ganz von der Hand zu weisen.

Aber ich finde, dass "melancholische Beats", wie ein anderer Bekannter einen kompletten Ordner mit mp3 taufte, deutlich besser passt :).

Keine depressive, suizidalfreudige Klangkulisse, sondern eher eine etwas verschnupfe, gedämpfte Haltung der Welt gegenüber, vergleichbar mit diesem schlecht fassbaren Gefühl im Herbst mit einer heissen Tasse Tee am Fenster stehend dem Platschregen zuzusehen.

Klänge die für Verlangsamung, Entschleunigung und In-Sich-Kehren stehen, ruhige/beruhigende auditive Wärme. Jeder kennt diese Tage, an denen man einfach mal ein wenig Platz zum Beten braucht (um mit einer etwas älteren Band zu sprechen) ... Lost Soul Refuge liefert genau diese erfreulich langsamen Herbstbeats, die schleppenden Bässe für die Regentage, die jetzt kommen werden.

Saisonprodukt mit Langzeitwirkung, denn trotz aller gerade vorherrschender Herbstlichkeit sind diese Produktionen ausgefeilt/raffiniert genug um einen sehr hypnotischen Eindruck zu hinterlassen und sicherlich auch in einer lauen Sommernacht geniessbar. Hoch die Teetassen! Flaneurempfehlung.

Hier könnt ihr beide EP's: The Calling / Black Orchid kostenfrei downloaden. Und schaltet währenddessen doch schonmal den Wasserkocher ein & sondiert die Teevorräte. Cheerz!

Dienstag, 24. November 2009

Alice Russell - A New Dame Is Born!



Die, lange völlig zu Unrecht unterschätzte, britische Kronjuwelenperle des Neosouls Alice Russell wird von mir wegen ihrer unglaublichen Stimme schon seit längerem bewundert.

Nach ihren vier, zu Recht im kleineren Kreis gefeierten Alben und ihren stets phantastischen Kollabos mit Szenegrößen wie Will Holland's Quantic Soul Orchestra, Mr. Scruff oder den smarten Fat Freddys Drop, bahnt sich nun ein Riesenremixrummel an! 22 mal werden ihre Songs vom (kommerziellen) Durchbruchsalbum "Pot of Gold" von namhaften Künstlern (DJ Vadim, Mr. Scruff, Shawn Lee, Kidkanevil, Ohmega Watts usw.) durch den Morphwolf gejagt & aufgehübscht! Ehre, wem Ehre gebührt!

Ich glaube es wird klar, dass hier ohnehin schon ne große Liebe vorhanden war, aber nun hat sie sich mit ihrer einfach nur phantastischen Adaption von Gnarls Barkley's Überhit "Crazy" (zumindest für mich) einen Platz im Reich der Ewigen gesichert ... soooooooo gut! Shirley pass auf, da sägt wer fleissigst an deinem Thron.

Montag, 23. November 2009

Les Grosses Papilles, Kesselhaus Berlin (21.11.2009)


Les Grosses Papilles kann ins Deutsche übersetzt werden mit "Die Grossen Geschmacksknospen" und ja an Geschmack hat es den vier Herren am Samstagabend tatsächlich nicht gemangelt, ich hab in letzter Zeit selten ein so wild gemischtes & trotzdem kohärent abgeschmecktes Stück Bühnenirrsinn gesehen.

Leider ereilt die erfrischende Band ein Schicksal, mit welchem die Kapellen aus dem westlichen Nachbarland häufiger konfrontiert werden, die Zahl der Konzertbesucher war - naja, diplomatisch formuliert - überschaubar.

Ich wäre dort auch nicht aufgetaucht, wenn ich die Karte nicht gewonnen hätte, denn mir war die Band bisher völlig unbekannt (und Plakate hab ich auch nirgendwo entdecken können) und mir erschien die Schublade, welche die Konzertagentur für ihre Beschreibung aufmachte auch etwas absonderlich - "Chanson-Punk", aha!

Was soll datt denn sein? Chanson als die französische Form des Folks plus einem Quentchen tagesaktueller Musik? Naja, abwarten dachte ich mir, man schaut ja einer Gratisstute nicht aufs Zahnwerk.

Aber ich sollte als olle Gästelistemade einen echt unterhaltsamen Abend erleben. Das Bühnenequipment bestand aus folgendem: Einem Kontrabass, einer Quetschkommode (mit einem per Gaffertape befestigtem Mikro ;) ), einem Schlagzeug, einer Gitarre, einigen Effektmodulen und einer kleenen unscheinbaren, mobilen Prozessorkiste, welche für die dezente Einstreuung der Samples zuständig war.

Und die Geschmacksknospen rumpelten ordentlich los, mit Spielfreude, Charme und sichtbarer Bühnenpräsenz. Was ich verdammt sympathisch an ihnen fand war, dass sie sich trotz gähnender Saalleere nicht den Spass nehmen liessen und sich am Ende damit rühmen konnte n zumindest mal gefühlte 75% der Anwesenden, also knapp 30 Menschenkinder zum wilden Tobtanz animiert zu haben.

Liveerfahrung scheinen die Jungs ausgiebig gesammelt zu haben, denn ihr Set war eine clever choreografierte Sause aus schrägen theatralischen Momenten, irrwitziger Improvisation und Wällen gut tanzbarer Melodien.

Besonders angetan war ich von dem Herren mit der Quetschkommode, der zuerst einmal eine Lanze für sein in Deutschland oftmals belächeltes Instrument brach & es während seiner ersten Solonummer mal herrlich schräg besang: "Ich weiss es sieht aus wie eine Heizung, aber es wärmt mich". Im weiteren Verlauf verdingte er sich dann als wusselige, bandinterne Rhythmusmaschine und bot feine Scat- und Beatboxeinlagen, hüpfte wild rum und war eine einfach ursymphatische Bühnensau.

Aber auch der Rest der Band rockte wie blöde und überbot sich im Faxenmachen, der Sänger zum Beispiel erklärte, dass für ihn als Halbfranzose/Halbitaliener das Deutsche zwar eine sehr große Ähnlichkeit zum Japanischen aufweise, was ihn aber nicht davon abhielt eine komplett in deutsch gehaltene Nummer über seine Aversion gegenüber Polizisten "Alles Blau" zum besten zu geben.

Die klang dann zwar nach sehr trunkenem, sehr gedehntem Fränkisch, aber sie war einfach verdammt charmant in ihrer Unvollkommenheit, wie eigentlich auch der gesamte Rest, somit machte die Band das wirklich klitzekleine Konzert zu einer kleinen, aber feinen Fete, an die ich mich sicherlich noch ne ganze Weile grinsend erinnern werde.

Aber bestaunt sie doch einfach selbst auf ihrem myspace-Auftritt oder im folgenden Video. Cheerz!






Sonntag, 22. November 2009

Wo die wilden Kerle wohnen - The Remix ;)

Wahn & Wirklichkeit #4 [Zeit des Terrors]



Grauenvolle, erschütternde Schilderung von erlaubten Praktiken. Folter oder scharfes Verhör, dies ist mehr als bloß eine Frage nach der Definition der Grenzen der Zulässigkeit der Handlungen der Peiniger - zerrt sie an Licht, unterstützt Amnesty International.

Samstag, 21. November 2009

Fall Of Efrafa - Dominion Theology


Der ein oder andere wird jetzt entsetzt feststellen, dass der Flaneur ja auch Musik mit harter Kante hört, aber so ist es eben mit der Vielschichtigkeit des Einzelnen.

Fall Of Efrafa sind eine Band, auf die ich vor einigen Monaten aufmerksam gemacht wurde, zu denen ich aber zunächst keinen rechten Zugang fand. Nachdem ich mich jetzt ma ne Weile mit ihnen beschäftigt habe, muss ich sagen, sehr interessante Band!

Warum?

Die Kapelle mit dem mitreissend schleppenden Sound kommt aus Brighton (UK) und nimmt in ihren Texten Bezug auf den britischen Autoren Richard Adams und dessen bekanntestes Buch "Watership Down". Die in diesem Roman entwickelten frühökologische, tierrechtlichen und industrialisierungsskeptischen Positionen werden von ihnen in ihren Lyrics aufgegriffen, aktualisiert und in einer Trilogie (Owsla, Elil, Inle) verarbeitet.

Ein eigenständiger Zugriff auf die Textvorlage & eine sorgfältige Übertragung in die eigenen Lyrics, sowas würde ich gerne viel häufiger beobachten!

Der folgende Song ist auf dem zweiten Album der Reihe (Elil) erschienen und gibt (meines Erachtens) einen guten Einblick in die stilistische Breite der Band.

Eine Band, deren kritischer Impetus deutlich mehr darstellt als einen cleveren, verwertungslogischen Schlüsselreiz, wie man ihn bei sogenannten HC-Bands wie Rise Against, Anti-Flag & Konsorten beobachten kann. Daher ist es nur folgerichtig, wenn sie all ihre bisherigen Veröffentlichungen zum kostenlosen Download anbieten, es geht ja um die Sendung & nicht um das Produkt.

Also, wenn euch Fall Of Efrafa ähnlich packen wie mich, hier findet ihr die Alben, welche man natürlich auch als Vinyl/CD erwerben kann, wenn man gerade das nötige Kupfer zur Hand hat. Flaneurempfehlung mit Doppelkante!





Nachtrag: Ich habe gerade erfahren, dass der Flyer, den ich für diese Veröffentlichung verwendet habe, der Flyer des letzten Konzerts dieser Band ist. Verdammt schade, hatte sehr gehofft sie auch mal live zu sehen zu bekommen. Wieder einmal geht ne gute Band, aber besser den rechten Zeitpunkt nutzen, als ein Schatten seiner selbst zu werden. Ich sag nochmals Chapeau! und ziehe erneut meinen Hut vor der Konsequenz dieser Band. RIP.

Freitag, 20. November 2009

Lilea Narrative & die Snippetoptikbombe!



Hell Yeah!

Mal abgesehen davon, dass ich den französischen Sperrfeuerbeatmaniker seit seinem letzten Abriss-Set in Berlin ohnehin liebe & für eine Wiederholung von der extrem dreckigen Liveversion von "la femme au lait noir" meene Omi gleich mehrfach verpfänden würde, freu ich mich natürlich derbe auf sein neues Album - aber all dies stelle ich zurück, wenn ich mir verdeutliche, wie sehr mich gerade dieser Teaser flasht!

Und dem nicht genug, der jutte Herr hat auch all seine Remixe auf Soundcloud zum Gratisdownload freigegeben ... lets go digital diggin'!

lilea narrative - la femme au lait noir

Finsteres Ad-Busting ... iRaq.



Die Social Awareness/Adbusting-Guerillatruppe forkscrew überkreuzte 2004 mal fix das populäre Artwork der Kampagne von jedermanns Lieblingsplayer, mit den allen inzwischen bekannten Fotobeweisen der Grausamkeiten dieses Kriegs. An Aktualität haben die beiden Plakate eigentlich nichts verloren. Hart, hinterhältig & notwendig.

Donnerstag, 19. November 2009

2econd Class Citizen - Listen The Night




Die "Wyred Folk" EP war ja schon ein phantastisches Stück Genregrenzen ignorierende Grenzgängermusik, aber auf ihrem aktuellen Album (A World Without) brechen 2econd Class Citizen nun endgültig mit allen Regeln & Beschränkungen und liefern eine wunderbar sperrige, melancholische Instrumentalplatte voller kleiner, stiller Perlen ab, die durch die amtlichen Features (Ceschi & Reindeer) und den extrem eigenständigen Sound zu überzeugen weiss. Sicherlich eine der Platten, die mir diesen Winter versüssen werden.

Hier mal vorab eine dieser herrlich spleenigen Nummer, weit abseits der blassen, standardisierten Ware anno 2009.

Mittwoch, 18. November 2009

The basis of change: educate!




Leider gibt es nur noch wenig Punk-Bands, die geradlinige Wucht, durchdachte Aussage & selbstkritisches Reflexionsvermögen so pointiert zusammenbringen, wie seinerzeits Propagandhi, deren Bandname ja schon eine Marke für sich war.

Mark your point of failing.
It begins where you concede.
Hesitate. Procrastinate. Sedating.
All configured to impede your path.
You need a good kick in the ass.
Now take a step back and have a long hard look.
Hold it to the light and read it like a book.
Analyze the past and present to see what is to come.
Now wrap your lips around the barrel of the gun.
Mark my point of failing. It began where I gave in.
Comfort. Convenience. Placating.
Construed to suck me in, to their trap.
I need a good kick in the ass.
As time passed I realized we don't need rules to survive.
Just common sense and means to subsist.
So from here on in I will resist.
I've finally realized. I've found my way at last.
It's finally evident.
We all need a kick in the ass.
The basis of change: educate! Derived from discussion,
not hate, not myth, not muscle, not etiquette.
Intellect, not "re-elect!".
Status symbols yield to respect between sex, species, environment.

Dienstag, 17. November 2009

Alte Eisen & Neue Meister ...



So kann's gehen, der Stolz dahin, der Ruf ruiniert - der Stich sitzt noch tief ;).

Ich wurde gerade (und völlig zurecht) von dem kleinen Bruder eines Kumpel gedisst, weil ich olle Trantüte ma wieder völlig den Trend verpennt hab ...

... und daß obwohl ich die Liveabrissqualitäten von The Roots immer feierte & auch dem amtlichen Rapkapellenstyle von Hocus Pocus oder True Live stets gewogen war, aber dann übersehe ich eine solche Bombe wie "Breathe" von Blitz The Ambassador - eigentlich untragbar.

Aber auch den alternden Haudegen kann geholfen werden ... !

Vor 4 Jahren noch ein fiependes Ding mitten im Stimmbruch und nun stilsicherer Bombenlieferant, ein dickes Hoch auf die Neue Brut! - und auf Blitz sowieso, tighte Geschichte, duftes Video, satter Sound ... Abriss!

Streetart mal selbstkritisch.

Montag, 16. November 2009

Ed Brubaker & Sean Phillips: Criminal - Obsession. Ein Meisterwerk.


"Obsession", der vierte und bedauerlicherweise letzte Teil der Ausnahmeserie der erzproduktiven Kooperative Ed Brubaker & Sean Phillips hat jetzt seinen Weg auch in die deutschen Buchhandlungen geschafft, geboten wird ein fantastisch erzählter Kriminalroman in seiner dunkelsten Form.

Gewohnt düster, werden auch hier keinerlei Abstriche gemacht, diese Graphic Novel ist das visuelle Äquivalent zu einem formvollendeten hardboiled-Roman, aus der Feder der ganz Großen des Genres. Heimtückisch, finster, schonungslos, ohne Hoffnung.

Als Signaturen zu den einzelnen Stories wählte das Duo stets bildhafte Titel - (Feigling, Blutsbande, Grabgesang) und auch die aktuelle Veröffentlichung bricht nicht mit dieser Regel. "Obsession" versteht sich als Programm, bis zum Ende changiert der Plot zwischen Wahnhaftigkeit und eingetrübter Realität, der Protagonist, welcher im Rückblick über sein Leben berichtet, erscheint als unzuverlässiger Erzähler.

Glaubt man zunächst noch an eine beschönigende Schilderung seinerseits, wird im Verlauf des Comics sichtbar, dass die Vielzahl der Brüche und Unstimmigkeiten, andere Ursachen haben müssen. Man taucht ein in eine packende Halbwelt voller Gewalt, Sex und Trug, deren mitreissenden Sog man sich nur schwer erwehren kann.

Dieser graphische Roman bietet alles (und möglicherweise sogar mehr) was man von einem klassischen "Noir" erwartet: Spannung, Tempo, zerrissene Figuren, schwankende Ideale, taumelnde Helden, hier wird Scheitern zum Prinzip, das Moralische zum verzichtbaren Beiwerk, was bleibt ist die Nacht und deren Strassenschatten, in denen bereits die nächste Gefahr auf der Lauer liegt.

Mehr zu erzählen würde gegen jede Sittlichkeit dem Leser gegenüber verstossen, denn - wer kennt es nicht - Menschen, die einem (nahezu zwanghaft) den gesamten Plot bereits vorab erzählen müssen, entfernt man nur allzu gerne aus seinem Freundeskreis. Ich möchte euch die Freude des atemlosen Weiterblättern nicht nehmen, lest selbst.

Nur eins - Brubaker, der sich zu einem der stilbildenden Storyboarder seiner Zunft mausert lässt den Leser nicht aus seinen Fängen, eine mysteriöse, wunderschöne rothaarige Femme Fatale steht im Zentrum dieser psychologisch dicht erzählten Geschichte. Nur zögerlich lässt er die Gesamtheit der Informationen durchsickern, der Leser muss sich dem Tempo seines Erzählens anpassen, sich dem Willen dieses Ausnahmeautors beugen, dessen fabelhafte Schreibe durch die kongeniale Visualisierung seines Partners Sean Phillips zu einer überzeugenden Form verschmilzt, welche ihre absolute Eigenständigkeit in der aktuellen Bilderwelt des Comics behauptet und ausbaut.

Diese Reihe ist ein Markstein in der Geschichte der gezeichneten Krimis, jede weitere Veröffentlichung muss sich an diesen Glanzleistungen messen lassen. Pflichtlektüre!

Sonntag, 15. November 2009

Wahn & Wirklichkeit #3 [Malaria: Kaltes klares Wasser (the CIA-Remix)]



Zulässige, nichtletale, sanfte Verhörmethoden? Nicht dulden, nicht hinnehmen, unterstützt Amnesty International.

Samstag, 14. November 2009

Terrorismus.

Freitag, 13. November 2009

Kühles Hemd!



Einer der galligsten, aber gerade deshalb so zutreffenden Songs über Schicksenthemen. Brennt noch immer, auch 13 Jahre später vollständig zitierbar.

Donnerstag, 12. November 2009

Kery James repräsentiert den anderen Hip Hop.



Kery James, der pointierte Politrapper ohne nervigen Zeigefinger, der unverblümte Wahrsprecher ohne platte Gesten und mit Anspruch, der erzstylische Antiposterboy rappt von Respekt, Verantwortung, Einigkeit, Vielfalt und Frieden, fresher oldschool approach eben ... und dazu ein elegantes Video, saftige Beats & satte Cuts ... Hip Hop Herz, was willst du mehr ... ausser mehr von diesem Hip Hop?

Der geflashte Oldschoolhead sagt Peace out! & is raus. Cheerz!

Mittwoch, 11. November 2009

Ticky aka the omnipresent Gwaner ...